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Das Königreich der Vandalen von Vössing, Konrad (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2014
  • Verlag: Philipp von Zabern
eBook (ePUB)
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Das Königreich der Vandalen

Eine kleine Schar germanischer ?Barbaren? zieht quer durch Europa bis nach Nordafrika, erobert Rom und ist unmittelbar am Untergang des weströmischen Reiches beteiligt: die Vandalen. 100 Jahre besteht ihr Königreich, bevor sich ihre Spuren ebenso schnell wie rätselhaft verlieren. Kein anderer Germanenstamm hat eine so lange Unabhängigkeit erreicht wie sie. Dieses Vandalenreich ist in einzigartiger Weise verbunden mit seinem ersten und bedeutendsten König, Geiserich. Er war es, der sie auf römisches Gebiet im heutigen Tunesien führte, sich in militärischen Auseinandersetzungen behauptete und einen gut organisierten Staat installierte. Konrad Vössing beschreibt anschaulich und klar dieses mächtige Königreich im Kontext des spätrömischen Reiches, der afrikanischen Provinzen, der Völkerwanderungszeit und Geiserichs Herrschaft.

Konrad Vössing, geb. 1959, ist Professor für Alte Geschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt neben der Geschichte der Vandalen die antike Kultur- und Sozialgeschichte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 01.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783805348423
    Verlag: Philipp von Zabern
    Größe: 2738 kBytes
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Das Königreich der Vandalen

I Einleitung

Vandalen gibt es überall, so scheint es. Die Zerstörung von Kulturgütern als eine Art Negierung oder Pervertierung ihrer Werte ohne erkennbaren Sinn ist überall anzutreffen, und zwar gerade an Orten, die von der Allgemeinheit aufgesucht werden, seien es Bushaltestellen oder Internetseiten. Gewöhnlich bezeichnen wir dieses Phänomen mit einem historisierenden Begriff als 'Vandalismus', was auf einen antiken Volksnamen zurückweist, den der Vandalen. Dies sichert den 'echten' Vandalen immerhin eine gewisse Aufmerksamkeit. Wer sich näher mit dieser gens (so die antiken Quellen) beschäftigt, steht vor der Frage, was denn an den Vandalen so besonders war, dass sie als einziger antiker germanischer 'Stamm' (so könnte man gens übersetzen) zu einem Schimpfwort geworden sind. Ihren historischen Ort hat diese - sachlich ungerechtfertigte, wie wir noch sehen werden - Begriffsprägung allerdings nicht in der Antike, sondern in der beginnenden Neuzeit. 1 Die grundsätzliche Frage nach der Besonderheit der Vandalen ist jedoch eigentlich die Kernfrage jeder geschichtlichen Betrachtung und deshalb auch für dieses Buch wichtig. Sie kann nur im historischen Zusammenhang beantwortet werden und nicht losgelöst von den Strukturen des Römischen Reiches jener Zeit.

Dass uns die Vandalen und ihr Schicksal heute noch faszinieren, kann man auf dreierlei zurückführen: auf den erstaunlich langen Weg, den sie mit Frauen und Kindern quer durch Europa und Nordafrika zurückgelegt haben, auf das Bild der kleinen Schar siegreicher, wilder Barbaren im üppigen, sonnigen Römerland am südlichen Mittelmeer und auf ihren rätselhaft schnellen Untergang trotz einzigartiger Erfolge gegen scheinbar übermächtige Gegner. Diese Faszination ist auch durch verschiedene romantische Vorstellungen bestimmt, etwa die eines wie auch immer gearteten Stammescharakters der Vandalen, der sich unverändert wie im mitteleuropäischen Ursprungsgebiet so auch in Africa zeigte. 2

Die Suche nach einer 'Identität' der Vandalen ist, wie sich zeigen wird, wenig sinnvoll. Weiter kommt man bei der für das Thema des vandalischen Königreichs wichtigen Frage nach seinem Verhältnis zu den Römern und nach dem Erfolgsgeheimnis der Vandalen. Kein anderer Germanenstamm hat zu ihrer Zeit (429-534 n. Chr.) eine so lange und vollständige Unabhängigkeit erreicht. Auf diesem Phänomen, der lange Zeit erfolgreichen vandalischen Reichsbildung auf ehemals römischem Boden, soll das Hauptgewicht des vorliegenden Buches liegen. Ziel ist es, die Etablierung und Charakteristik des regnum Vandalorum darzustellen, und zwar im Kontext der Geschichte des spätrömischen Reiches, des afrikanischen Provinzialgebietes und der 'barbarischen' Eroberungen. Das Königreich der Vandalen aber ist in besonderer Weise mit seinem ersten und bedeutendsten Herrscher verbunden, der ein halbes Jahrhundert lang (428-477) an der Spitze seiner gens stand und heute wohl ihr einziger Vertreter ist, den ein breiteres Publikum kennt: Geiserich. Er war es, der den Zug nach Africa anführte, der sich in keineswegs einfachen militärischen Auseinandersetzungen behauptete, der die Anerkennung des Kaisers in Ravenna erlangte, der die Vandalen neu organisierte und in Africa fest installierte. Schließlich aber war er auch derjenige, der Rom eroberte, das Mittelmeer mit seinen Raubzügen in Angst und Schrecken versetzte und ganz unmittelbar am politischen Ende des Westreichs beteiligt war.

Um vom Königreich der Vandalen sprechen zu können, müssen drei Komponenten zusammenkommen: Vandalen, ein König und eine dauerhafte Herrschaft, die an ein festes Gebiet gebunden war. Letzteres war erst ab dem Jahr 442 n. Chr. gegeben, als der weströmische Kaiser mit den Vandalen in Africa notgedrungen Frieden schloss und die unabhängige Autorität Geiserichs über sein afrikanisches regnum akzeptieren musste. Dieser Grün

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