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Die 1970er Jahre als schwarzes Jahrzehnt Politisierung und Mobilisierung zwischen christlicher Demokratie und extremer Rechter

  • Erscheinungsdatum: 08.11.2010
  • Verlag: Campus Verlag
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Die 1970er Jahre als schwarzes Jahrzehnt

Die 1970er-Jahre gelten gemeinhin als 'rotes Jahrzehnt' - eine Zuschreibung, die der Mehrdeutigkeit der Dekade nach '1968' nicht gerecht wird. In diesem Band werden politische Akteure in den Blick genommen, die sich als Alternative zur politisch-kulturellen Hegemonie der Linken verstanden. Die Politisierung der Menschen in Westeuropa, so zeigen die Beiträge, vollzog sich auch im Spektrum zwischen Christlicher Demokratie, Neokonservatismus und Rechtsextremismus - mit durchaus differenzierten Ausprägungen und mit Auswirkungen bis in die Gegenwart. Massimiliano Livi, Dr. phil., ist Leiter des Teilprojekts A13 im Exzellenzcluster 'Religion und Politik' der Universität Münster. Daniel Schmidt, Dr. phil., ist dort wiss. Mitarbeiter am Historischen Seminar. Michael Sturm, M. A., ist wiss. Mitarbeiter im Geschichtsort Villa ten Hompel.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 299
    Erscheinungsdatum: 08.11.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593410111
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 5673 kBytes
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Die 1970er Jahre als schwarzes Jahrzehnt

Faschistische Tatgemeinschaft oder weltanschauliche Kaderschmiede? Systemoppositionelle Strategien der bundesdeutschen Rechten nach 1969 (S. 229-230)

Fabian Virchow

In der Außerparlamentarischen Opposition, die sich in der Bundesrepublik Deutschland seit den frühen 1960er Jahren gebildet hatte, stand die extreme Rechte in schroffer Ablehnung gegenüber. Führende Vertreter der extremen Rechten betrachteten die Protestbewegung in klassisch antikommunistischer Frontstellung nicht nur als "5. Kolonne Moskaus", sondern auch als zerstörerische Gefahr für bürgerlich-konservative Werte und die als naturgegeben angenommenen gesellschaftlichen Strukturen und Hierarchien.

Allerdings glaubte sich die NPD bereits kurz nach ihrer Gründung im Jahre 1964 angesichts einer Reihe von Erfolgen bei Landtagswahlen auf einem aussichtsreichen Weg, die Masse der Unzufriedenen anzusprechen und zu sammeln, um ihnen schließlich durch den Einzug in den Bundestag bei der Wahl am 28. September 1969 auch eine parlamentarische Vertretung geben zu können. Trotz der über 1,4 Millionen Stimmen, die für die NPD abgegeben wurden, reichten die 4,3 Prozent nicht aus, um Abgeordnete in den Bundestag zu entsenden.

Im Vorfeld der Bundestagswahlen wurde von NPD-Funktionären – nicht zuletzt aus wahltaktischen Überlegungen – ein Ergebnis von acht bis zwölf Prozent der Stimmen öffentlich als erreichbar ausgegeben. Zumindest aber hegten die Vertreter der Partei, aber auch viele politische Beobachter kaum Zweifel am Überspringen der Fünf- Prozent-Hürde.2 Mit dem Scheitern setzte ein bis in die 1990er Jahre dauernder, nur von einzelnen Wahlerfolgen auf kommunaler Ebene unterbrochener Niedergang der NPD ein. Bereits 1972 war die NPD aus allen Landtagen wieder verschwunden; zur Wahl in Baden-Württemberg, wo sie 1968 nur knapp unter der Zehn-Prozent-Marke geblieben war, trat sie nicht einmal mehr an (vgl. Tabelle 1).

Als Sammlungsbewegung verschiedener Strömungen der extremen Rechten hatte die NPD ihr Ziel nicht erreicht; nicht zufällig artikulierten sich nun im Rahmen einer anschwellenden Diskussion alternative Ansätze. Neben der Frage einer möglichen weltanschaulichen Modernisierung wurde über Strategie und Taktik – etwa bezüglich des Verhältnisses zur CDU/ CSU – und über das für politisch sinnvoll bzw. notwendig gehaltene Verhältnis zum Nationalsozialismus gestritten.

In den 1970er Jahren diversifizierte sich die extreme Rechte in unterschiedliche Strömungen: neben die NPD, die mit der im Oktober 1970 initiierten Aktion Widerstand maßgeblich am Versuch einer kurzlebigen außerparlamentarischen Sammlung beteiligt war, von der – die Intention des NPD-Vorstandes konterkarierend – scharfe Angriffe auf die Partei ausgingen,3 trat 1971 die DVU mit ihren Nebenorganisationen als Versuch einer Auffangstruktur für enttäuschte NPD-Anhänger und -Anhängerinnen.

Der Grundidee eines offen(siv)en Bekenntnisses zum Nationalsozialismus folgten andere Gruppen, von denen bis Ende der 1970er Jahre die Aktionsfront Nationaler Sozialisten/ Nationaler Aktivisten (ANS/NA) um Michael Kühnen die relevanteste Formation werden sollte.

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