text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Blumen für ein Chamäleon Erlebnisse eines transsexuellen Models von Réon, Valeska (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2012
  • Verlag: Männerschwarm
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Blumen für ein Chamäleon

Viktor wünscht sich nichts sehnlicher als ein Mädchen zu sein, das weiß er schon als kleines Kind. Doch der Weg dahin ist steinig. Der Vater: ein von Männlichkeit besessener Berufssoldat. Die Mutter: ein schwacher Charakter. Die einzige verlässliche Stütze ist die resolute Tante Christa. Sie nimmt sie unter ihre Fittiche, gibt ihr ein verständnisvolles Zuhause, verschafft ihr eine Lehrstelle als Friseurin und stärkt ihr den Rücken, als sie zufällig von einem Fotografen entdeckt wird. Schon vor der operativen Verwandlung von Viktor in Valeska startet die junge Frau eine internationale Karriere als Model - und das in einer Zeit, in der transsexuelle Models noch tabu waren, in der sie einen Teil ihrer Identität bei ihre Agentur, bei Kunden und unter den KollegInnen um jeden Preis verstecken musste. Ihr Bild war in großen Modezeitschriften wie ELLE oder VOGUE, ihr Gesicht ist verbunden mit Werbekampagnen wie der zu 'Ivoire de Balmain', auf den Prêt-à-porter-Schauen führte sie vor und nach ihrer Operation die Mode von Gaultier, Mugler, Lagerfeld, Chanel, Dior, Kenzo und Claude Montana vor - die Liste ließe sich verlängern: eine weitaus bessere Therapie als die Besuche bei diversen Psychologen. Valeska Réon erzählt ihre Geschichte mit viel Dramatik, aber auch immer mit einem Augenzwinkern. Sie arbeitet gekonnt die Pointen heraus: Wie reagiert die bildhübsche Frau, die sich die primären Geschlechtsorgane eines Mannes mit Heftpflaster 'wegklebt', auf die Annäherungsversuche von Männern - vor allem, wenn sie diese auch noch attraktiv findet? Was soll sie tun, wenn sie einen Job in New York angeboten bekommt? Spätestens beim Bestellen der Flugtickets würde auffallen, dass sie eigentlich Viktor heißt. Was ist beispielsweise zu tun, wenn sie - biologisch noch immer ein Mann - plötzlich für Dessous werben soll? Der eingeweihte Fotograf arbeitet geschickt mit Licht und Schatten. Licht und Schatten fallen auch auf das Thema Nr. 1: die Männer! Sie hat es gehasst, selbst ein Mann zu sein, aber sie liebt sie als Frau. Aber kann sie die Männer letztendlich auch wirklich ernst nehmen? In ihrem autobiografisch angelehnten, hier und da aber auch etwas 'freien' Roman beschreibt Valeska Réon jedoch nicht nur die Vielfalt des Lebens und das Verwirrspiel der Geschlechter, sondern vor allem die Tatsache, dass wir Geschöpfe sind, die geliebt und geachtet werden wollen. Ein weises und anrührendes Buch über die Natur des Menschen in all seiner Verletzlichkeit und Stärke.

Valeska Réon wurde in Liège (Belgien) geboren und wuchs bei Ihrer Tante in Düsseldorf auf. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Visagistin, um danach die Seiten zu wechseln: als Model ließ sie sich mehrere Jahre lang von den besten Visagisten der Fashionbranche verschönern. Unter Pseudonym schrieb sie drei Sachbücher / Ratgeber. Vor fünf Jahren gründete sie eine Privatdetektei mit Niederlassungen in Antwerpen, London und Wien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 236
    Erscheinungsdatum: 01.04.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863001131
    Verlag: Männerschwarm
    Größe: 265 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Blumen für ein Chamäleon

