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Gabriele Münter Eine Biografie von Brauchitsch, Boris von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.10.2017
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Gabriele Münter

Gabriele Münter, Tochter deutsch-amerikanischer Auswanderer, Lebensgefährtin des russischen Malers Wassily Kandinsky, unterwegs in Tunis und Italien, wohnhaft in Paris und Stockholm, ist ein frühes und herausragendes Beispiel einer selbstbestimmten und weltoffenen Künstlerin. In ihrem Haus in Murnau gab sie dem Blauen Reiter eine Heimat, ging gegen alle Widerstände des Kunstmarkts ihren ganz eigenen künstlerischen Weg in den Expressionismus und sah sich gefeiert, vergessen und wiederentdeckt. Kompakt und differenziert zugleich schildert Boris von Brauchitsch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für eine Künstlerinnen-Karriere um 1900, die kreative Selbstbehauptung Münters an der Seite Kandinskys, die Intrigen der Künstlerkollegen, die emotionalen Höhen und Abgründe sowie die Einsamkeit, der sie immer wieder Bilder entgegensetzt, die Vitalität und Melancholie gleichermaßen zum Ausdruck bringen. Boris von Brauchitsch, geboren 1963 in Aachen, studierte Kunstgeschichte in Frankfurt, Bonn und Berlin und promovierte über Fotografiegeschichte. In seinen prägnanten Biographien herausragender Künstlerpersönlichkeiten ( Caravaggio, Michelangelo, Gabriele Münter u.a.) und legt in seinen Schriften besonderes Augenmerk auf die Geschichte der Fotografie und der klassischen Moderne. Er arbeitet als Kurator, Autor und Fotograf und lebt in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 174
    Erscheinungsdatum: 23.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458752325
    Verlag: Insel Verlag
    Größe: 32515 kBytes
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Gabriele Münter

Stationen der Kindheit und Jugend
VON BERLIN NACH DÜSSELDORF

Am 19. Februar 1877, die Einwohnerzahl des wild wuchernden Berlins überschritt gerade die Millionengrenze, wurde Gabriele Münter geboren. Die Adresse der Beletage Unter den Linden 58 war repräsentativ und entsprach dem amerikanischen Traum ihres Vaters Carl Friedrich Münter, den er einst in New York begonnen hatte zu träumen und den er in Deutschland zu vollenden suchte. Im Berliner Adressbuch zuletzt als "Amerikanischer Dentist und Hof-Zahnarzt" eingetragen, war der Westfale Münter, 1826 geboren, als 23-Jähriger zusammen mit einem Freund nach Amerika ausgewandert, wohl auch, um als liberaler Geist, der sich in den Jahren der deutschen Revolution von 1848 verfolgt sah, seine Ideale in der Ferne leben zu können.

Glaubt man den Aufzeichnungen von Münters späterem Lebensgefährten, dem Kunsthistoriker und Philosophen Johannes Eichner, so hat die Emigration nicht ganz freiwillig stattgefunden. Der Überschwang seiner Freiheitsrhetorik soll dazu geführt haben, dass Carl Friedrichs Vater, seinerseits Steuerbeamter in den Diensten des Königs, den aus der Art geschlagenen Sohn mittellos in Richtung Vereinigte Staaten einschiffte. 2

Dort begann er nach der Landung in New York als Krämer in Quincy (Illinois), einem Städtchen, dessen Architektur im South Side District - wegen der zahlreichen dort gehaltenen Kälber auch Calftown genannt - bis heute von den deutschen Einwanderern zeugt. Die Hälfte der ansässigen Jakobi-Gemeinde bestand um 1850 wiederum aus ehemaligen Herfordern. 1852 heiratete Carl Friedrich Münter in der lutherischen St. James Church Mary Lucinde Richardson, eine junge Witwe, die ihn wiederum bald zum Witwer machte.

Den Grundstein für einen sozialen Aufstieg legte schließlich ein Studium am Dental College von Cincinnati, nach dessen Abschluss er eine zweite Ehe einging. An der Seite von Wilhelmine "Minna" Scheuber, der robusten Tochter eines ebenfalls in die USA ausgewanderten Schreiners und Holzhändlers, lebte Carl Friedrich Münter ab 1857 in verschiedenen Orten Tennessees, in Jackson, in Nashville und schließlich im Städtchen Savannah, wo das Paar einen Drugstore mit angeschlossener Zahnarztpraxis führte.

Inwieweit das Leben in einem Staat mit 270 000 Leibeigenen und in einer Gemeinde mit weniger als 500 Einwohnern mit seinem Freiheitsgeist in Einklang zu bringen war, lässt sich schwer sagen, er selbst hatte aber offenbar keine Hemmungen, seinerseits in Haus und Praxis "Negersklaven" zu beschäftigen. Dennoch, so merkte Gabriele Münter in späten Erinnerungen an, begegnete man den deutschen Emigranten mit Skepsis. Schon weil sie als Kaufleute, anders als die Plantagenbesitzer, nicht so dringend auf billige Arbeitskräfte angewiesen waren und sich auch deshalb Vorbehalte gegen die Sklaverei leisteten. "Die meisten waren außerdem als politische Flüchtlinge, die an die Menschenrechte glaubten, in die Staaten gekommen. Sie erregten bei den Nachbarn den Argwohn, auf Seiten der Gegner der Sklaverei, das heißt der Nordstaaten, zu stehen." 3

Carl Friedrich Münter konnte während seiner amerikanischen Jahre beobachten, wie der Nord-Süd-Konflikt eskalierte, wie nicht nur die Frage der Sklaverei, sondern vor allem die gegensätzlichen Vorstellungen von der Souveränität der Einzelstaaten gegenüber dem Bund immer mehr polarisierten und 1861 zum Sezessionskrieg führten. Als der Krieg im April des folgenden Jahres auch nach Savannah kam und die Schlacht von Shiloh direkt vor seiner Haustür ausgetragen wurde, mögen sich die Zweifel erhärtet haben. Spätestens mit dem Gedanken an die Zukunft seiner noch ungeborenen Kinder sah er im Jahr darauf endgültig den Zeitpunkt gekommen, den Vereinigten Staaten wieder den Rücken zu kehren. Ab 1864 war er in Berlin registriert, und während der kommenden 13 Jahre kamen hier seine vier Kinder zur Welt: August (186

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