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Der Bang-Bang Club Schnappschüsse aus einem verborgenen Krieg von Marinovich, Greg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.07.2015
  • Verlag: Verlag Das Wunderhorn
eBook (ePUB)
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Der Bang-Bang Club

"Bang-Bang Paparazzi" nannte das südafrikanische Lifestyle-Magazin Living 1992 die Johannesburger Fotografengruppe um Kevin Carter, Greg Marinovich, Ken Oosterbroek und João Silva. Bang-Bang, weil die vier mit ihren Kameras immer vor Ort waren, als in den Jahren 1990 bis 1994, den Jahren zwischen der Abschaffung der Apartheid und den ersten freien Wahlen in Südafrika, die Auseinandersetzungen zwischen ANC und Inkatha Freedom Party gewaltsam eskalierten. Von den vier Gründern leben heute nur noch zwei. Oosterbroek starb 1994 in einem Kugelhagel, Marinovich wurde dabei schwer verletzt. Carter, der zu der Zeit den Pulitzer-Preis erhielt, setzte ein Vierteljahr später seinem Leben selbst ein Ende. Nun berichten Marinovich und Silva von sich und über einen "verborgenenKrieg", wie ihr inzwischen verfilmtes Buch Der Bang-Bang Club im Untertitel heißt. Denn die Brutalität der Jahre 1990 bis 1994 blieb wegen der Euphorie über Nelson Mandelas Freilassung und die endlich erreichte Demokratie kaum im Gedächtnis der Öffentlichkeit haften. Marinovich und Silva schreiben aber auch über ihre Rolle als Kriegsfotografen und über Facetten der Demokratisierung, die im Stillen bis in die Gegenwart Südafrikas nachwirken. Greg Marinovich, wurde 1962 in Südafrika als Sohn kroatischer Einwanderer geboren. Er arbeitet weltweit als Photojournalist und Dokumentarfilmer. Seine Fotos wurden in allen Internationalen Zeitungen wie Time Magazin, Newsweek und Paris Match veröffentlicht. Im Jahr 1990 gewann er den Leica Ward und 1991 den Pulitzer-Preis für Fotografie. Greg Marinovich lebt mit seiner Familie in Johannesburg. Jo?o Silva, geboren 1966 in Portugal, arbeitet als Fotograf in Krisengebieten wie Afrika, dem Balkan, Asien, Russland und dem Nahen Osten. Für seine Fotografien erhielt er zweimal den World Foto Award. João Silva lebt mit seiner Familie in Johannesburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 322
    Erscheinungsdatum: 02.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783884234884
    Verlag: Verlag Das Wunderhorn
    Größe: 8537 kBytes
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Der Bang-Bang Club

2

"ACH, EIN PONDO - ER VERDIENTE ES ZU STERBEN"

Tod hat den Glücklichsten getötet

Tod hat den Glücklichsten getötet

Tod hat den Großartigen getötet, dem ich vertraute

Traditionelles Acholi-Beerdigungslied

17. August 1990

An einem sonnigen Frühlingsnachmittag 1990 mache ich im Alter von 27 Jahren die 25-Minuten-Fahrt nach Soweto, wo politisch motivierte Kämpfe ausgebrochen sind, und ich fühle, wie sich meine Kehle sachte zusammenzieht und ein Spannungsschauer von meinem Magen ausgeht und über meine Arme läuft, während ich das Lenkrad fester halte. Die Aufregung bereitet mir leichte Übelkeit; es ist wie von einem Albtraum aufzuwachen, dessen Einzelheiten man nicht mehr kennt, aber dessen Eindrücke noch nachwirken. Es ist eine unbestimmte Furcht: Ich bin irgendwie verängstigt, dass ich getötet werden könnte, erschrocken davor, was ich sehen könnte in dem Aufstand, der in den schwarzen Wohngettos explodiert ist, aber ich verstehe die Angst nicht recht. Ich habe auch keine Vorstellung davon, dass dies der Beginn eines neuen Lebens für mich ist.

Ich war - wie immer - in einem grünen, gut gepflegten Vorort des weißen Südafrika aufgewacht, hatte mich in einem weiß gefliesten Badezimmer gewaschen und mit heißem Wasser rasiert. Mein Haus wurde von einer schwarzen Frau saubergemacht, und an der Tankstelle war es ein schwarzer Mann, der mein Benzin nachfüllte und in der Hoffnung auf ein paar Cent Trinkgeld die Windschutzscheibe putzte. So war es schon mein ganzes Leben lang gewesen, trotz meiner intellektuellen Opposition zur Apartheid und meiner vorübergehenden Beteiligung an der Politik des Freiheitskampfs. Während ich aufwuchs, war mein Leben in den meisten Belangen typisch verlaufen für einen Englisch sprechenden weißen südafrikanischen Jungen.

Es gab in den 70ern eine sehr bekannte Werbemelodie, die gewissermaßen den Titelsong meiner Oberstufenjahre gab: "Wir lieben Grillpartys, Rugby, sonnige Himmel und Chevrolet / Sie gehören zusammen in der guten alten Republik Südafrika: Grillpartys, Rugby, sonnige Himmel und Chevrolet!" Dieses Liedchen brachte das Vertrauen der Weißen Südafrikas perfekt zum Ausdruck, geborgen in dem Paradies, das sie für sich selbst geschaffen hatten, trotz der internationalen Sanktionskampagnen, die unser Land isolieren und unsere Minderheitenregierung zwingen sollten, den Kurs der Apartheid zu widerrufen. Weiße Südafrikaner hatten sich zur Verteidigung in ein Laager zurückgezogen, gaben hohe Summen für die Symbole der Selbstgenügsamkeit aus und genossen außergewöhnliche materielle Vergütungen dafür, willfährige Wähler zu sein.

Ich kann nicht sagen, dass mich die Werbemelodie jemals beleidigt hätte, während ich aufwuchs. Ich spielte gern Rugby und mochte den Reiz der kontrollierten Aggression. Ich hielt auch die sonnigen Himmel und mein privilegiertes Leben für selbstverständlich, wenn ich auf den dampfenden Kacheln rund um das öffentliche Schwimmbad nahe unserem Zuhause in dem Johannesburger Vorort lag. Ich dachte nicht an schwarze Teenager in überfüllten Slums ohne Zugang zu Schwimmbecken. Und es gab immer reichlich Grillfleisch, das von den üblichen Wochenend-Grillpartys übriggeblieben war, oder frisches Barbecue.

Die Eltern meiner Mutter waren katholische Kroaten, die in den 20ern aus Jugoslawien emigriert waren, und mein Vater tauchte in den 50ern in Südafrika auf. Ich wurde in einer ausschließlich weißen, Englisch sprechenden Gemeinde aufgezogen und besuchte durchschnittliche englische Schulen. Unser einziger Kontakt zu Schwarzen war der zum Dienstpersonal - Hausarbeiter, "Gartenjungen" und "Mülljungen". Ich benutzte niemals das Wort "Kaffir" - den muslimischen Ausdruck für "Ungläubiger", der über Jahrhunderte entstellender Verwendung zu Südafrikas verletzendstem rassischen Schimpfwort geworden war. Ich dachte nie daran, freitagnachts zum

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