text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die Germanen von Wolfram, Herwig (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.08.2018
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
7,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Germanen

Diese höchst kurzweilige Einführung fasst knapp zusammen, was man über die Welt der Germanen unbedingt wissen sollte. Eloquent und kenntnisreich führt Herwig Wolfram den Leser in Herkunft und Mythen, Leben und Wirken der Germanen ein, porträtiert ihre Stämme und erzählt die Geschichte der "Völkerwanderung". Der Wiener Historiker macht vertraut mit den wichtigsten Quellen und Forschungsergebnissen und räumt zugleich auf mit hartnäckigen Klischees, die bis heute ein historisch ausgewogenes Verständnis der germanischen Welt beeinträchtigen. Herwig Wolfram ist Professor em. für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Wien. Er ist Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 28.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406727351
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Serie: C.H. Beck Wissen 2004
    Größe: 2994 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die Germanen

I. Die Germanen

Vergleiche, Stehsätze, Gemeinplätze, und was sich daraus machen läßt

Ganz anders als die Gallier sind die Germanen. Das ist die Quintessenz des ethnographischen Exkurses, den Caesar seinem Kommentar über das sechste gallische Kriegsjahr (53 v. Chr.) einfügte. Wie jede Kunde vom Menschen, die wissenschaftliche wie die vorwissenschaftliche, so leben Ethnologie und Ethnographie vom Vergleich; vom Vergleich zwischen dem zivilisierten Subjekt und seinen Objekten, den "primitiven Naturvölkern", wie zwischen den Objekten untereinander. Man verherrlicht die Tugend der Germanen, behauptet, ihre Sitten seien besser als anderswo die Gesetze (Tac. Germ. 19, 3), und erinnert damit an die verklärten Ursprünge Roms. Die Germanen seien größer, wilder und kulturloser als die Gallier, und damit ist die Nutzlosigkeit ihrer Unterwerfung erklärt. Die afrikanischen Vandalen gäben sich zuchtloser und verweichlichter als die sittenstrengen und bedürfnislosen Berber, und das wird bis heute als Grund für ihren Untergang angegeben.

Ethnologie als Feldforschung und ihre darstellende Schwester, die Ethnographie, sind stets auf der Suche nach dem "Edlen Wilden" gewesen, der einmal moralisch, dann - unseligen Angedenkens - rassisch besser war, neuerdings jedoch ohne jede sexuelle Zwänge sich von unveredeltem Getreide und Kräutern ernährt und auf ungebahnten natürlichen Pfaden rüstig eine gesunde Umwelt durchschreitet. Beide, Ethnologie und Ethnographie, zählen zu den Kulturwissenschaften der zivilisierten Welt, die sie auch für die Beobachtung des Fremden und ganz Anderen niemals völlig verlassen können. Bei der Objektivation, bei der für jede wissenschaftliche Forschung notwendigen Trennung von erkennendem Subjekt und erkanntem Objekt, gelingt es nur schwer, sich von den eigenen Kategorien zu trennen und die des Objekts anzunehmen. Um nicht mißverstanden zu werden, die Ethnologie ist eine ernstzunehmende Wissenschaft, und es wäre töricht und im besonderen Falle undankbar, ihre unbestreitbaren Erfolge abzuwerten. Aber die traditionellen ethnographischen Fehler reichen weit bis in die griechisch-römische Antike zurück und bieten heute noch der Satire Stoff und Stil. Dementsprechend heißt es in einer jüngst erschienenen "Völkerkunde Bayerns": "Ethnology is the study of everybody shorter and darker than you." Im Falle der antiken Autoren müßte es freilich heißen "größer und heller als Du" (siehe Strabo VII 1, 2: Vergleich zwischen Germanen und Kelten).

Daß man als Historiker nach den germanomanischen Exzessen des vorvergangenen und der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts heute wieder über die Germanen sprechen und schreiben kann, ist freilich nur den Anleihen bei der Ethnographie und der Übernahme ethnologischer Methoden zu verdanken, wie dies Reinhard Wenskus 1961 in seinem bahnbrechenden Werk "Stammesbildung und Verfassung" so eindrucksvoll getan hat. Sein grundlegender methodischer Fortschritt bestand einmal in der Überwindung jeglicher etatistischer Betrachtungsweise, zum anderen in der Unterscheidung zwischen der Wortwahl der Überlieferung und ihrer Bedeutung: Wenskus schloß an Alfred Doves fast vergessene Überlegungen aus dem Jahre 1916 an. Dabei erkannte er, daß Ausdrücke wie gens , genus-genos , genealogia , natio ( n ), aber auch der Begriff "Stamm" die Vorstellung einer biologischen Abstammungsgemeinschaft wiedergeben. Diese Gemeinschaft wird von gemeinsamen Ursprüngen und Urvätern hergeleitet, erhebt den Anspruch auf "unvermischte" Bodenständigkeit und kann unbesehen als Vorstufe des modernen Nationalismus dienen. Allerdings besteht die Schwierigkeit, daß man sich als Historiker der gehobenen Alltagssprache bedienen muß und seine Aussagen nicht ständig zwischen Anführungszeichen setzen darf. So wird weiterhin von Stamm und Volk zu sprechen sein, wobei freilich zu erwarten ist, daß der Leser die histor

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen