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Sissi, Stones und Sonnenkönig Geschichten unserer Jugend von Steinhauer, Erwin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.02.2016
  • Verlag: Residenz Verlag
eBook (ePUB)
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Sissi, Stones und Sonnenkönig

Ein heiter-ironischer Rückblick auf eine Zeit, die von Optimismus getragen war. Zwischen 1955, als Leopold Figl "Österreich ist frei!" verkündete, und 1978, als der Sonnenkönig Bruno Kreisky die Zwentendorf-Abstimmung verlor, liegt ein Vierteljahrhundert, in dem sich viel tat: Kurioses, Emanzipatorisches, Revolutionäres und Restauratives. Es geht um verrückte Zeiten: Um die Kukuruzwette zwischen Österreich und der Sowjetunion und ein Ferkel als Trophäe. Um die 'Saupitteln', deren 'Yesterday' schon übermorgen keiner mehr kennen, und um Heinz Conrads, der unvergessen bleiben wird. Um linke Revoluzzer und katholische Sektierer. Mit heiterer Wehmut und bittersüßer Ironie blicken Steinhauer und Schindlecker auf drei turbulente Jahrzehnte zurück.

Erwin Steinhauer wurde 1951 in Wien geboren. Er ist Schauspieler und Kabarettist. Steinhauer spielte in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen, sowie am Burgtheater und am Theater in der Josefstadt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. das Goldene Ehrenzeichen für die Verdienste um das Land Wien (2010). Fritz Schindlecker wurde 1953 in Tulln geboren. Schrieb zahlreiche Kabarettprogramme für Lukas Resetarits und Erwin Steinhauer sowie Theaterstücke und arbeitete auch als Fernsehautor. Mitbegründer des Verlags für Gesellschaftskritik und des Labels Extraplatte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 11.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783701745234
    Verlag: Residenz Verlag
    Größe: 1369 kBytes
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Sissi, Stones und Sonnenkönig

Unsere 1950er

Die Erinnerung ist oft das Schönste im Leben, glaube ich.

R OMY SCHNEIDER
am 26. November 1954,
im Alter von 16 Jahren;
Schauspielerin
(1938-1982)

"Was wollts denn ihr über die Fünfzigerjahre sagen? Die habts ihr doch gar nicht richtig erlebt!"

Die Kollegin meint das ernst. Wir wüssten gar nicht, sagt sie, was damals wirklich los gewesen sei. Sie aber schon. Dabei ist sie sonst gar nicht so rasend darauf erpicht, speziell zu betonen, dass sie ein paar Jahre älter ist als unsereiner. So verkündet sie jetzt lautstark, sie habe noch die Russen gesehen mit der "Puschka", sie habe als Volksschulviertklässlerin den ersten "Tag der Fahne" im 56er Jahr mitgefeiert, und sie sei schon mit dreizehn ein Elvis-Fan gewesen. Ja, so sind sie, die Zeitzeugen: sie haben nicht nur alles gesehen, sie waren auch bei allem und jedem mitgestaltend tätig. Jedenfalls dann, wenn es sich dabei um etwas Positives, Emanzipatorisches und/oder Demokratisches gehandelt hat. Wie jetzt auch hier, in diesem konkreten Fall.

Sie habe, sagt unsere nur um einen kleinen Hauch ältere, aber sich doch um Dezennien reifer gebende Kollegin, sie habe in mühevoller Kleinarbeit, auch unter strategisch gezieltem Einsatz von Krokodilstränen, einen emanzipatorischen Etappensieg gegen ihre verzopften Eltern errungen: Denn unter dem Weihnachtsbaum im 58er Jahr lagen für sie kein Dirndl und auch kein Sprungseil, sondern eine Jimmy-Hose und ein Hula-Hoop-Reifen.

"Gut", sagen wir darauf, "ja klar, beachtliche Leistung, liebe Kollegin! Aber unsereiner", fügen wir hinzu, "unsereiner kennt sich auch aus!"

Denn auch wir wissen aus der Besatzungszeit, dass die "Puschka" ein russisches Synonym für "Schusswaffe" ist, also so gebraucht wird wie "gun" im Englischen oder "Kanone" in unerträglichen bundesdeutschen Filmsynchronisationen. Auch wir haben zahllose "Tage der Fahne" miterleben dürfen und Gedichte aufsagen müssen, wie:

Ö STERREICH, MEIN V ATERLAND, HöR, WAS ICH DIR SAGE:
ICH WILL Ö STERREICHER SEIN, HEUT UND ALLE T AGE !

Auch wir haben zu unseren ersten Jeans "Jimmy-Hosen" gesagt. Und auch wir haben uns prägende frühkindliche Frustrationen mit dem depperten Hula-Hoop-Reifen zugefügt, weil der Dreck sich nie um unsere Leibesmitte drehen wollte, sondern immer gleich runtergeplumpst ist.

Aber eines ist schon richtig, liebe Kollegin: Im Gegensatz zu dir waren wir damals verdammt jung. Der 1. Jänner 1960 sah Erschi als Volksschuldrittklässler und Fritzi als Erstklässler.

Dazu ein kurzer Einschub: Vornamen quasi zu verkleinern, also statt Erwin "Erschi" und statt Fritz "Fritzi" zu sagen, war damals allgemein üblich. Neben Franzis, Pepis, Poldis und Karlis gab es auch zahllose Dorlis, Liesis, Annis und Mariechens. Spätestens seit den 1980er Jahren nahm diese allgemeine Verkleinerungssucht etwas ab - wer wollte auch schon gern statt Kevin "Kevini" genannt werden, oder statt Pamela "Pämelchen"? In jenen Kapiteln dieses Buches, in denen wir unsere Kinderjahre beschreiben, bezeichnen wir uns selbst mit diesen Verkleinerungsformen, also "Erschi" und "Fritzi". Sobald wir das vierzehnte Lebensjahr vollendet haben, verwandeln wir uns in "Erwin"und "Fritz", die verwegen und entschlossen dem Erwachsenenalter entgegenschreiten.

Da Erschi und Fritzi damals aber eben noch sehr klein waren, haben die 1950er Jahre wahrscheinlich unser Unterbewusstsein mehr geprägt als unser Bewusstsein. Ob wir uns deshalb jetzt in tiefe Melancholie stürzen oder in einen Glückstaumel verfallen sollen, darüber haben wir noch nicht entschieden. Zumal wir als engagierte Teilzeit-Freudianer natürlich wissen, dass unbewusste Prägungen deutlich länger und intensiver wirken als bewusste.

Und was wir dem Konglomerat aus Erinnerungsbildern und Nachgelesenem e

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