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"Dann bin ich ja ein Mörder!' Adolf Storms und das Massaker an Juden in Deutsch Schützen von Manoschek, Walter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.03.2015
  • Verlag: Wallstein Verlag
eBook (ePUB)
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"Dann bin ich ja ein Mörder!'

Es war nicht schwer, Adolf Storms im Sommer 2008 zu finden. Der Name des ehemaligen SS-Unterscharführers stand im deutschen Telefonbuch. Am 29. März 1945 erschossen drei Angehörige der Waffen-SS-Division "Wiking' mindestens 57 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter im burgenländischen Deutsch Schützen. Einer der mutmaßlichen Täter hieß Adolf Storms. 63 Jahre nach dem Massenmord gelang es Walter Manoschek, mit Storms und zwei weiteren beteiligten HJ-Führern zu sprechen. Er interviewte Storms insgesamt 15 Stunden vor laufender Kamera, bereits zuvor verständigte er die Staatsanwaltschaft. Adolf Storms wurde im Herbst 2009 in Dortmund wegen Mordes und Beihilfe zum Mord angeklagt. Er verstarb kurz vor Prozessbeginn im Juni 2010. Die Gespräche mit Adolf Storms, den beiden HJ-Führern und drei Juden, die das Massaker überlebt haben, bilden das Grundgerüst des Buches. Der multiperspektivische Ansatz ermöglicht eine dichte Beschreibung der Vorgänge. Manoschek rekonstruiert das Mordgeschehen in Deutsch Schützen und beschäftigt sich mit dem justiziellen Umgang Österreichs mit NS-Tätern. Der beigelegte Dokumentarfilm von 2012 "Dann bin ich ja ein Mörder' lässt Täter ebenso zu Wort kommen wie Überlebende des Massakers von Deutsch Schützen. Walter Manoschek, geb. 1957, Außerordentlicher Professor für Politikwissenschaft an der Universität Wien, forscht und publiziert seit vielen Jahren zu den Themen Nationalsozialismus und Holocaust; 1995-1999 Mitgestalter der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944'. Veröffentlichungen u. a.: Der Fall Rechnitz. Das Massaker an Juden im März 1945 (Hg., 2009); Opfer der NS-Militärjustiz. Urteilspraxis - Strafvollzug - Entschädigungspolitik in Österreich (Hg., 2003).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 219
    Erscheinungsdatum: 02.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783835327887
    Verlag: Wallstein Verlag
    Größe: 2890 kBytes
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"Dann bin ich ja ein Mörder!'

Die ersten Judenmorde der SS-Division
"Wiking" in Polen und der Ukraine
im Juli 1941

Adolf Storms hatte bereits eine typische nationalsozialistische Karriere hinter sich, als er am 1. März 1942 der Waffen-SS beitrat. Als Mitglied bei der Allgemeinen SS seit Oktober 1941, als gottgläubiges 2 NSDAP-Mitglied seit Januar 1942, bedeutete sein freiwilliger Beitritt zur Waffen-SS, dass er dem NS-Regime auch mit der Waffe in der Hand im ideologisch exponiertesten Teil der kämpfenden Truppen dienen wollte. 3 Er wurde Schütze bei der 8. Kompanie des SS Schützen Regiment 10, Westland, der 5. SS-Division "Wiking".

Zu diesem Zeitpunkt war die Division bereits seit acht Monaten im Kampf gegen die Sowjetunion eingesetzt. Mit Kriegsbeginn am 22. Juni 1941 hatte sie die deutsch-sowjetische Demarkationslinie überschritten und am 30. Juni die Stadt Lemberg erreicht. Nachdem in den Lemberger Gefängnissen mehrere Hundert Opfer des sowjetischen Geheimdienstes entdeckt worden waren, hatte die ukrainische Bevölkerung ein Judenpogrom initiiert, das von den eintreffenden Wehrmachtsverbänden und einem Vorkommando des Sonderkommandos 4b der Einsatzgruppe C ausgeweitet wurde. Insgesamt wurden etwa 4000 Juden erschlagen oder erschossen, wobei sich Soldaten des Regiments "Westland" der SS-Division "Wiking" an diesem Massenmord eifrig beteiligten. 4 Offensichtlich betrieben die SS-Soldaten das Judenpogrom als Freizeitvergnügen. So notierte der in Lemberg stationierte Generalstab der 17. Armee lakonisch: "Einzelne Angehörige der Division gehen inzwischen auf Juden jagen (sic!)." 5

Im 130 Kilometer entfernten Tarnopol, wo etwa 18.000 Personen als Juden galten, spielten sich fast zur gleichen Zeit ähnliche Gewaltorgien gegen die jüdischen Bewohner ab, in die andere Einheiten der Division "Wiking" involviert waren. Unmittelbar nach der deutschen Besetzung der Stadt fand man die Leichen einiger Hundert Ukrainer und einiger deutscher Soldaten, die der sowjetische Geheimdienst NKWD kurz vor dem Abzug der Roten Armee ermordet hatte. Daraufhin setzten Ukrainer ein Judenpogrom in Gang, das von deutscher Seite tatkräftig unterstützt wurde. Tagelang wurden die jüdischen Einwohner der Stadt durch die Straßen getrieben. Während das Sonderkommando 4b der Einsatzgruppe C gezielt mindestens 127 jüdische Intellektuelle erschoss, ermordeten Soldaten der SS-Division "Wiking" gemeinsam mit Wehrmachtsangehörigen und einheimischen Zivilisten wahllos Hunderte von Juden. Im Bericht der Einsatzgruppe hieß es dazu: "Die durchziehenden Truppen, die Gelegenheit hatten, diese Scheusslichkeiten und vor allen Dingen auch die Leichen der ermordeten deutschen Soldaten zu sehen, erschlugen insgesamt etwa 600 Juden und steckten ihre Häuser an." 6

Dr. Aaron O., der das Morden überlebt hatte, beschrieb in einer Zeugenaussage nach dem Krieg den Ablauf der Mordaktion in Tarnopol:

Ukrainer, die sofort nach dem Einmarsch bewaffnet worden waren und die Deutschen unterstützten, holten die Juden aus den Wohnungen. Mehrere hundert Juden wurden in den Gefängnishof getrieben. Das geschah unter Schlägen und Misshandlungen. Dort mussten sie die Leichen, die die Russen zurückgelassen hatten, ausgraben. Die jüdischen Einwohner wurden zu Unrecht beschuldigt, an dem Tod dieser Opfer schuldig zu sein. Die Arbeitenden wurden misshandelt. Es wurden Handgranaten aus den Fenstern unter sie geworfen und zuletzt wurden sie erschossen. Das geschah nicht nur mit Billigung, sondern auch unter Mitwirkung deutscher Soldaten. Dazu kamen weitere Aktionen. Juden wurden aus den Häusern geholt und zu bestimmten Sammelplätzen getrieben. Solche Sammelplätze waren große Keller und Höfe, aber auch Synagogen, die eben eine größere Anzahl von Menschen aufnehmen konnten. Dort wurden sie erschossen. Eine der größten Schandtaten war die Vernichtung von mehreren hund

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