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Portugal Ein Länderporträt von Kamm, Simon (eBook)

  • Verlag: Ch. Links Verlag
eBook (ePUB)
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Portugal

Melancholisch und lebensfroh, rebellisch und sanft, stolz und gastfreundlich - mit viel Sympathie blicken die europäischen Nachbarn auf die Portugiesen, die scheinbar Unvereinbares verknüpfen. Portugal hat sich in den letzten Jahrzehnten in einem atemberaubenden Tempo von einer abgeschotteten und in allen Bereichen zurückgebliebenen ländlichen Agrargesellschaft in einen modernen europäischen Staat verwandelt. Simon Kamm erzählt, wie die große Vergangenheit eines der ältesten Nationalstaaten Europas das Gegenwartsbewusstsein der Portugiesen mitbestimmt, wie die enge Bindung an das Meer Land und Leute prägt, was es bedeutet, dass Portugal das EU-Land mit der größten Anzahl Restaurants pro Kopf ist, wieso die Improvisation ('desenrascanço') geradezu eine portugiesische Kunstform ist und wie die gegenwärtige Krise das Land und die Generation der jungen Portugiesen prägt und verändert. Simon Kamm: Jahrgang 1981, Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften und des Journalismus in der Schweiz und in Portugal; 2006 bis 2013 als Journalist bei der portugiesischen Nachrichtenagentur LUSA in Lissabon tätig; freier Journalist für deutschsprachige Zeitungen. Als gebürtiger Schweizer in Mexiko-Stadt aufgewachsen, lebt er seit 18 Jahren in Portugal.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862844548
    Verlag: Ch. Links Verlag
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Portugal

Von einer Weltmacht zum ärmsten Land Westeuropas

"Ohne Zweifel haben wir eine Vergangenheit. Zuviel vielleicht.

So viel, dass für die Zukunft kein Raum bleibt."

(Manuel Alegre)

Als am 16. April 2010 der deutsche Regierungsflieger mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an Bord wegen der über Teilen Europas hängenden Wolke aus isländischer Vulkanasche auf der Rückreise nach Berlin unerwartet in Lissabon zwischenlanden musste, brach bei mir in der Redaktion der portugiesischen Nachrichtenagentur LUSA allgemeines Gelächter aus. Nicht etwa, weil wir es lustig fanden, dass die deutsche Regierungschefin umgeleitet werden musste, sondern einfach, weil der US-Nachrichtensender CNN die portugiesische Hauptstadt mal wieder per Blindschuss auf die Weltkarte gesetzt hatte. In diesem Falle war es irgendwo im Golf von Guinea (als kleiner Punkt im Atlantischen Ozean, irgendwo vor Westafrika). "Die haben ja gar nicht so unrecht", witzelte einer und konnte eine gewisse Kränkung nicht verbergen. "Wir gehören halt tatsächlich mehr zu Afrika als zu Europa. In Wahrheit sind wir nicht mal mehr der Arsch Europas!" Obwohl es sich natürlich auch nur um einen topografischen Fehler handelte, war dieser irgendwie typisch: spricht er doch für wenig bis gar keinen Respekt im Umgang mit der lusitanischen Nation ...

Die Portugiesen sind es mehr oder weniger gewöhnt, dass ihr Land, einst die führende See- und Kolonialmacht, seit Langem international keine Beachtung mehr findet, ja sogar ignoriert wird. Es ist einfach so: Portugal, einer der ältesten Nationalstaaten Europas, Gründungsmitglied der NATO und der EU-Währungsunion, spielt keine relevante internationale Rolle mehr. Dass die Bevölkerung diese Nichtachtung gewöhnt ist, heißt aber noch lange nicht, dass sie froh darüber wäre oder sich damit abgefunden hätte. "Wie kann man uns denn ernst nehmen", seufzte ein älterer Kollege, "wenn man es nicht mal mehr schafft, uns auf einer beschissenen Landkarte zu finden?" Man verzeihe seine Ausdrucksweise.

Das Empfinden, immer weiter in die Bedeutungslosigkeit abzudriften, liegt schwer auf der nationalen Seele ... oh ja, das tut es. Doch viel schlimmer noch als Lissabon, einstmals der Nabel der Welt, einfach irgendwo zu platzieren (und das Land selbst gegebenenfalls zum Insel-Archipel zu erklären) ist es, wenn die nun schon seit dem 13. Jahrhundert praktisch unveränderte Grenze zum erdrückend größeren Nachbarn Spanien in fast allen Wetterkarten einfach vergessen wird und der iberische Klotz als ein Ganzes erscheint - mit Hauptstadt Madrid! Dann geht gar nichts mehr! Denn ein solcher Missgriff degradiert Portugal zur spanischen Provinz. Und mit diesem Rückfall in die iberische Personalunion der Jahre 1580-1640 hört der Spaß nun endgültig auf, Freunde! Immerhin hat man die letzten Jahrhunderte nicht ohne Grund damit verbracht, genau dies mit sehr viel Beharrlichkeit zu verhindern, und die portugiesische Eigenständigkeit mit Schweiß und Blut bewahrt ...

Portugal war schon immer ein weit entfernter Vorort Europas, isoliert und auf sich allein gestellt: Vom weiten Atlantik im Süden und Westen begrenzt, spürt es östlich und auch im Norden die Flanken des großen Bruders Spanien. Es ist ein Land, welches seit eh und je aufs verheißungsvolle Meer blickte und damit dem restlichen Europa den Rücken zuwandte. Internationales Aufsehen erregte Portugal in den letzten Jahren vor allem wegen seiner wirtschaftlichen und finanziellen Lage: Musste es 2011 als drittes Land unter den EU-Rettungsschirm schlüpfen und gehörte damit zu den "EU-Krisenländern", so setzte es danach unter einer Mitte-Rechts-Regierung die verordnete EU-Rettungspolitik (Sparprogramm und Strukturreformen) tadellos um und übererfüllte sie zum Teil sogar. Seit Neuestem gilt Portugal gar als Musterbeispiel für Krisenbewältigung un

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