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Nelson Mandela von Bierling, Stephan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.02.2018
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Nelson Mandela

'Afrikas Lichtgestalt' wurde Nelson Mandela genannt, das Time-Magazine kürte ihn zu einem der zwanzig wichtigsten Politiker des 20. Jahrhunderts, 1993 erhielt er den Friedensnobelpreis. Stephan Bierling portraitiert den Politiker und Revolutionär, aber auch den Menschen aus Fleisch und Blut, der heute fast ganz von seinem eigenen Mythos verstellt wird. Er schildert kenntnisreich und sensibel, was Mandela antrieb und was er bewirkte, wie er die langen Jahre der Haft ungebeugt bewältigte und schließlich zur moralischen Instanz eines ganzen Zeitalters wurde. Stephan Bierling ist Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Regensburg. Bei C.H.Beck erscheint von ihm ebenfalls im Frühjahr: Nelson Mandela. Rebell, Häftling, Präsident (2018).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 15.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406721175
    Verlag: Verlag C.H.Beck
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Nelson Mandela

2. Politische Lehrjahre

Johannesburg hatte Mandela nicht zufällig als Ziel seiner Flucht aus der Transkei gewählt. Es war die Stadt der Verheißungen, der Jobs, des Geldes, der vibrierenden Urbanität. Die Zulus nannten sie Egoli, die "goldene Stelle". Gegründet worden war Jo-burg, wie es umgangssprachlich hieß, 1886 nach dem ersten Goldfund am Witwatersrand, einem Höhenzug im Transvaal, als Lager für die Minenarbeiter. Der Goldrausch ließ es explodieren: Nur zehn Jahre später war sie die bevölkerungsreichste Stadt Südafrikas - und sein neues ökonomisches Herz. 40 Prozent des jemals auf der Erde geförderten Goldes sollte vom "Rand" kommen.

Als Mandela 1941 in Johannesburg eintraf, fachte der Zweite Weltkrieg den Boom in den Minen gerade weiter an. Der Bedarf an Arbeitskräften wuchs immens, auch weil viele Weiße wegen des Kriegsdiensts ausfielen. Allein zwischen 1936 und 1946 stieg die Zahl der schwarzen Bewohner um 59 Prozent auf 400.000. Mandela war also nur einer von vielen zehntausend Neuankömmlingen, und wie fast alle führte ihn sein erster Weg zu den Minen. Dort erhielt er einen Job als Nachtwächter, verlor ihn aber rasch, weil er keine Arbeitserlaubnis von König Jongintaba vorweisen konnte. Die Minenunternehmen arbeiteten nämlich eng mit den Häuptlingen in den Reservaten zusammen, weil diese ihnen billige Arbeitskräfte schickten. Allerdings kam Mandela in Kontakt mit Walter Sisulu, einem Immobilienmakler und Aktivisten, der ihn politisch entscheidend prägen und zu seinem wichtigsten Mentor werden sollte.

Sisulu stammte wie er vom Ostkap, war sechs Jahre älter und lebte seit 1928 in Johannesburg. Er gehörte der Kommunistischen Partei und dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC)an, einer schwarzen Organisation, die bessere Arbeitsbedingungen in den Minen und volle Bürgerrechte für alle Südafrikaner forderte. Als Sohn einer Schwarzen und eines Weißen glaubte Sisulu, der ANC werde ihn nie an seiner Spitze akzeptieren. Schnell nahm er den vielversprechenden Mandela unter seine Fittiche. Er stellte ihn dem jüdischen Teilhaber einer Rechtsanwaltskanzlei, Lazar Sidelsky, vor, der ihn als Praktikanten anheuerte. Dies war ein unerhörter Schritt, kaum jemand stellte einen Schwarzen für eine solche Position ein - und ein großer Glücksfall für Mandela, musste er doch, bevor er sein neues Berufsziel 'Anwalt' erreichen konnte, neben dem Studium mehrere Jahre in einer Kanzlei gearbeitet haben. Sidelsky beschrieb Mandela später als "gewissenhaft, nie unredlich, nach außen wie innen sauber". Er warnte ihn vor politischem Engagement, schenkte ihm einen alten Anzug und lieh ihm 50 Pfund, etwa 2000 Euro. Sidelsky war der erste Jude, den Mandela kennen und schätzen lernte. Später traf er viele weitere Juden im Umfeld der Kommunistischen Partei. In seinen Memoiren schrieb er voll des Lobes: "[N]ach meiner Erfahrung sind Juden großzügiger in Fragen von Rasse und Politik als die meisten Weißen, vielleicht weil sie historisch selbst Opfer von Vorurteilen geworden sind." Parallel zu seinem Praktikum in der Kanzlei nahm Mandela ein Fernstudium an der Universität von Südafrika auf, das er drei Jahre später mit einem Bachelor-Grad abschloss.

Mandela mietete sich in Alexandra ein, einem übervölkerten Township ohne Strom und Wasser und mit einem "zweifelhaften Ruf", wie er später schrieb. Aber die Gangs, die Gewalt, die Polizeirazzien blendete er aus, um mit seinem Studium und seiner Arbeit voranzukommen. Mandelas Lebensumstände waren kümmerlich. Fast fünf Jahre lang trug er tagein, tagaus denselben alten Anzug von Sidelsky. Oft lebte er von Brot und kaltem Wasser, manchmal ging er die acht, neun Kilometer zu Fuß ins Büro, um das Geld für den Bus zu sparen. Nach zwölf Monaten verließ Mandela Alexandra und wohnte mehrere Jahre in Unterkünften von Minengesellschaften, weil die nichts kosteten. In einem dieser Lager besuchte ihn kurz vor seinem Tod König Jongintaba, der sich zu M

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