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Schwarze Magnolie von Lee, Hyeonseo (eBook)

  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)

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Schwarze Magnolie

Ein langer Weg in die Freiheit
Ihre Kindheit in Nordkorea ist 'ganz normal' - und unvorstellbar: Das Leben von Hyeonseo Lee und das ihrer Familie gehören dem Staat. Es gelten eiserne Regeln, und wer sie nicht befolgt, muss mit dem Schlimmsten rechnen: Hyeonseo ist sieben Jahre alt, als sie zum ersten Mal eine öffentliche Hinrichtung miterlebt.
Um wenigstens einmal den Fesseln des Kim-Regimes zu entkommen und kurz die Freiheit zu spüren, schleicht sich Hyeonseo als Teenager heimlich über die Grenze nach China - aber dann ist ihr der Heimweg versperrt. Zehn Jahre lang schlägt sie sich in China als Illegale durch, bevor sie schließlich nach Südkorea gelangt. Endlich in Sicherheit! Doch als sie einen Notruf ihrer Familie erhält, beschließt sie, ihre Mutter und ihren Bruder aus Nordkorea herauszuholen ...
Die spannende und berührende Geschichte einer außergewöhnlich mutigen jungen Frau.

Hyeonseo Lee, geboren in Nordkorea, lebt heute in Seoul (Südkorea) und ist eine international gefragte Rednerin. Sie sprach schon vor den Vereinten Nationen und auf dem Friedensforum in Oslo. Sie setzt sich für Menschenrechte in Nordkorea und die Belange nordkoreanischer Flüchtlinge ein.

Produktinformationen

    Größe: 3886kBytes
    Herausgeber: Heyne
    Untertitel: Wie ich aus Nordkorea entkam. Ein Bericht aus der Hölle
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 416
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783641146481
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Schwarze Magnolie

Kapitel 1

Ein Zug durchs Gebirge

Eines Morgens im Spätsommer 1977 verabschiedete sich eine junge Frau am Gleis des Bahnhofs von Hyesan von ihren Schwes tern und stieg in den Zug nach Pjöngjang. Sie hatte eine offizielle Genehmigung, dort ihren Bruder zu besuchen. Vor lauter Aufregung hatte sie in der Nacht zuvor kaum geschlafen. Sie hielt die Hauptstadt der Revolution für einen mythischen und futuristischen Ort. Eine Reise dorthin war ein seltenes Ver gnügen.

Die Luft war noch kühl und roch wegen eines nahe gelegenen Sägewerks nach frischem Holz. Die Luftfeuchtigkeit war noch nicht allzu hoch. Die Frau hatte einen Fensterplatz. Der Zug fuhr los und kroch ächzend zwischen steilen, kiefernbewachsenen Berghängen und über schattige Schluchten die alte Hyesan-Linie entlang Richtung Süden. Hin und wieder sah man weit unten einen rauschenden Fluss. Doch im Laufe der Fahrt nahm die junge Frau die Landschaft immer weniger wahr.

Der Waggon war voller junger Offiziere, die gut gelaunt in die Hauptstadt zurückkehrten. Anfangs empfand sie sie als lästig, doch bald ertappte sie sich dabei, wie sie gemeinsam mit den anderen Passagieren über das Geplänkel der Soldaten lächelte. Die Offiziere luden alle Fahrgäste im Waggon dazu ein, an ihren Vergnügungen - Worträtseln und Würfelspielen - teilzunehmen, um sich die Zeit zu vertreiben. Als die junge Frau eine Runde verlor, sollte sie zur Strafe ein Lied singen.

Im Waggon wurde es still. Sie blickte zu Boden, nahm ihren Mut zusammen, stellte sich hin und hielt sich an der Gepäckablage fest. Sie war zweiundzwanzig Jahre alt. Ihr glänzendes schwarzes Haar war für die Reise zurückgebunden. Sie trug ein weißes, mit roten Blümchen bedrucktes Baumwollkleid. Das Lied, das sie sang, stammte aus einem beliebten nordkoreanischen Film aus jenem Jahr mit dem Titel Die Geschichte eines Generals . Sie sang gut, mit weicher und hoher Stimme. Als sie fertig war, brach der ganze Waggon in Applaus aus.

Dann setzte sie sich wieder. Auf dem Gangplatz saß eine Groß mutter, ihre Enkelin zwischen den beiden. Plötzlich stand ein junger Offizier in graublauer Uniform vor ihnen. Er stellte sich der Großmutter höflich vor. Dann hob er das kleine Mädchen hoch, setzte sich neben die junge Frau und nahm das Kind auf den Schoß.

"Sag mir, wie du heißt", waren seine ersten Worte.

So lernte meine Mutter meinen Vater kennen.

Er wirkte sehr selbstbewusst und sprach mit einer Pjöngjanger Klangfärbung, die bewirkte, dass meiner Mutter ihr nördlicher Hyesan-Dialekt bäuerlich und derb vorkam. Doch der Of fizier nahm ihr schnell ihre Befangenheit. Er sei selbst aus Hyesan, sagte er, lebe jedoch seit vielen Jahren in Pjöngjang und müsse beschämt zugeben, dass ihm der Dialekt abhandengekommen sei. Sie sah die ganze Zeit zu Boden, erhaschte jedoch den einen oder anderen Blick auf ihn. Er war nicht auf die übliche Weise gut aussehend - er hatte dicke Augenbrauen und ausgeprägte, vorstehende Wangenknochen -, doch sein soldatisches Auftreten und seine Selbstsicherheit fesselten sie.

Er sagte, ihm gefiele ihr Kleid, und sie schenkte ihm ein schüchternes Lächeln. Sie zog sich gern gut an, weil sie meinte, so ihr unscheinbares und gewöhnliches Aussehen kompensie ren zu können. In Wahrheit war sie hübscher, als sie glaubte. Die lange Fahrt ging schnell vorbei. Während sie sich unterhielten, fiel ihr auf, dass er sie immer wieder mit einer Ernsthaftigkeit ansah, die sie bisher bei keinem Mann erlebt hatte. Davon wurde

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