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Mein Naher Osten von Kneissl, Karin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.05.2014
  • Verlag: Braumüller Verlag
eBook (ePUB)
18,99 €
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Mein Naher Osten

Amman, Beirut, Jerusalem - Karin Kneissls Leben zeigt viele Stationen. In ihrem Buch spricht sie von ihrer ganz persönlichen Verbindung zum Nahen Osten und warum es sie immer wieder in die Krisengebiete verschlagen hat. Kann man sich in einen unlösbaren Konflikt verlieben? Karin Kneissl hat ihr halbes Leben im und mit dem Nahen Osten verbracht. Zwischen dem Wunsch zu verstehen und zu helfen; zwischen Todesangst, Frustration und dem Fatalismus einerseits und der tiefen Liebe zu einer Region und den Menschen andererseits. Sie studierte in Jerusalem, organisierte Menschenrechtsdebatten in Beirut, führte Interviews im Irak und erlebte den Arabischen Frühling am Tahrir-Platz mit. Als Journalistin, Diplomatin und Lehrende erlebte sie nahöstliche Königspaläste und österreichische Ministerien, deutsche Redaktionen und amerikanische Universitäten, nationale Botschaften und globale Energiekonzerne, backstage und ungeschminkt. Diese skurrilen, absurden, traumatischen und berührenden Erfahrungen teilt sie nun in diesem Band. Und wir kommen mit ihr zur Überzeugung, dass die Welt Menschen mit Rückgrat braucht, die nach ihrer eigenen Überzeugung handeln und sich nicht zu Söldnern anderer Interessen machen lassen - in den Krisengebieten der Welt ebenso wie im politischen Alltag hierzulande. Karin Kneissl war bis 1998 im Diplomatischen Dienst der Republik Österreich und ist seither freischaffend tätig. Sie schreibt u.a. als unabhängige Korrespondentin und ist gern gesehener Gast für politische Analysen im ORF. Sie unterrichtet in Wien und Beirut im Bereich internationale Beziehungen, v.a. Energiepolitik und Nahost, und hat gesellschaftspolitische Sachbücher verfasst, zuletzt: Testosteron macht Politik (Braumüller 2012) und Die zersplitterte Welt (Braumüller 2013). Nach Stationen in Amman, Jerusalem, in den USA, im Irak, in Bosnien und im Libanon lebt sie jetzt auf ihrem eigenen Bauernhof im ländlichen Niederösterreich.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 06.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783991001133
    Verlag: Braumüller Verlag
    Größe: 2660 kBytes
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Mein Naher Osten

Ex oriente lux

Der Nahe Osten ist das Thema meines Lebens, dank ihm wurde ich zu der, die ich bin. Wie es dazu kam, ist eine Geschichte mit Höhen und Tiefen, von der ich manches, aber nicht alles erzählen will. Einen Anfang nahm dieses Leben für den Nahen Osten im Sommer 1982, als der Libanon heftig brannte, einen anderen 1969 in Jordanien, wo ich einen kurzen Teil meiner Kindheit verbrachte. Die Lebenspfade der letzten bald fünfzig Jahre führten immer wieder in den Orient. Meine Lektionen aus diesen teils abenteuerlich schönen, teils bedrückenden Erfahrungen nahm ich mit in den Westen. So erwarb ich eine homöopathische Dosis Fatalismus und lernte bei jeder Reise aufs Neue, wie sich das Leben auch in widrigen Zeiten meistern lässt.

Dauerhaft könnte ich mir ein Leben im Nahen Osten nicht vorstellen, obwohl mich anfänglich die arabischen Großfamilien in ihren Bann gezogen hatten. Der Orient ist aber mit all seiner Intensität und Tragik ein Stück von mir. Wann immer ich mich abwenden wollte, holte er mich ein und ich blieb ihm verbunden. So versuche ich zu erklären, warum die Situation ist, wie sie ist, verworren und oft voller Überraschungen, und wir uns den Umbrüchen in dieser Weltecke nicht entziehen können. Denn der Nahe Osten ist Europa sehr nahe, dafür sorgen die Menschen und die Geografie.

Zu einem Zeitpunkt, an dem man sich "normalerweise" für Jungs und Ausgehen interessieren sollte, verliebte ich mich gleichsam in einen unlösbaren Konflikt. Es war im Sommer 1982, als ich in Frankreich als Kindermädchen einige Wochen an der französischen Atlantikküste verbrachte und abends mit dem Wörterbuch in der Hand die Nachrichten aus dem Kriegsgeschehen im Libanon gebannt verfolgte. Ich wollte unbedingt verstehen, wer hier gegen wen und warum kämpfte, und begann alles, was mir in die Hände fiel, zu lesen und niederzuschreiben. Es war damals nicht absehbar, dass daraus ein Engagement für das weitere Leben werden würde. Aufmerksame Lehrer nützten meine jugendliche Expertise und schickten mich für Gastreferate quer durch das Schulgebäude. In Vorbereitung auf die Matura hatte ich als Autodidakt die ersten Grundlagen rund um den Konflikt erworben. Binnen Kurzem verbanden Mitschüler mit meinem Namen den Libanon und wunderten sich nicht mehr über Post des libanesischen Präsidenten Amin Gemayel, die ich freudig in die Schule mitbrachte. Sieben Jahre später lernte ich ihn schließlich in seinem Pariser Exil kennen, es entstand eine ganz besondere Freundschaft, die bis heute währt. Später würde ich Briefe an Hafez al-Assad, Ayatollah Khomeini und Menachem Begin schreiben, um die Freilassung politischer Häftlinge aus den Gefängnissen Syriens, des Irans und Israels einzufordern. So verfasste ich mit wachsender Routine offizielle Korrespondenzen, versehen mit bunten österreichischen Briefmarken, die ich aus eigener Tasche bezahlte. Organisatorisch erwarb ich mir Sporen mit Unterschriftensammeln und Demonstrationen gegen den Krieg im Libanon und diversen politischen Engagements. Dazwischen pflegte ich in einem Hospiz in Jerusalem jüdische Patienten kurz vor ihrem Abschied aus dem Leben, auch wenn ich lieber in einem Kindergarten mit arabischen Kleinkindern gespielt hätte. Die Arbeitssuche in Jerusalem ließ mich 1984 am Ende der menschlichen Existenz landen. Über Tod und Sterben, vor allem über das lange Warten bis zum Endlich-sterben-Können, lernte ich einiges zwischen der täglichen Betreuung der Patienten, zaghaften oder ergiebigen Gesprächen am Totenbett, Nachtdiensten in einem alten Gemäuer gegenüber der noch viel älteren Stadtmauer von Jerusalem, wo die Panzer im Dunk

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