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Die paradoxe Republik Österreich 1945 bis 2015 von Rathkolb, Oliver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.02.2015
  • Verlag: Paul Zsolnay Verlag
eBook (ePUB)
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Die paradoxe Republik

Vom 'Bollwerk des Deutschtums im Osten' über die 'Brücke zwischen den Blöcken' zur 'Insel der Seligen' und zum Mitglied der EU: Österreich hat sich gewandelt, geblieben ist die Gleichzeitigkeit zwischen Größenwahn und Minderwertigkeitskomplex, zwischen Engagement und Isolation. Geblieben sind auch Paradoxien: ein neutrales Land mit Westbindung, das sich als kulturelle Großmacht versteht, seine Künstler aber kaum entfalten lässt, das sich demokratisch nennt, in dem aber wesentliche Entscheidungen außerhalb des Parlaments getroffen werden. Der Zeithistoriker Oliver Rathkolb analysiert in dieser aktualisierten Neuauflage Kernthemen der Politik und Geschichte Österreichs und wirft einen kritischen Blick in die Zukunft.

Oliver Rathkolb, geb. 1955, Dr. iur., Dr. phil., Univ.-Prof. am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und bis 2012 Institutsvorstand; ehemaliger Leiter des neu gegründeten Ludwig Boltzmann-Instituts für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit 2005-2008; 1985-2004 wissenschaftlicher Leiter der Stiftung Bruno Kreisky Archiv, seit Februar 1992 in Verbindung mit der Funktion des Wissenschaftskoordinators des Bruno Kreisky Forums für Internationalen Dialog; seit 2004 Herausgeber der Fachzeitschrift "Zeitgeschichte"; ausgezeichnet mit dem Donauland-Sachbuchpreis Danubius 2005 und dem Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 2005 (Die paradoxe Republik. Österreich 1945-2005, Paul Zsolnay Verlag); Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Europa Museums Brüssel, Europäisches Parlament; Vorsitzender der Jury des Theodor Körner Preises für Wissenschaft und Kunst.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 23.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783552057319
    Verlag: Paul Zsolnay Verlag
    Größe: 7848 kBytes
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Die paradoxe Republik

Die österreichische Form von kontrollierter Demokratie, gekennzeichnet durch zwei große und dominante Parteienblöcke sowie die Sozialpartnerschaft und als Proporz- beziehungsweise Konkordanzdemokratie definiert, war sicherlich ein Sonderfall einer generell in Europa nach 1945 eher eingeschränkten Demokratieentwicklung; manche sprachen in überzogener Polemik bereits von Demo-kratur.

Doch diese Entwicklung hatte ihre Gründe. Im kollektiven Selbstverständnis der Österreicher/innen war die Zweite Republik als bewusster Gegensatz zur konflikt- und gewaltorientierten Ersten Republik konstruiert worden, und die Zusammenarbeit der großen politischen Blöcke war bis in die 1950er Jahre auch positiv besetzt. 40 Erst in den 1960er Jahren regte sich zunehmend breiterer Widerstand gegen die Große Koalition von ÖVP und SPÖ, in den 1980er Jahren dann auch gegen die Sozialpartnerschaft. Dabei stellt sich allerdings die Frage, inwieweit mit diesem allmählichen Aufbrechen autoritärer Entscheidungsstrukturen auch offene und fortschrittliche demokratiepolitische Einstellungen des Souveräns der parlamentarischen Demokratie - des Wählers und der Wählerin - verbunden sind. Eine heikle Frage, vor der die Politikwissenschaft eher zurückschreckt. 41 Zwar untersucht sie den sozioökonomischen Wertewandel sowie die Lagerentwicklungen im Rechts-Links-Mitte-Schema der Parteienlandschaft, autoritäre Grundeinstellungen der Wähler jedoch werden in unpräzisen Werttypologien versteckt. 42

Wie kann das Syndrom der autoritären Einstellung beim Souverän Wähler/Wählerin für das 20. Jahrhundert definiert werden? In den ersten Jahren nach 1945 entwickelte eine Gruppe von Sozialwissenschaftlern - Max Horkheimer, die österreichische Exilantin Else Frenkel-Brunswick, Daniel Levinson und Nevitt Sanford - unter der Leitung von Theodor W. Adorno an der University of California in Berkeley dazu ein Analyse- und Fragebogenmodell. 43 Zentral dabei ist die Adorno-Autoritäts-Skala (F-Skala). Die Berkeley-Gruppe versuchte, anhand von differenzierten Meinungsbefragungen einer weißen, urbanen Population in den USA latenten Autoritarismus zu messen, ihrer Ansicht nach die Basis für die Massenmobilisierung durch den Nationalsozialismus, aber auch andere faschistische Strömungen und in letzter Konsequenz Grundlage für den Holocaust.
Die autoritäre Persönlichkeit

Unter autoritärer Persönlichkeit verstehe ich in Anlehnung an diese Untersuchungen einen Typus, der sich anhand mehrerer Einstellungsmuster folgendermaßen beschreiben lässt:

Normenkonventionell : Gehorsam und absoluter Respekt gegenüber Autoritäten stehen hier im Vordergrund, wobei strenge Bestrafung bei Normverletzungen ebenfalls Teil dieses Faktors ist. Dazu gehört ein starkes formales Rechtsstaatlichkeitsdenken. Bedeutsam sind auch eine repressive Sexualmoral und der Glaube an die Bedeutung von materiellem Reichtum. Immer wieder entzündet sich dieser Normenkonventionalismus an der Auseinandersetzung über moderne Kunst. Übertriebener Nationalismus ist ebenfalls stark ausgeprägt.

Wunsch nach Macht und Stärke und Ablehnung/Verachtung des Schwachen : Dazu gehören der Ruf nach einem "starken Mann", die Suche nach Sündenböcken und Feindbildern (Juden, Fremde, Ausländer ...), Antisemitismus und Verklärung des Zweiten Weltkriegs. Kennzeichnend ist ein starker Irrationalismus, symbolisiert durch den Glauben an Astrologie oder unsichtbare Mächte. Sozialdarwinismus ("der Tüchtige setzt sich durch") gedeiht in einer derartigen Umwelt ebenso wie ausgeprägter Militarismus, die beide auch den Alltag und die sozialen Beziehungen prägen. Im Wissenschaftsbereich wird primär die angewandte Forschung als nützlich angesehen, Sozial- und Geisteswissenschaften hingegen gelten als "unnütz" - außer sie dienen, wie häufig die Geschichtswissenschaft, zur Legitimation des herrschenden Syst

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