text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Susan Sontag. Geist und Glamour Biographie von Schreiber, Daniel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.11.2014
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Susan Sontag. Geist und Glamour

'I'm happy when I dance.' Susan Sontag Eine der einflussreichsten Intellektuellen Amerikas, faszinierende Schriftstellerin und Celebrity der Popkultur - Susan Sontag war eine ebenso widersprüchliche wie glamouröse Frau: Sie trat in Filmen von Andy Warhol und Woody Allen auf, wurde von Annie Leibovitz fotografiert, war Werbegesicht der Wodka-Marke Absolut - und zugleich eine der bedeutendsten Stimmen ihrer Zeit. 'Die beste Einführung in ihr Leben und Werk.' Süddeutsche Zeitung 'Eine faszinierende Beschreibung des intellektuellen New York.' Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Daniel Schreiber, Kunstkritiker, Essayist und Übersetzer, hat in Berlin und New York studiert. Sein Buch "Susan Sontag. Geist und Glamour" war die erste Biografie über die bekannte amerikanische Intellektuelle und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Er ist Autor der hochgelobten Essaybände 'Nüchtern. Über das Trinken und das Glück' und "Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen". Schreiber lebt in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 342
    Erscheinungsdatum: 20.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841208682
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Größe: 4282 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Susan Sontag. Geist und Glamour

Erinnerungen an eine sogenannte Kindheit
(1933-1944)

Es ist gerade die Distanz zu meinen Ursprüngen, die mir gefällt. Ich habe nichts, wohin ich zurückkehren könnte. 6

Erinnerungen sind fragil. Besonders die an unsere Kindheit. Nicht nur fehlt es den blanken und mit zunehmendem Abstand verblassenden Fakten des Wer, Wann und Wo an Aussagekraft. Es ist das Wesen jeder Kindheit, dass sie immer nur als eine Ansammlung von Erinnerungen existiert, deren Status ungewiss ist. Wir durchleben die Zeitspanne zwischen drittem und zwölftem Lebensjahr, ohne uns ihrer besonders bewusst zu sein. Ein Nachmittag scheint sich unendlich in die Länge zu ziehen. Ein Tag erscheint in tief empfundenen Momenten des Überschwangs, der Kränkung oder des In-Sich-Versunkenseins wie eine Ewigkeit. Jede Erinnerung kann nur eine Annäherung an die wahren Ereignisse sein. Sie ist von den Erzählungen unserer Eltern, Geschwister und Verwandten geprägt, oder sie nimmt die Form eines Fotos an. Erinnerungen werden im Lichte aktueller Ereignisse neu bewertet oder infolge einer Psychotherapie uminterpretiert. Manchmal können wir uns nicht einmal wirklich sicher sein, ob es sich bei ihnen nicht um impulsive Erfindungen handelt. Unsere Erinnerungen sind selektiv. Wir schneiden sie auf einzelne Momente, Botschaften oder Bilder zurecht. Und wenn wir diese preisgeben, dienen sie, ob wir es wollen oder nicht, immer auch den trügerischen Prozessen der Selbstinszenierung.

Die Kindheitserinnerungen von Susan Sontag, die in ihren Essays "On Photography" (1977) und "Where the Stress Falls" (2001) viele dieser Gedächtnismechanismen mit rigoroser Schärfe analysiert hat, sind überraschenderweise ein besonders unsicheres Feld. Was an Sontags Anmerkungen über ihre Kindheit heraussticht, sind bestimmte Szenen, mit Bedacht ausgeleuchtete Vignetten, die mitunter wirken, als stammten sie aus dem leicht vergilbten Fotoalbum eines altklugen, von Büchern berauschten Mädchens.

Sontag war zeitlebens stark auf ihre Privatsphäre und die Kontrolle ihres öffentlichen Images bedacht. Es ist also schwer, hinter die Bilder zu schauen, die Sontag selbst von ihrer Kindheit entwarf. Erst die Inkonsistenzen, die sich in ihre Angaben über diese Zeit einschlichen, und die Episoden, die sie später ihren Freunden preisgab, eröffnen den Blick auf das Leben eines isolierten und überdurchschnittlich begabten Mädchens, das von seiner allein erziehenden, alkoholkranken und emotional unzugänglichen Mutter vernachlässigt wurde.

Erst nach ihrem vierzigsten und verstärkt nach ihrem sechzigsten Geburtstag machte die Schriftstellerin auf vorsichtig inszenierte Weise Teile ihrer Kindheitserinnerungen öffentlich. Im Zentrum ihrer autobiographischen Erzählung "Project of a Trip to China" (1973) stehen die Suche nach ihrem früh verstorbenen Vater und ihre Faszination für das Land im Fernen Osten, welches für Sontag unauslöschlich mit ihm verbunden ist. Im Ton einer Beichte dagegen berichtet sie im bisher noch nicht ins Deutsche übersetzten "Pilgrimage" (1987) von ihrer Audienz beim Exilanten Thomas Mann in den Pacific Palisades von Los Angeles. Die Details in beiden Geschichten sind authentisch, wie unter anderem Sontags Sohn David Rieff bezeugt - inzwischen ein bekannter amerikanischer Journalist und Autor politischer Sachbücher, der für die New York Times , die Los Angeles Times oder die Washington Post über die Konflikte im ehemaligen Jugoslawien, im Irak und in Südamerika berichtet hat. 7

Sontags vereinzelte Selbstaussagen über ihre Familie und Kindheit in Zeitungsinterviews und Portraits in den 1970er und 1980er Jahren weichen Anfang der 1990er Jahre bereitwilligen Reminiszenzen, die sie mit Journalisten teilt, wenn sie sie in ihrer lichtdurchfluteten Wohnung im New Yorker Stadtteil Chelsea empfing. In der Rolle der Portraitierten schien sich Sontag wohl zu fühlen und ließ ihren Erinnerungen oft freien Lau

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen