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Fidel Castro von Rhode, Roman (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.09.2014
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
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Fidel Castro

Hoffnungsträger der Dritten Welt oder rücksichtsloser Despot? Fidel Castro, Máximo Líder der kubanischen Revolution, polarisiert wie kaum eine andere Figur des 20. Jahrhunderts. Er hat unzählige Mordanschläge, die Amtszeit von zehn US-Präsidenten und den Zusammenbruch der Sowjetunion überlebt. Diese Biografie zeigt, wie Castro seine charismatische Herrschaft im Spannungsfeld der Supermächte begründen, verfestigen und trotz aller Krisen bis in die Gegenwart ausbauen konnte. Dabei präsentiert der Autor neue Quellen und wertet erstmals die spanischsprachige Sekundärliteratur aus, die Castro in anderem Licht erscheinen lassen. Dr. Roman Rhode ist Soziologe und Hispanist, er arbeitet als Journalist und Autor.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 11.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170250758
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Originaltitel: Fidel Castro
    Größe: 3711 kBytes
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Fidel Castro

1 Einleitung

Als der schwerkranke Fidel Castro am 24. Februar 2008 offiziell seine Regierungsämter abgab, hatte er insgesamt 49 Jahre und 55 Tage geherrscht und damit die Amtszeit von zehn US-Präsidenten und fünf Generalsekretären der KPdSU überlebt. Dennoch nimmt der Kubaner unter den am längsten amtierenden Staatsoberhäuptern des 20. Jahrhunderts nur den dritten Platz ein - hinter dem thailändischen König Bhumipol Adulyadej und der britischen Königin Elisabeth II.

Unschlagbar ist Castro dagegen als Redner - diese Gabe bescherte ihm sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde, als er am 26. September 1960 vor der Vollversammlung der UNO genau vier Stunden und 29 Minuten sprach. Seine längste Rede hielt er jedoch am 25. Februar 1998 vor dem Plenum der Nationalversammlung in Havanna. Erst nach sieben Stunden und 15 Minuten endete er mit seinem traditionellen Kampfruf ¡Patria o muerte, venceremos! ("Vaterland oder Tod, wir werden siegen!")

"Seine Leidenschaft für das gesprochene Wort ist fast magisch", bemerkt der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez (1927- 2014) über seinen Freund; als Rhetoriker verfüge er über eine "erstaunliche Verführungskraft", und

"nie hat man ihn eine dieser Pappmaché-Parolen der kommunistischen Scholastik aufsagen hören [...] Er ist der Antidogmatiker schlechthin, dessen schöpferische Fantasie sich an der Grenze zur Häresie bewegt." 1

Castro hatte weder einen Redenschreiber noch einen Pressesprecher. Mit seinen Reden, die er überwiegend frei und oftmals vor Hunderttausenden hielt, zog er das Publikum mühelos in seinen Bann. Es ist keine Anmaßung, wenn er selbst sagt: "Ich erinnere mich nicht daran, jemals vor einem Publikum gestanden zu haben, das einzuschlafen oder zu ermüden drohte." 2 Das lag nicht nur an seiner rhetorischen Brillanz, sondern auch daran, dass seine Reden für die kubanischen Bürger eine der wichtigsten politischen Informationsquellen darstellten. Außerdem vermittelte Castro seinem Massenpublikum die Illusion einer aktiven Teilnahme. Bildhaft beschreibt Ernesto Che Guevara die charismatische Interaktion zwischen dem Revolutionsführer und seinen Anhängern:

"Auf den großen öffentlichen Veranstaltungen lässt sich so etwas wie das Zusammenwirken zweier Stimmgabeln beobachten, deren Schwingungen sich im Redner fortsetzen. Fidels Dialog mit der Masse beginnt zu vibrieren, gewinnt zunehmend an Intensität und erreicht ihre Klimax in einem abrupten, durch unseren Kampf- und Siegesruf gekrönten Finale." 3

Ein wirklicher Dialog fand allerdings nicht statt, Castro ging es vielmehr um Akklamation. Auch in kleinerer Runde war es hauptsächlich er, der sprach. Das erlebte beispielsweise Willy Brandt (1913-1992), der in seiner Eigenschaft als Präsident der Sozialistischen Internationale im Oktober 1984 von Castro in Havanna empfangen wurde. Der kubanische Staatschef "hält lange Monologe und bietet ihm in sieben Stunden gerade einmal eine Tasse Kaffee an", notiert Brandts Biograf Peter Merseburger. 4

Das Charisma Fidel Castros - nicht nur als Redner - ist unumstritten. Auf den "Höchsten Führer" der kubanischen Revolution - den Líder Máximo - trifft in besonderem Maße zu, was Max Weber in seinen herrschaftssoziologischen Schriften formuliert hat:

"Die charismatische Autorität ist [...] eine der großen revolutionären Mächte der Geschichte, aber sie ist in ihrer ganz reinen Form durchaus autoritären, herrschaftlichen Charakters." 5

Der kubanische Essayist Iván de la Nuez etwa sieht den Líder Máximo als eine Art "König Utopus, der über ein Volk herrscht, das eine abstrakte und konkrete Einheit zugleich bildet." 6 Tatsächlich machte Castro sein Volk der eigenen, absoluten Utopie untertan. "Wir haben ke

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