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Ulbricht vs. Adenauer Zwei Staatsmänner im Vergleich von Benser, Günter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.08.2015
  • Verlag: Spotless
eBook (ePUB)
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Ulbricht vs. Adenauer

1949, mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik, wurde die Nachkriegsteilung Deutschlands staatliche Realität. An der Spitze dieser beiden Staaten handelten der katholische Konservative Konrad Adenauer (1876-1967) und der Kommunist Walter Ulbricht (1893-1973). Obgleich sie gegeneinander standen und verschiedenen Interessen dienten, agierten sie objektiv miteinander. Sie unterschieden sich erheblich - und waren doch in ihrem Handeln aneinander gebunden. Der Historiker Günter Benser hat sie verglichen. Er stellt interessante Gemeinsamkeiten und Gegensätze heraus. Und er dokumentiert, dass beide nicht nur herausragende Persönlichkeiten waren, sondern nachhaltig die deutsche Geschichte prägten.

Günter Benser, geboren 1931, arbeitete am Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, dessen Leitung er nach der Umbildung zum Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung 1989 übernahm. Benser gehörte dem Rat für Geschichtswissenschaft und dem Nationalkomitee der Historiker der DDR an. 2000 sorgte er mit dem Buch "DDR - gedenkt ihrer mit Nachsicht" für kontroverse Diskussionen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 17.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783360520104
    Verlag: Spotless
    Serie: Spotless
    Größe: 725kBytes
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Ulbricht vs. Adenauer

Weltanschauliche und historisch-politische Grundüberzeugungen Adenauers und Ulbrichts

Politik auf festen weltanschaulichen Grundlagen und Wertevorstellungen

Adenauers wie Ulbrichts Überzeugungen ruhten auf festen weltanschaulichen Fundamenten, die für sie die großen Orientierungsrahmen abgaben. Es handelte sich um Anschauungen, die im eigenen sozialen Milieu vorherrschten und die sie vorwiegend als Autodidakten für sich ausgeformt und politisch handhabbar gemacht hatten. Poppinga bescheinigt Adenauer eine "Durchschnittsbildung der gehobenen Bürgerschicht seiner Zeit", angereichert durch die selbst miterlebte Geschichte. 92 Im Kloster Maria Laach, wo er sich 1934 verborgen hielt, las Adenauer Geschichtswerke, befasste er sich mit römischer Geschichte und kunsthistorischen Monografien. Zu seinem Lesestoff gehörten die päpstlichen Enzykliken, vor allem Rerum Novarum und Quadragesimo Anno, die ihn - so sein Biograf Paul Weymar - inspirierten, im Geiste christlicher Nächstenliebe den Klassenkampf zu überwinden und eine Entproletarisierung des Proletariats zu bewirken. 93

Ulbricht hatte sein Volksschulwissen im Jugendbildungsverein und durch Parteischulungen wie durch eigene Leseerlebnisse erweitert. 94 Er hat sich darauf berufen, dass er nach angestrengter Tagesarbeit noch Schriften von Marx und Engels studierte. 95 Auf dem VII . Parlament der Freien Deutschen Jugend berichtete er den Delegierten: "Als wir junge Gewerkschafter waren, Vertrauensleute im Betrieb, da haben wir gelesen: das 'Kommunistische Manifest', Marx' 'Lohnarbeit und Kapital' und Marx' 'Lohn, Preis und Profit'. Das war das ABC für das Grundwissen, das wir als junge Gewerkschaftsfunktionäre brauchten. Später haben wir noch einige andere Werke gelesen." 96

Was die Inhalte betrifft, so konnten die Grundüberzeugungen und Wertevorstellungen beider Staatsmänner gegensätzlicher kaum sein. Und diese wurden von beiden ohne erkennbare Selbstzweifel unbeirrt verfochten. Sie bildeten den geistigen Nährboden politischer Entscheidungen und das Arsenal, aus dem die Argumente zu deren Begründung und Propagierung geschöpft wurden. Noch bevor vom "Kampf der Kulturen" die Rede war, hatte Adenauer einen "Kampf der Weltanschauungen, der sich über die ganze Welt erstreckt" im Blick 97 - eine Sichtweise, der Ulbricht nicht widersprochen hätte.

War Adenauer eher eine Abneigung gegen theoretisches Denken eigen - er war jedenfalls kein systematisierender Theoretiker -, so zeichnet er sich doch durch Klarheit und Folgerichtigkeit seiner Überlegungen und der ihnen entspringenden Konzeptionen aus, durch den nüchternen Rationalismus des geschulten Juristen. 98 Er warnte vor der Gefahr, über höhere, abstrakte Ziele die praktische Wirklichkeit aus den Augen zu verlieren. 99 Er setzte vor allem auf den hohen Wert von Erfahrungen als "die Saatkörner, aus denen Klugheit erwächst". 100 Und diese Erfahrung lehrte ihn, verwirrende Ereignisse auf einfache Nenner bringen, "Dinge auch so tief sehen, dass sie einfach sind". 101

Grundüberzeugungen räumte Adenauer einen hohen Stellenwert ein. So erklärte er, was sich auch manche Linke zu Herzen nehmen könnten: "Und wenn wir die geistigen Grundsätze unserer Partei zurücktreten lassen, dann gerät alles ins Rutschen, das geht an die Wurzel der CDU , das geht an das Fundament." 102 Das Grundverständnis, mit dem Adenauer seinen Kampf der Weltanschauungen führen wollte und auch tatsächlich führte, war seine Auffassung von der Rolle des "christlichen Abendlandes" und dessen Wurzeln in der Antike. Dies zeugte jedoch auch von einer gewissen Enge. So sah dies jedenfalls Walter Lippmann: "Sein Horizont ist ohne seine persönliche Schuld irgendwie eng geblieben. Er ist kra

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