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Die Rettung der Welt Entspannungspolitik im Kalten Krieg 1950-1991 von Loth, Wilfried (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.09.2016
  • Verlag: Campus Verlag
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Die Rettung der Welt

Im Kalten Krieg standen sich sowjetkommunistische Parteidiktaturen und westliche Demokratien unversöhnlich gegenüber. Zugleich mussten die Verantwortlichen beider Seiten darauf bedacht sein, einen Krieg zu verhindern - denn er wäre mit Atomwaffen geführt worden und hätte mit der Vernichtung der Menschheit zu enden gedroht. Bemühungen zum Abbau der Konfrontation, zur Sicherung einer friedlichen Austragung des Systemgegensatzes und zur Stärkung der Kooperation zwischen Ost und West gab es daher seit Beginn des Ost-West- Konflikts, immer wieder unterbrochen von Spannungsschüben, von Abkapselung und Verhärtung. Auf der Grundlage neuer Quellen verdeutlicht Wilfried Loth, wie die Entspannungspolitik zur Überwindung des Kalten Kriegs und zum Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums führte. Er zeigt die Mechanismen auf, die den Abbau des Eisernen Vorhangs ermöglichten, und analysiert das Handeln der wesentlichen Akteure dieses weltgeschichtlichen Konflikts. Wilfried Loth ist emeritierter Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Duisburg-Essen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 377
    Erscheinungsdatum: 08.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593435237
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 3466 kBytes
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Die Rettung der Welt

1. Koreakrieg und Stalin-Noten

In den 1950er-Jahren waren Entspannungsbemühungen zunächst mit dem Versuch verbunden, den Prozess der Ost-West-Blockbildung, der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Gang war, im letzten Moment noch einmal zu stoppen. Im westlichen Vorfeld der Sowjetunion hatten sich unter dem Schutz der Roten Armee und der informellen Einflusssphären-Teilung der Siegermächte kommunistische Regime etabliert, das westliche Europa hatte den Wiederaufbau im Zeichen des Marshall-Plans gemeinschaftlich und unter amerikanischer Führung organisiert, und auf deutschem Boden waren, weil die Verständigung der Besatzungsmächte über eine gemeinsame Deutschland-Regelung nicht gelang, zwei separate Staaten entstanden, die in enger Abhängigkeit von der östlichen bzw. westlichen Führungsmacht den gegensätzlichen weltpolitischen Lagern zuzurechnen waren. Aber noch war das Problem eines Verteidigungsbeitrags der westdeutschen Bundesrepublik nicht gelöst und damit die Struktur des westlichen Verteidigungsbündnisses ebenso ungewiss wie die Art der amerikanischen Präsenz in Europa. Ebenso wenig war die DDR in ein östliches Verteidigungsbündnis eingebunden, und es gab auch noch keine Zusage, dass die sowjetische Schutzmacht auf Dauer für die "sozialistische" Ordnung im östlichen Deutschland einstehen würde.

Die Alternative zum Abschluss der Blockbildung durch die militärische Integration der beiden deutschen Staaten in die gegensätzlichen Bündnissysteme des Ostens und des Westens lautete Neutralisierung, genauer gesagt: die Verständigung über einen Friedensvertrag, der einem wieder vereinten Deutschland untersagte, sich einem Militärbündnis anzuschließen, das sich gegen eine der Siegermächte richtete, gefolgt von dem Abzug aller Besatzungstruppen aus Deutschland. Was unter solchen Umständen aus der NATO werden würde, war ziemlich offen; aber mindestens ebenso offen war die Zukunft der "sozialistischen" Revolution, die die SED-Kommunisten unter tatkräftiger Mithilfe ihrer sowjetischen "Freunde" in der östlichen Besatzungszone auf den Weg gebracht hatten. Der Ost-West-Gegensatz musste bei einer solchen Konstruktion in jedem Fall erheblich an Bedeutung verlieren.
Aufrüstung in West und Ost

Die Initiative zur Einbeziehung der jungen Bundesrepublik Deutschland in das westliche Verteidigungsbündnis und damit zur Verstetigung der Provisorien, die 1949 geschaffen worden waren, ging von den USA aus. Die Truman-Administration hatte ursprünglich auf eine lange Fortdauer des amerikanischen Atomwaffenmonopols vertraut und deswegen einen geringen Grad an konventioneller Rüstung für vertretbar gehalten. Strategische Planungen für den Fall eines sowjetischen Angriffs auf das westliche Europa, den man für ganz unwahrscheinlich gehalten hatte, hatten einen Rückzug amerikanischer Truppen an die Atlantikküste vorgesehen, gefolgt von einer massiven Luftoffensive. Nach dem erfolgreichen Test der ersten sowjetischen Atombombe am 29. August 1949 setzte sich nun aber die Überzeugung durch, dass auf die atomare Überlegenheit langfristig kein Verlass mehr war. Ein Memorandum des Nationalen Sicherheitsrats vom 7. April 1950, das im Wesentlichen von Außenminister Dean Acheson und dem Chef des Politischen Planungsstabs Paul Nitze verfasst worden war, forderte darum, den kommunistischen "Drang zur Weltherrschaft" durch die Schaffung von militärischer Überlegenheit zu brechen. Dazu sollte eine effektive Organisation westlicher Verteidigung geschaffen werden, und die Verteidigungsausgaben sollten auf das Vier- bis Fünffache steigen. 1

Die Schaffung einer effektiven Verteidigungsorganisation des Westens schloss logischerweise die Aufstellung deutscher Truppen ein. Die Bundesrepublik war das exponierteste Vorfeld westlicher Sicherheit. Man konnte sie daher weder ohne Schutz lassen noch auf ihren Beitrag zur Verteidigung verzichten. Weil

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