GESTOHLENE KINDHEIT
"Niemand ist den Frauen gegenüber
aggressiver als ein Mann,
der sich seiner Männlichkeit
nicht ganz sicher ist."
Simone de Beauvoir
Wo soll man anfangen, ein Leben zu erzählen? In meinem Fall ist sicher bereits die Zeugung erwähnenswert, die sich in einer bitterkalten Dezembernacht auf dem Küchenboden einer dunklen Mietwohnung in Bonn-Duisdorf ereignete. Mein Vater Helmut liebte es von jeher ausgefallen – und brutal. Doch meiner Mutter Gertrud war nach elf Jahren kinderloser Ehe und zwei Fehlgeburten alles recht, um endlich schwanger zu werden. Als junge Frau war sie einmal der Schwarm vieler Männer gewesen, aber die Ehe mit meinem Vater hatte sie mürbe gemacht. Von ihrer einstigen Schönheit war nur noch wenig zu ahnen. Die früher einmal kastanienbraunen Haare hingen in farblosen Strähnen herunter, und ihre elfenhafte Figur wirkte bei knapp einem Meter sechzig Größe nur noch verhärmt. Sie war eine willensschwache Frau, die, typisch für die Zeit, ihren Mann als Familienoberhaupt ansah und seine Entscheidungen akzeptierte. Sie hatte als Schneiderin gearbeitet, wobei sie wirklich hervorragend war und ihre Kreativität ausleben konnte. Doch dann gab sie den Beruf meinem Vater zuliebe auf. Der Umstand, dass sie sogar das kleine Modeatelier ihrer Chefin hätte übernehmen können, gab der Sache zusätzlich einen bitteren Beigeschmack. Mit den Jahren hatte sie ihren Entschluss bereut, aber es schien ihr zu spät für einen Neuanfang, sowohl beruflich als auch privat.
"Es ist ein Junge!", rief die alte Hebamme Frau Kesselhut neun Monate später hocherfreut, ohne dabei zu ahnen, dass ausgerechnet das für viele Jahre meines Lebens wie ein böser Fluch auf mir lasten würde. Als meine Mutter mich an diesem Septembermorgen in ihren Armen hielt, fragte sie sich in ihrer Sehnsucht nach Liebe, ob von nun an alles besser würde, ob dieser Sohn ihre zerrüttete Ehe wohl wieder reparieren könnte? Doch sofort holte die barsche Stimme meines Vaters sie wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. "Viktor soll er heißen", verkündete er voller Stolz, denn für ihn war ich sein ganz persönlicher Sieg, sozusagen auf dem Schlachtfeld des Küchenbodens errungen. Aus seinem Sohn sollte einmal ein ganzer Kerl werden, genau wie er: Sportskanone, Weiberheld, Machomann. Die Tatsache, dass ich ihn in diesem Punkt bitter enttäuschen würde, sollte allen Beteiligten schon sehr bald klar werden, denn seit ich denken kann, wusste ich eines ganz genau: Ich wäre lieber als Mädchen zur Welt gekommen. Irgendetwas war schiefgelaufen bei der Verteilung der X- und Y-Chromosome. In diesem verhassten männlichen Körper fühlte ich mich gefangen wie die Maus in der vielzitierten Falle. Doch was sollte ich tun im Angesicht eines Vaters, der alles, was er sich in den Kopf gesetzt hatte, unerbittlich und ohne Widerrede durchsetzte? Das sollte ich mich von Jahr zu Jahr immer deutlicher fragen müssen. Seiner Karriere bei der Bundeswehr schien damals nichts mehr im Wege zu stehen, mittlerweile war er schon Fähnrich. Oft habe ich mich gefragt, warum er unser Zuhause mit den Exerzierplatz immer verwechselte. Was meine Mutter je an ihm gefunden hat, ist mir bis heute ein Rätsel geblieben. Manchmal denke ich, sie fand ihn schon lange nicht mehr so unwiderstehlich wie zu Beginn, vor allem seitdem sie herausgefunden hatte, dass allzu viele Frauen das ganz anders sahen. Er selbst sah sich als das Glück aller Frauen dieser Welt: ein Meter neunzig groß, blond, breitschultrig und mit einem gewinnenden Lächeln. Meine Mutter jedoch wurde von Jahr zu Jahr kränklicher und zog sich mehr

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen