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Mit Feuer und Schwert Wie Christen heute im Nahen Osten verfolgt werden von Löwer, Hans-Joachim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.07.2016
  • Verlag: Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG
eBook (ePUB)
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Mit Feuer und Schwert

Tod im Namen der Religion Hassparolen an Klostermauern, Brandanschläge auf Kirchen, Menschenhatz auf offener Straße: Die Christen im Nahen Osten erleben eine blutige Zeit. Fanatische Islamisten, aber auch extremistische Juden haben ihnen den Kampf angesagt. Ausgerechnet in der Region ihres Ursprungs ist eine zweitausendjährige Kultur vom Untergang bedroht. Drei Monate lang recherchierte Hans-Joachim Löwer an den Fronten des derzeit größten Konfliktherds der Welt, von der Türkei über Syrien bis nach Ägypten. Er traf einen gefolterten Priester, traumatisierte Flüchtlinge und Mönche, aber auch Christen, die mit Waffen um ihr Überleben kämpfen. Doch es gibt nicht nur Hass: Der Autor entdeckte auch erstaunliche Projekte interreligiöser Zusammenarbeit, die aller Gewalt trotzen und Hoffnung für eine friedlichere Zukunft geben. Aus dem Inhalt - Vakifli (Türkei): Wie das letzte Armenierdorf mit seiner Geschichte umgeht - Wadi Natroun (Ägypten): Wie koptische Mönche mit ihren muslimischen Nachbarn leben - Maala (Syrien): Wo ein Pilgerort zum Schlachtfeld wird - Sinya (Irak): Wie eine christliche Familie sechs Monate unter dem 'Islamischen Staat' übersteht - Jerusalem (Israel): Wie radikale Kräfte auf Kirchenmänner losgehen - Bethlehem (Palästina): Weshalb Christen den Geburtsort Jesu verlassen u.v.m. HANS JOACHIM LÖWER, geboren 1948, war 16 Jahre lang Auslandsreporter des 'Stern' und von 1999 bis 2000 Redakteur für die deutschsprachige Ausgabe von 'National Geographic'. Er bereiste Afrika und Lateinamerika, den Nahen Osten und große Teile Asiens. In den 1990er-Jahren leitete er Selbsthilfeprojekte in Mexiko, Guatemala, Peru, Kolumbien, Brasilien, Südafrika und Namibia. Hans-Joachim Löwer unternahm spektakuläre Rucksacktouren, u. a. 2003 durch Israel und die Palästinensergebiete. Er ist Autor zahlreicher Bücher.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 13.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990404225
    Verlag: Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG
    Größe: 14950 kBytes
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Mit Feuer und Schwert

KAPITEL 1 · VAKIFLI - TÜRKEI
"Fühlt ihr euch hier eigentlich wohl?"

Wie das letzte Armenierdorf mit seiner Geschichte umgeht

B in ich im Garten Eden angekommen? Rote Rosen, die Toreingänge überwölben. Gelbe Ginstersträucher, die in der Sonne leuchten. Orangen- und Zitronenbäume zu beiden Seiten der Straße, die Früchte greifbar nahe und verführerisch durch das Blattwerk schimmernd. Hinter Geflechten aus Ästen und Zweigen verstecken sich schmucke Landhäuser und stille Villen - Residenzen des Rückzugs aus der lärmenden Welt. Ausflügler, die in Vakifli landen, stoßen Rufe des Entzückens aus. Sie spähen durch die blühenden Büsche, um noch ein Stück mehr von diesem Paradies zu erhaschen. Zücken ihre Kameras, um ein paar Bilder mit nach Hause zu nehmen. Ziehen eine Schleife durch das verwunschene Dorf und spüren, dass hier irgendetwas anders ist. Vakifli liegt an einem Hügel, 27 Kilometer südlich von Antakya, neun Kilometer vor der Mittelmeerküste. Wer hierherkommt, nimmt eine kleine Auszeit vom Leben. Ein Aquädukt, das die Gärten versorgt, zieht sich einen Steilhang entlang. Direkt an der Straße plätschern die Fluten über eine zehnstufige Treppe nach unten, ein Wasserfall als rauschender Höhepunkt des Dorfrundgangs.

An diesem Tag steigen nacheinander drei Brautpaare aus dekorierten Limousinen, um vor dieser Kaskade für Hochzeitsbilder zu posieren. Die angeheuerten Fotografen fangen die Frischvermählten in romantischen Posen ein: die Frau, von hinten zart an seine Schultern geschmiegt, der Mann, das Haupt ihr zugeneigt, dann beide lächelnd einander zugewandt, wie sie einen Blumenstrauß umfassen - Symbol des neuen, gemeinsamen Glücks. Ein Teehaus ist das Zentrum des Ortes. Hier stoppt alle zwei Stunden ein dolmus , das türkische Sammeltaxi, das Vakifli mit dem fünf Kilometer entfernten Städtchen Samandag verbindet. Touristen parken ihre Autos vor der Terrasse, ehe sie ihren Bummel beginnen. Unter schattigen Bäumen sitzen alte Männer auf Plastikstühlen und verbringen den Tag mit tabla und sadranç , beliebten Brettspielen des Orients, die sie geradezu süchtig machen.

Dieses Dorf, so scheint es, ist eine pittoreske Sommerfrische, den Sorgen des Lebenskampfes enthoben. Es gibt auch keine Infotafel, die darüber aufklärt, welches Drama hier vor hundert Jahren ablief. Kein Monument, kein Museum, nichts. Es ist, als habe die laue Brise, die häufig über den Hang weht, das historische Drama in alle Winde verstreut. Oft wundern sich türkische Gäste, dass die Bewohner von Vakifli untereinander nicht Türkisch sprechen. Es gibt hier auch keine Moschee, nur ein kleines, sorgsam gepflegtes Gotteshaus mit einem Kreuz auf dem Glockenturm. Die Grabsteine auf dem Friedhof gegenüber haben Inschriften in lateinischen, aber auch ganz andersartigen Buchstaben. Vakifli ist ein armenisches Dorf - das einzige, das es in der Türkei noch gibt.

Es ist Sonntagmorgen und aus der Kirche dringen uralte Choräle hinaus in die Obstplantagen. Pater Avedis Tabaian kommt alle zwei Wochen aus Iskenderun, um hier eine Messe nach armenisch-apostolischem Ritus zu feiern. Pater Housig Hergelian aus Istanbul, der im Dorf seinen Urlaub verbringt, predigt allerdings lieber auf Türkisch. Die Leute hier würden ihn nur schlecht verstehen, weil das Armenisch von Vakifli ganz anders klingt als das Armenisch, das in der Großstadtgemeinde am Bosporus gesprochen wird. Staunend lauschen die Touristen den seltsamen Lauten, Liedern und Gebeten, die da nach draußen dringen. Die Texte verhallen, ohne verstanden zu werden.
DIE ARMENIER

Die Armenier, eines der ältesten christlichen Völker, siedelten seit 2.700 Jahren bis Anfang des 20. Jahrhunderts im ostanatolischen Teil des Osmanischen Reiches. Nach A

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