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Allein bezahlt? Die Reparationsleistungen der SBZ/DDR 1945-53 von Karlsch, Rainer (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.12.2013
  • Verlag: Ch. Links Verlag
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Allein bezahlt?

Nicht das erste Mal in diesem Jahrhundert ist die ostdeutsche Industrie in ihrer Existenz bedroht. Der gegenwärtige Verlust von mindestens zwei Dritteln der Kapazitäten ruft - bei aller politischer Unterschiedlichkeit - Erinnerungen an die Demontagen der Nachkriegszeit wach. Doch Geschichte wiederholt sich nicht. Für eine sachliche aktuelle Debatte sind genaue Daten über die damaligen Lasten erforderlich Rainer Karlsch hat sie auf Grundlage größtenteils erstmalig erschlossener Quellen zusammen getragen uns systematisch aufbereitet. Dabei ergibt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Besatzungszonen: Während im Osten etwa ein Drittel der industriellen Kapazitäten demontiert wurde, waren es im Westen lediglich drei bis fünf Prozent, die zudem durch die Marshall-Plan-Hilfe mehr als ausgeglichen werden konnten. Karlsch berichtet zugleich von den Entnahmen aus der laufenden Produktion für die Sowjetunion und Polen, die bis 1953 von der SBZ/DDR allein verkraftet werden mussten, sowie von geheimen Transferaktionen und Verbringung deutscher Spezialisten in die UdSSR. Jahrgang 1957; Studium der Wirtschaftsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, dort 1982-91 Assistent am Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte, 1986 Promotion; danach Mitarbeiter Mitarbeiter am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Humboldt-Universität und der Historischen Kommission zu Berlin, 1999-2001 Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsgeschichte der FU Berlin; seit 2004 freier Publizist mit den Schwerpunkten Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte, zahlreiche Veröffentlichungen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 17.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862842742
    Verlag: Ch. Links Verlag
    Größe: 2317 kBytes
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Allein bezahlt?

Einleitung

Streitfall Reparationen

Der publizistische und wissenschaftliche Meinungsstreit um die Reparationsleistungen der sowjetisch besetzten Zone (SBZ)/DDR ist so alt wie das Problem selbst. Schon kurz nach Beginn der deutschen Wiedergutmachungsleistungen wurde intensiv versucht, den Werte- und Warentransfer zu erfassen. Die Untersuchungen wurden in starkem Maße von der jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Interessenlage beeinflußt.

Jede Seite war bestrebt, die "Ausplünderung der Sowjetzone durch die Sowjets" 1 bzw. "die ungeheuren Leistungen..., die von den imperialistischen Besatzungsmächten aus Westdeutschland herausgepreßt wurden" 2 in den Vordergrund zu stellen.

Auf östlicher Seite wurden die Reparationen als Staatsgeheimnis behandelt. Die wenigen offiziell veröffentlichten Angaben trugen propagandistischen Charakter. Das Bündnis mit der UdSSR sollte unter keinen Umständen diskreditiert werden.

An eine wissenschaftliche Analyse der deutschen Reparationsleistungen war in der DDR nicht zu denken. Ohne seriöse wissenschaftliche Untersuchungen wurde ein Bild der totalen Zerstörung und des Chaos gezeichnet. In den Standardwerken zur DDR-Geschichte war von einer zu 40 Prozent kriegszerstörten Industrie im Osten Deutschlands die Rede, in Westdeutschland dagegen hätten die Zerstörungen bei 20 Prozent gelegen. Ernsthaft überprüft werden konnten diese Angaben nicht.

Die in den heutigen Bundesarchiven Potsdam und Coswig/Anhalt sowie in den Landesarchiven endgelagerten Materialien des Amtes für Reparationen und anderer mit den Nachkriegslasten befaßter Behörden schienen den Verantwortlichen in der Sowjetunion und der DDR so brisant, daß eine Freigabe für Forschungszwecke überhaupt nicht in Frage kam. Als Mitte der sechziger Jahre der Wirtschaftshistoriker Horst Barthel von der Humboldt-Universität zu Berlin eine Habilitationsschrift zu den ökonomischen Ausgangsbedingungen des östlichen Teils Deutschlands verfassen wollte, stach er bei seinen Recherchen offenbar in ein Wespennest, und Dr. Erich Apel, Vorsitzender der Staatlichen Plankommission und einer der wichtigsten Befürworter von Wirtschaftsreformen in der DDR, nahm sich der Sache an. Erst auf höchster Ebene fiel die Entscheidung. Mit zwei unwirschen Sätzen verweigerte Apel dann dem Wirtschaftshistoriker Akteneinsicht in das Heiligtum der staatlichen Planwirtschaft.

So weit, so schlecht. Wer läßt sich schon gern in die Karten schauen. Außerdem waren im Wirtschaftssystem der DDR bereits weitaus harmlosere Themen zu Staatsgeheimnissen hochstilisiert worden. Überdies gebot die Staatsräson Rücksichtnahme gegenüber den sowjetischen Interessen. Was hätte wohl Pjotr Abrassimow, seinerzeit sowjetischer Botschafter in Ostberlin, von einer Veröffentlichung über die keineswegs ruhmreiche Reparationspolitik seines Landes gehalten?

An sensiblen Themen aus der ökonomischen Geschichte der DDR sollte nicht mehr gearbeitet werden. Punktum. So blieb das Geheimnis der Reparationsakten bis zum Ende der DDR gewahrt.

Auf westlicher Seite wurde hauptsächlich in den fünfziger Jahren der Versuch unternommen, die Reparationsleistungen der SBZ/DDR abzuschätzen. Infolge der eingeschränkten Quellenlage kam es dabei zu beträchtlich divergierenden Angaben. In der Öffentlichkeit der früheren Bundesrepublik ist die sowjetische Besatzungs- und Reparationspolitik sehr nachhaltig als besonders hart und ungerecht empfunden worden. Die deutsche Schuld an Krieg und Holocaust und die Rechtmä&sz

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