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Was ich noch sagen wollte von Schmidt, Helmut (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.03.2015
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Was ich noch sagen wollte

Politik ist pragmatisches Handeln zu sittlichen Zwecken, hat Helmut Schmidt einmal gesagt. Weil er stets pragmatisch handelte, hat man ihm früh das Etikett des 'Machers' angeheftet. Dass seiner Politik aber immer ein strenges sittliches Koordinatensystem zugrunde lag, ahnten die wenigsten. Und die Bezugsgrößen in Schmidts ethischer Grundorientierung sind unverrückbar geblieben. Die frühe Lektüre von Mark Aurel und Cicero, die Beschäftigung mit Kant und Weber, die Vertiefung in die Philosophie Karl Poppers sind entscheidende Wegmarken in der Entwicklung eines Politikers, der den Wählern nie nach dem Mund redete. Ob Schmidt berichtet, wie sich ihm in Gesprächen mit dem ägyptischen Präsidenten Sadat die gemeinsamen Wurzeln von Judentum, Christentum und Islam erschlossen oder wie in den Begegnungen mit Deng Xiaoping das System des Konfuzianismus bestätigt wurde: Im Mittelpunkt steht stets die persönliche Faszination. In einem einleitenden Kapitel 'Frühe Prägungen' schreibt Schmidt über seine Schulzeit; er erinnert sich an seine acht Jahre als Soldat der Wehrmacht, und er hält Rückschau auf 68 Jahre des gemeinsamen Lebens mit seiner Frau Loki.

Helmut Schmidt, Jahrgang 1918, wurde in Hamburg geboren, war von 1974 bis 1982 Bundeskanzler und ist seit 1983 Mitherausgeber der Wochenzeitung DIE ZEIT.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 239
    Erscheinungsdatum: 03.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406676130
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 3668 kBytes
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Was ich noch sagen wollte

Vorrede

Anfang 2014 erreichte mich eine Anfrage des Verlags C.H.Beck, ob ich mir vorstellen könnte, für einen geplanten Sammelband zum Thema "Vorbilder" als Herausgeber zu fungieren. Ich sollte ein Vorwort verfassen und wohl auch einen eigenen Aufsatz über eine für mich wichtige Persönlichkeit beisteuern. Der Brief des Verlags, dem eine vorläufige Liste mit denkbaren "Vorbildern" beilag, hat mich auf die Idee gebracht, selbst ein kleines Buch zu dem Thema zu schreiben.

Denn zum einen fehlten auf der Liste des Verlags Namen, die für mich von großer Bedeutung sind, zum anderen stieß ich auf Namen, die ich dort nicht vermutet hätte. Einige Namen waren mir gänzlich unbekannt; so hatte ich bis dahin zum Beispiel nie von Olympe de Gouges oder Igor Savitsky gehört. Beim Nachdenken darüber, wie diese Verlagsliste wohl zustande gekommen ist, wurde mir klar, dass es schwer, ja unmöglich ist, eine für alle Menschen verbindliche Auswahl festzulegen. Jeder hat seine eigenen, persönlichen Vorbilder. Eine Bestenliste mit den zehn wichtigsten Vorbildern ist noch weniger denkbar als eine Liste mit den zehn großartigsten Bauwerken oder den zehn schönsten Gemälden. Jede Auswahl ist subjektiv. Es kann keinen allgemein gültigen Kanon der Vorbilder geben.

Je länger ich mich mit der Idee eines eigenen Buches zum Thema "Vorbilder" beschäftigte, desto mehr Zweifel überkamen mich, was wir überhaupt unter einem "Vorbild" verstehen. Wer gilt in unseren Augen eigentlich als Vorbild? In entsprechenden Umfragen der letzten Jahre stößt man immer wieder auf dieselben Namen: Mahatma Gandhi und Nelson Mandela, Albert Schweitzer und Mutter Teresa, Martin Luther King oder den Dalai Lama. Dass sie in den entsprechenden Rankings weit oben stehen, hat weniger mit ihrer Leistung zu tun oder mit dem, was wir als ihre Leistung ansehen. Von Mahatma Gandhi verstehen wir Deutschen noch weniger, als wir von Mandela verstehen. Ich habe Mandela 1996 einmal in Berlin, den Dalai Lama einmal in Prag getroffen, aber ich würde mir kein Urteil über sie erlauben.

Wer die genannten Personen als aktuelle politische und moralische Vorbilder nennt, ist sich möglicherweise nicht der enormen Veränderungen bewusst, denen die Welt in den letzten Jahrzehnten des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts unterworfen war - und nach wie vor unterworfen ist. Ich will mich an dieser Stelle darauf beschränken, drei grundlegende Veränderungen kurz zu skizzieren.

Die wichtigste Veränderung ist die Vervierfachung der Weltbevölkerung innerhalb des letzten Jahrhunderts - von gut anderthalb auf sechs Milliarden; inzwischen haben wir sieben Milliarden überschritten. Dieser Bevölkerungszuwachs hat fast ausschließlich in den so genannten Entwicklungsländern stattgefunden - in Asien, in Afrika und in Südamerika. Die Bevölkerung Europas hingegen blieb statistisch einigermaßen konstant, sie wird aber immer älter; das führt zu gewaltigen Problemen - nicht nur bei der Finanzierung des Sozialstaats. Die Einwohnerzahl Chinas hat sich im Laufe der letzten fünfzig Jahre verdoppelt, von etwa 700 Millionen auf heute 1350 Millionen. Ähnlich ist die Entwicklung in Indien, stärker noch in Bangladesch, in Pakistan oder Indonesien. In den meisten muslimischen Gesellschaften bringen die Frauen nach wie vor vier Kinder und mehr zur Welt.

Die zweite grundlegende Veränderung der Welt kam durch die Globalisierung. Seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gibt es zum ersten Mal so etwas wie Weltwirtschaft. In dieser Weltwirtschaft spielen die Chinesen und seit Beginn der neunziger Jahre die Russen ebenso eine Rolle wie Indien oder Brasilien oder zahlreiche muslimische Staaten - etwa Saudi-Arabien oder Indonesien. Die USA werden in der Mitte dieses Jahrhunderts ein zweisprachiges Land sein, dessen eine Hälfte Spanisch spricht - in Kalifornien ist das heute schon so. Die Masse der künftigen Wähler in den USA werden Hispanoamerikaner und Afroameri

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