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Zum Beispiel Kullerbude Vom VEB Wälzlagerwerk Leipzig zum Konzern ... zum Konkurs ... zur GmbH von Marohn, Norbert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2015
  • Verlag: Lychatz Verlag
eBook (ePUB)
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Zum Beispiel Kullerbude

Wie läuft ein Systemwechsel 'ganz unten' ab? Diese Buch dokumentiert es an einem Beispiel: Ab 1990 gehört der VEB Wälzlagerwerk (Leipzig) zum FAG-Konzern (Schweinfurt). Diese Übernahme endet 1993 im Konkurs. Um ihr Werk zu retten, besetzen es die Beschäftigten. Engagiert Ingenieure gründen eine verkleinerte GmbH, die bis heute besteht. In diesem Buch erzählen 70 Menschen: Leipziger Betriebsangehörige ebenso wie aus Schweinfurt entsandt Manager, Vertreter der IG Metall wie der Konkursverwalter und Leipzigs damaliger Oberbürgermeister - der Blick auf die Vermarktung eines VEB, auf die Betriebsbesetzung wie auf das 'Flottmachen' einer GmbH fällt verschieden aus, verbunden mit hunderten persönlichen Schicksalen: Die jeweils geschilderten stehen für viele, für eine kollektive Biografie.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 266
    Erscheinungsdatum: 01.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783942929967
    Verlag: Lychatz Verlag
    Größe: 1666 kBytes
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Zum Beispiel Kullerbude

EIN VEB UND DAS WIR

Günter Schmook, 1989 Direktor für Produktion

In der Sowjetunion wurden große Walzwerke gebaut, dafür haben wir die Lager geliefert. Wir haben Lager gebaut für Sternwarten, Carl Zeiß Jena. Wir haben Lager für Zementmühlen, für Steinbrecher gemacht. Fürs Verkehrsflugzeug, die geheime Lagerproduktion - wir hingen überall mit drin. Der Schwermaschinenbau in Magdeburg, was die exportierten, große Anlagen, da waren unsere Lager drin. Ich wollte Ihnen bloß sagen, wir, die Kullerbude, die Böhlitzer, hatten eine große Bedeutung in der DDR.

Stationen eines Leipziger Industriebetriebs:

1904 F. W. Witte gründet die LEIPZIGER KUGELLAGER GMBH in der Naumburger Straße.

1934 Werk II erbaut am Standort Böhlitz-Ehrenberg - Markenname DKF (DEUTSCHE KUGELLAGERFABRIK) - 1942 insgesamt 1 500 Beschäftigte.

1945 Neugründung als LEIPZIGER KUGELLAGERFABRIK SAG (Sowjetische Aktiengesellschaft).

1954 Die SAG wird überführt in einen VEB - letzter Name: VEB WÄLZLAGERWERK LEIPZIG - die Marke DKF bleibt als Namenszusatz erhalten - 1 630 Beschäftigte 1989.

Jürgen Klotz, ab 1978 im Betrieb

Nach der Schule - Abschluss 10. Klasse - die Lehre bekommen als Zerspanungsfacharbeiter. Zwei Jahre, wie's obligatorisch war. Waren zu DDR-Zeiten gute Vorteile dabei. Bin ich in die GST rein. Du konntest die Fahrerlaubnis preiswert erwerben, die I, und im zweiten Lehrjahr die V, das war Schmakazie gegenüber heute. Bei mir waren einige Familienmitglieder in der Firma. Meine Mutter indirekt, sie hatte den Konsum-Laden: Textilwaren, Strickwaren von A bis Z. Mein Vater war seit zig Jahren in der Kullerbude, hat dort gelernt. Mein Bruder. Meine Schwestern auch. Ich bin nach der Lehre, auf meinen Wunsch, in die Großdreherei, weil mein Vater dort gearbeitet hat. Hat mir gefallen, nur Großproduktion, die Fetten. Dann kam eine neue große Maschine, CNC. Hab ich mich profiliert auf das, weil bissel Computer drinne war.

Martina Klotz, ab 1976 im Betrieb

Mein Vater war Dreher. Ich wollte erst Verkäuferin werden oder sowas. Sagt er: Na komm, wir arbeiten dort alle, bewirb dich. Da haben sie mich gleich genommen. Ich hab meine Lehre richtig gemacht, als Facharbeiter für Qualitätskontrolle. In der TKO hab ich dann die ersten Jahre drei Schichten gemacht. Dann kam das Kind, da hab ich Normalschicht gemacht, in der Schleiferei. Bis 89. Da kam nun die Wende. Dann wurde unsere ganze Abteilung aufgelöst.

Günter Schmook, ab 1951 im Betrieb

Hier, das Bild ist aus der Zeitschrift STERN: "Im Klubhaus der Kugellagerfabrik Böhlitz-Ehrenberg bei Leipzig wurde die erste Trauung unter roten Fahnen durchgeführt." Die hatten mal drauf: Du sollst nicht in der Kirche heiraten, sondern im Betrieb. Wir waren der erste, wo die sozialistische Hochzeit gemacht wurde. Hier sitz ich, alle mussten hin, einer hält'ne Rede, die Kampfgruppe steht da. Ich fing in der Kullerbude an als Kontrollfacharbeiter, würde man's heute bezeichnen. Nach acht Jahren war ich Gütekontrollleiter. In der Betriebsleitung bin ich bis 1990 geblieben, also 31 Jahre, in verschiednen Funktionen. Ich war Direktor für Wissenschaft und Technik, kam der Generaldirektor: Es klappt überhaupt nicht bei euch, du musst wieder Produktionsdirektor machen. Nein, hab ich gesagt, mir gefällt das gut, Wissenschaft und Technik, ich hab mich eingearbeitet. Hat er gesagt: Wenn du nicht Produktionsdirektor machst, dann lass ich alles überprüfen, wir finden bestimmt was. Buff, war ich wieder Produktionsdirektor. Ich hätte es drauf ankommen lassen können, aber mein Betriebsdirektor hat immer gesagt: Man soll nie einen Wassereimer nach oben ausschütten.

Günter Anton, ab 1952 im Betrieb

Nach meiner Schlosserlehre in der Baumwollspinnerei habe ich 1952 als Hilfsarbeiter in der Kul

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