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Washingtons Söldner Verdeckte US-Interventionen im Kalten Krieg und ihre Folgen von Voß, Klaas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.03.2014
  • Verlag: Hamburger Edition HIS
eBook (PDF)
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Washingtons Söldner

In den letzten Jahren fand eine stetige Privatisierung von Kriegen statt, nicht zuletzt durch den Einsatz von 'Söldnerfirmen' wie Blackwater (heute: Academi) in Afghanistan und im Irak. Doch es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Söldner erst mit dem Aufstieg der großen Militärdienstleister nach dem Ende des Kalten Krieges wieder zu einem wichtigen Konfliktakteur wurden. Tatsächlich fanden sie in der Konfrontation der Supermächte mit ihren verdeckten Operationen und Stellvertreterkriegen eine ideale Basis. Während man in Washington glaubte, dass Söldner risikofreie Interventionen in der 'Dritten Welt' ermöglichten, brachte ihr Einsatz zugleich eine erhebliche politisch-moralische Hypothek mit sich und bot eine perfekte Angriffsfläche für kommunistische Propaganda.
Weit verbreitete Annahmen zu Geheimdiensten, verdeckten Operationen und dem Management öffentlicher Meinung werden in diesem Buch hinterfragt: Der Einsatz von Söldnern verweist darauf, dass echte Geheimhaltung weitaus weniger wichtig war, als die Möglichkeit für die amtierende US-Administration, zumindest formal die Verantwortung für die inoffiziellen Kriege im Ausland abstreiten zu können.
Klaas Voß erzählt die wenig beachtete Vorgeschichte der aktuellen Rückkehr des Söldnertums und erinnert an die Schlachtfelder halb vergessener Konflikte des Kalten Krieges im Kongo, in Angola, Rhodesien und Nicaragua.

Klaas Voß, Dr. phil., ist Historiker am Hamburger Institut für Sozialforschung. Er ist Mitherausgeber (mit Bernd Greiner und Tim B. Müller) des Sammelbandes 'Erben des Kalten Krieges' (Hamburger Edition 2013)

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 590
    Erscheinungsdatum: 12.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783868546163
    Verlag: Hamburger Edition HIS
    Größe: 4707 kBytes
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Washingtons Söldner

Einleitung

Anfang April 2004 gingen erschreckende Bilder aus dem Irak um die Welt. Sie zeigten die verkohlten Überreste von vier uniformierten US-Amerikanern, die von Aufständischen in Falludscha in bizarren Posen an einer Brücke aufgehängt worden waren. Die Szene erinnerte an den Vorfall von Mogadischu im Jahre 1993, als Milizen die Leiche eines amerikanischen Helikopterpiloten durch die Straßen der somalischen Hauptstadt schleiften. Der Unterschied bestand darin, dass die vier Toten von Falludscha keine Soldaten waren. Sie waren contractors der Firma Blackwater. Sie waren, wie einige deutsche Zeitungen mit wenig Rücksicht auf definitorische Nuancen, aber dafür mit erkennbarer Überraschung feststellten, "Söldner". 1 Unter Sachkundigen, vor allem Politikwissenschaftlern und Völkerrechtlern, war schon in den 1990er Jahren eine Rückkehr der Söldner ausgerufen worden, nach der Jahrtausendwende wurden zahlreiche akademische Werke zu den so genannten PMCs ( private military companies ) verfasst. Politikwissenschaftler stritten sich über die Definition solcher Söldnerfirmen und führten eine Vielzahl neuer Akronyme ein, um die unterschiedlichen Firmentypen voneinander abzugrenzen. 2 Völkerrechtler diskutierten über ihren rechtlichen Status und Möglichkeiten der Regulierung. 3

Das Narrativ, darin waren sich die meisten einig, lautete wie folgt: Der Kalte Krieg war zu Ende, und massive Personalkürzungen der Militärs führten zu einem Überschuss an hochgradig geschultem Militärpersonal auf dem freien Markt. Privatisierung und Outsourcing westlicher Militärs und Sicherheitsapparate schufen in Verbindung mit wachsender Instabilität im Globalen Süden die entsprechende Nachfrage für dieses Angebot. 4 So erklärte sich die Rückkehr der Söldner; das neue Söldnertum. Das Narrativ vernachlässigt jedoch einen wesentlichen Punkt: Die Söldner waren weder neu, noch kehrten sie zurück. 5 Der Kalte Krieg war keine Periode ohne Söldner, er war vielmehr eine Blütezeit des modernen Söldnertums. Im Wettstreit der Supermächte und im Kontext ihrer Stellvertreterkriege fand der moderne Söldner einen idealen Nährboden. Dieses Buch ist folglich keine Studie über private Sicherheits- und Militärfirmen. Es beschäftigt sich mit ihren wenig organisierten Vorgängern: den unabhängigen, häufig ad hoc rekrutierten und mobilisierten Söldnern des Kalten Krieges. Im Mittelpunkt steht ihre Nutzung durch einen der wichtigsten Auftraggeber von Söldnern im Konflikt zwischen Ost und West: die Supermacht USA.

In diesem Rahmen sind vier Aspekte besonders hervorzuheben. Der erste ist grundlegender Art: Söldner waren fast drei Jahrzehnte lang ein wichtiger Bestandteil amerikanischer Interventionspolitik. Schon 1962 hatte die Kennedy-Administration mit dem National Security Action Memorandum 162 (NSAM 162) die strategische Grundlage für spätere Söldneroperationen formuliert: Durch den verstärkten Einsatz von so genanntem Drittstaatenpersonal beziehungsweise ausländischen Freiwilligen unter amerikanischer Kontrolle sollten die USA "verdeckte und abstreitbare Operationen" in den entlegenen Dschungeln, Hochlanden und Wüsten der globalen Peripherie durchführen können. 6 Mit ihrem erfolgreichen Einsatz im Kongo 1964/65 schrieben sich Söldner in Washingtons Instrumentarium für verdeckte Interventionen ein und bekamen einen festen Platz im Handlungsrepertoire der CIA. 7 Sobald in der Folge bestimmte Parameter erfüllt waren, setzten fast schon reflexhafte Überlegungen für die erneute Verwendung von Söldnern ein, etwa 19

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