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The Crazy Never Die Amerikanische Rebellen in der populären Kultur von Bittermann, Klaus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.05.2011
  • Verlag: FUEGO
eBook (ePUB)
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The Crazy Never Die

Biographische Essays über gesellschaftliche Außenseiter, die großen Einfuß auf die Entwicklung der populären Kultur hatten. Sie verkörperten Widerstandsgeist, Provokation und Dissidenz und das alles auf einem extrem hohen Drogenniveau. Sie waren die Jungs, die von den normalen Bürgern Amerikas am liebsten in irgendein Dritteweltland abgeschoben worden wären, um sie für immer los zu sein, weil sie alles repräsentierten, was inakzeptabel war: Gefährliche Individuen, auffälliges Gesindel wie Robert Michum, Exzentriker wie Lenny Bruce, dessen Genuß im Regelverstoß lag, Feinde der Gesellschaft wie Abbie Hoffman, Verrückte, die den sexuellen Exzeß liebten und zelebrierten, Vaterlandslose ohne Familie, Waffennarren wie Hunter S. Thompson, Desserteure aus allen Pflichten, Bohemiens, Spinner und Maniker wie Lester Bangs, Drogenfreaks, Agitatoren, Cowboys wie Kinky Friedman. Wenn es so etwas gab wie 'das andere Amerika', dann waren sie die Protagonisten. Klaus Bittermann, 1952 geboren, Autor und Verleger, lebt in Berlin. Herausgeber von 26 Anthologien und Beiträger für selbige. Schreibt für die junge Welt, taz und jungle world und seinen Blog: www.bittermann.edition-tiamat.de. Veröffentlichungen u.a.: 'Wie Walser einmal Deutschland verlassen wollte', Berlin 2005. Unter dem Pseudonym Artur Cravan schrieb er eine Krimi-Trilogie: 'Tod in der Schonzeit', 'Fluchtpunkt Berlin', 'Der tödliche Bluff'. Hörbuch: 'Sieben Abschweifungen über Hunter S. Thompson', Berlin 2006. Kinderbuch: 'Der Aufstand der Kuscheltiere. Eine Räuber- und Pistolengeschichte', mit Illustrationen von Rudi Hurzlmeier, Frankfurt 2007

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 271
    Erscheinungsdatum: 13.05.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862870073
    Verlag: FUEGO
    Serie: Critica Diabolis Bd.185
    Größe: 483 kBytes
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The Crazy Never Die

Der Egomaniker und die Freiheit der Rede

"Ich bin kein Comedian, ich bin Lenny Bruce"

"Alle Ingredienzen sind vorhanden: der hippe Philosoph, der heilige Junkie, der Kreuzritter gegen die Heuchelei, das Lynchopfer, der Märtyrer für das Recht auf die freie Rede." Los Angeles Times

Mit ihm begann der ganze Schlamassel, mit ihm begannen die Werte des guten alten Amerika eines John Wayne zu bröckeln. Lenny Bruce hat die Amerikaner darüber aufgeklärt, daß sie ein Untenrum haben, er führte das Wort "Fuck" in der Öffentlichkeit ein und konfrontierte die Amerikaner mit ihrer Schizophrenie, denn so gebräuchlich und beliebt das kleine dreckige Wörtchen im amerikanischen Sprachgebrauch war, es war unter Strafe verboten, es auf der Bühne vor Publikum auszusprechen. Seine "Witze unter der Gürtellinie" waren immer wieder Anlaß, ihn vor Gericht zu zerren. Er war "der Komiker der schmutzigen Wörter, der Tabu brechende Gesellschaftskritiker", der "ganz offen auf seine Jewishness verwies. Jiddische Phrasen, Witze und ein Humor im Kamikaze-Stil, dem sogar der Holocaust als Material diente", schreibt Steven Lee Beeber.

Lenny Bruce, der später in einem Film von Dustin Hoffman gespielt und verewigt wurde, hat eine ganze Generation beeinflußt, die in den fünfziger und sechziger Jahren aufgewachsen ist, denn in einem ähnlich beklemmenden Klima wie in Deutschland war er die Stimme, die gegen die gesellschaftliche Moral schwere Geschütze auffuhr und sie ins Wanken brachte. Lenny Bruce war der kleine dreckige Bastard, der den Amerikanern ihre kleinen dreckigen Geheimnisse verriet, und der dafür von den Eltern gehaßt, von den aufbegehrenden Söhnen und Töchtern geliebt wurde.

Ladies and Gentlemen, Lenny Bruce!

Lenny Bruce wurde am 13. Oktober 1925 auf Long Island geboren und hieß zunächst Leonard Alfred Schneider. Als er 1948 zum ersten Mal in der Arthur Godfrey Show auftrat hieß er bereits über ein Jahr lang Lenny Bruce. 1945 war er von der Navy ausgemustert worden, weil er Frauenkleider getragen hatte. Vier Navy Offiziere fragten ihn aus: "4. Offizier: 'Genießen Sie es, Frauenkleider zu tragen?' Bruce: 'Manchmal.' Alle vier: 'Wann ist das der Fall?' Bruce: 'Wenn sie passen.'" Außerdem wollte man herausfinden, ob er homosexuell sei, ein Delikt, aus dem sich ebenfalls ein guter Witz basteln ließ, einer von vielen, der den Leuten im Gedächtnis haften blieb und weshalb man auf ihn aufmerksam wurde: "Ich habe wirklich herausgefunden, was sie mit den Homosexuellen in diesem Land machen. Sie stecken sie zusammen mit anderen Männern ins Gefängnis. Das ist wirklich eine gute Bestrafung."

Und hier wird auch gleich deutlich, daß nicht alle den Witz gut finden würden, denn er bedient Vorurteile und karikiert sie gleichzeitig und bringt die Konservativen genauso auf die Palme wie die Progressiven, die, kaum war der Witz durch die erste Gehirnwindung hindurchgeschlüpft, am liebsten wahrscheinlich gekotzt hätten, jedenfalls wenn man sich nicht gleichzeitig dadurch hätte beruhigen können, daß da nur irgendein unbedeutender Komiker versucht hatte, komisch zu sein.

Lenny Bruce trat zunächst in Nachtclubs auf, wo er auf Anraten einer Stripperin und seiner späteren Frau Honey Harlowe schon mal mit nichts außer schwarzen Socken und Schuhen den Conférencier machte und den Mädchen die Show stahl, und er trat in der lokalen Steve Allen TV-Show auf, wo er mit den Worten angekündigt wurde: "Ladies and Gentlemen, hier ist ein sehr schockierender Comedian, der schockierendste Comedian unserer Zeit überhaupt, eine junger Mann, dessen Ruhm gerade in ungeahnte Höhen emporschnellt - Lenny Bruce!"

Aber mit diesem jungen Mann gab es leider auch sehr unerfreuliche Probleme, weil Lenny Bruce eine Nummer im Programm hatte über einen Heranwachsenden, der durch Schnüffeln an einem Kleber high wird und sich stolz als der "Louis Pasteur des Junkietums" bezeichnet, und das war ein

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