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Und nicht vergessen Autobiographie von Heye, Uwe-Karsten (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2018
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Und nicht vergessen

Was im Zwielicht der Geschichte zu erkennen ist. Mit seiner Autobiographie legt Uwe-Karsten Heye ein sehr persönliches Geschichtsbuch vor. Berührend, wunderbar erzählt, eine Kindheit in Ost- und Westnachkriegsdeutschland, ein politisches Leben zwischen Willy Brandt, dessen Redenschreiber Heye war, und Gerhard Schröder, für dessen Regierung er als Sprecher arbeitete, zwischen Berlin und New York, zwischen Diplomatie und Journalismus. Als Kind erlebte Uwe-Karsten Heye, was Krieg und Nachkrieg angerichtet hatten. Der Kalte Krieg setzte andere Prioritäten als konsequente Entnazifizierung. Vergessen und Verdrängen waren die Devise. Heye arbeitete als Redenschreiber für Willy Brandt, als Journalist, unter anderem für Kennzeichen D, legte er den Finger in die Wunden des geteilten Landes, wurde Regierungssprecher unter Gerhard Schröder und schließlich Generalkonsul in New York und Chefredakteur des 'Vorwärts'. Heyes Autobiographie ist eine deutsche Geschichtsstunde, aber auch Selbstbefragung: Was wurde versäumt, dass wir es heute erneut mit einem wachsenden Rechtsextremismus zu tun haben? Darauf sucht er Antworten und will Auskunft geben, damit sich Geschichte nicht wiederholt. Uwe-Karsten Heye, geb. 1940, Journalist, arbeitete als Redenschreiber für Willy Brandt, Regierungssprecher von Gerhard Schröder sowie als Autor für ARD und ZDF. Seine Erinnerungen an Flucht und Nachkriegszeit 'Vom Glück nur ein Schatten' wurden unter dem Titel 'Schicksalsjahre' mit Maria Furtwängler verfilmt.Im Frühjahr 2014 erschien bei Aufbau 'Die Benjamins. Eine deutsche Familie'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 09.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841215185
    Verlag: Aufbau-Verlag
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Und nicht vergessen

1.
Im Zwielicht deutscher Geschichte

W ie ist ein Leben zu beschreiben? Wie lässt sich Erinnerung aufbereiten und dabei vermeiden, dass schwierige Erlebnisräume zugeschlossen bleiben und dann auf einmal unbedeutend erscheinen und der Blick zurück abschweift? Wie lässt sich das eigene Leben betrachten und ihm gerecht werden?

Könnte ein Ich-Erzähler die Rolle des Beobachters übernehmen, der Fiktion und Wirklichkeit auseinanderhält? Da es am Ende doch ein und derselbe ist, der beschreibt, und der, über den erzählt wird, könnte es vielleicht doch Distanz bringen, die ein ehrliches Bild herzustellen erleichtern könnte?

Als Günter Grass sein eigenes Leben besichtigte und in den Tiefen verdrängter Erinnerung auf " SS " stieß, war es mit der Sicherheit vorbei, mit der er bis dahin zurückgeblickt hatte. Ist über sich selbst zu schreiben nur ehrlich, wenn es weh tut? Jedenfalls ist es nur dann sinnvoll, glaubt Christa Wolf, als sie über den biographischen Selbstversuch von Günter Grass schreibt, der "beim Häuten der Zwiebel" seine Haut zu Markte trug. Meine Nähe zu beiden ist auch geprägt davon, wie sie ihre Erinnerungen entziffern.

Es ist große Literatur, wie sie sich den Lesern ausliefern. Dass sie mir, der ich lesend bei ihnen bin, ganz nahe sind, könnte daran liegen, dass auch mich historische Erfahrungen begleitet haben und prägten. Ihnen ausgesetzt und mit gleicher Irritation wie Christa Wolf und Günter Grass aufgewachsen zu sein und von gemeinsamer Geschichte nicht loszukommen, lässt Entfremdung zu ihnen nicht entstehen.

Wie oft im Leben wird man ein anderer? Christa Wolf zitiert Grass und folgt ihm nachdenklich. Wie er sehe ich auf ein Passfoto, das ich in meinem zerfledderten Führerschein finde, der geradezu antiquarischen Wert hat. Der junge Mann darauf ist mir zugleich nah und seltsam fremd, die gleiche Empfindung hatte Grass, als er sein Jugendfoto beschreibt. Meine Großmutter hatte zehn Fahrstunden bezahlt, und ich bekam den Führerschein als Geschenk zum 21. Geburtstag. Was weiß ich noch über den, dessen Foto meinen Führerschein bebildert?

Auf gewisse Weise schließt sich für mich nach einer langen Reise und vielen Wohnorten mit Babelsberg ein Kreis. Denn immer wieder kam meine Mutter auf die mit der Filmstadt verbundenen Künstler zu sprechen, die sie damals vor mehr als siebzig Jahren nach Danzig verpflichten konnte. Für sie nur "die Babelsberger". So lange weiß ich von Babelsberg. Sie kamen aus Berlin oder eben von der Ufa in Potsdam-Babelsberg. Jede und jeder hatte Starruhm. Für sie war Truppenbetreuung Pflicht, meine Mutter engagierte sie im Auftrag des Reichspropagandaamtes, Außenstelle Danzig.

Heinrich George, Marika Rökk und, und ... Große Namen geisterten durch Ursels Erinnerungen. Das Publikum waren verwundete Soldaten, versorgt auf den Lazarettschiffen vor Danzig. Halbwegs genesen, enterten sie die Salons der "Kraft durch Freude"-Flotte, zu denen auch das Kreuzfahrtschiff "Wilhelm Gustloff" gehörte. Im Januar 1945 durchlöchert von einem Torpedo russischer Bauart, ist es ihr Untergang mit Tausenden Toten, dem das Schiff bis heute tragische Erinnerung verdankt. Solange es bei Danzig vor Anker lag, wurden auch von dort bunte Abende gesendet und über die Volksempfänger verbreitet. Auf dem Schiff ein Publikum, das vom Krieg gezeichnet war, manche konnten auf Stühlen sitzen, andere konnten nur liegend oder in Rollstühlen den bunten Abenden folgen. Dieses dankbare Publikum fügte sich zu einem grotesken Bild, in Mullbinden verpackt und Prothesen an zerschossenen Körperteilen.

Kaum genesen, mussten sie zurück an die Front. Ihr Beifall drang über die Reichssender in die Wohnzimmer Nazideutschlands, unterlegt mit einem Musikteppich, der Hoffnung verbreiten sollte: "Ich weiß", sang die schwedische Diseuse Zarah Leander, "es wird einmal ein Wunder gescheh'n". Das Wunder, das Nazideutschland brauchte

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