text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

'Ich will unsterblich werden!' Friederike Beer-Monti und ihre Maler von Greiner, Margret (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.09.2019
  • Verlag: Verlag Kremayr & Scheriau
eBook (ePUB)
16,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

'Ich will unsterblich werden!'

Friederike Maria Beer (1891-1980): Wie ein Wirbelwind trifft sie auf die Wiener Künstlerszene der 1920er Jahre. Die Tochter der Besitzerin der berühmten Kaiserbar nimmt Schauspielunterricht, wird zum lebenden Modell für die Kleider der 'Wiener Werkstätte'. 'Fritzi' verliebt sich in den Industriellensohn und Maler Hans Böhler, mit dem sie eine lebenslange innige Freundschaft und Arbeitsbeziehung verbindet. Ihm steht sie als Siebzehnjährige Modell für sein Bild 'Stehender weiblicher Akt'. In den Jahren 1914 und 1916 malen Egon Schiele und Gustav Klimt Porträts von ihr, ein geplantes Bild Kokoschkas fällt den Kriegsereignissen zum Opfer. Ihr Herz jedoch erobert der italienische Kapitän Emanuele Monti - ihm folgt sie auf die Insel Procida im Golf von Neapel. Doch schnell ist das Eiland zu eng für die junge Frau, die Ehe scheitert. Die Begegnung mit dem amerikanischen Studenten Hugh Stix verändert ihr Leben: Mitte der 1930er Jahre wandert Federica nach New York aus. Dort leitet sie bis 1962 die von Stix gegründete 'Artists' Gallery', die u.a. Willem de Kooning, Louise Nevelson, Ad Reinhardt entdeckt und fördert. Und nicht nur das - als Galeristin hilft Beer-Monti österreichischen Künstlern wie Max Oppenheimer, auf der Flucht vor den Nazis in die USA zu emigrieren. Margret Greiner folgt mit Verve den Lebenslinien einer emanzipierten, selbstbewussten Frau auf ihrem Weg vom lebensfrohen Künstler-Groupie zur international angesehenen Galeristin und Förderin avantgardistischer Kunst - eingebettet in die großen Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Margret Greiner; Studium der Germanistik und Geschichte an den Universitäten Freiburg/Brsg. und München. Viele Jahre Unterrichtstätigkeit in den Fächern Deutsch, Geschichte, Theater und Ethik an deutschen Schulen, am Schmidt's Girls College in Jerusalem und an der Renmin Universität in Beijing. Margret Greiner lebt in München. Romanbiografien über Charlotte Berend-Corinth (2016) und Charlotte Salomon (2017), Sophie Taueber-Arp (2018). Bei K & S erschien 2014 'Auf Freiheit zugeschnitten. Emilie Flöge: Modeschöpferin und Gefährtin Gustav Klimts' (2014) und 'Margaret Stonborough-Wittgenstein. Grande Dame der Wiener Moderne' (2018).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 25.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783218011983
    Verlag: Verlag Kremayr & Scheriau
    Größe: 1088 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

'Ich will unsterblich werden!'

AMOR VINCIT OMNIA

Ihren Vater fragte Friederike nicht, wie er die Mama kennengelernt hatte. Männer erzählten ja ohnehin keine Liebesgeschichten, und schon gar nicht die eigenen. Ihr Vater Emil war freundlich zu jedermann, geschäftstüchtig, großzügig, aber diskret und verschlossen, wenn es um seine persönlichen Angelegenheiten ging. Er hätte wohl belustigt die Brauen gehoben, wenn seine Tochter ihn nach seinem jugendlichen Liebesleben ausgefragt hätte, und sie mit einer ironischen Bemerkung abgefertigt.

Aber ihre Mutter sprach bereitwillig über die Romanze, die in ihren Anfängen alles andere als rosig gewesen war.

Im Prater liefen die Burschen immer den Mädeln nach, das war eine Hetz. Manchmal spendierten sie ihnen eine Limonade, dann setzten sie sich zu ihnen an den Tisch und sangen Wienerlieder. Isabella sang gern, lernte schnell die ihr unbekannten Melodien und Texte. Inzwischen war sie zwanzig Jahre alt, in einem Alter, in dem ihr junge Männer den Hof machten. Sie wimmelte sie ab. Es gefiel ihr keiner.

An einem Sonntag kam ein junger Herr auf der kastaniengesäumten Hauptallee auf sie zu, kümmerte sich nicht darum, dass sie Arm in Arm mit ihren Freundinnen zur Rotunde strebte und fragte: "Würden Sie mit mir ein Stückerl flanieren?" Eigentlich ging sie nie allein mit einem Burschen aus, im Pulk der Mädchen fühlte sie sich sicher. Aber wie durch Zauberhand angerührt, löste sie ihre Arme aus denen der Freundinnen und ging neben dem jungen Herrn her. Er war etwas Besseres, das sah sie sofort, trug einen Anzug mit Weste und Schleife, blankgeputzte Lederschuhe, einen kreisrunden Strohhut. Sie gingen schweigend nebeneinander, umrundeten die Rotunde, die 1873 zur Weltausstellung errichtet worden war. "Die Kuppel ist größer als die des Pantheons in Rom", sagte der junge Herr. Isabella wusste mit dem Wort "Pantheon" nichts anzufangen.

Die Drehorgelspieler auf dem Platz kämpften um Gehör und Schmattes, Kinderköpfe verschwanden hinter weißen Wolken von Zuckerwatte, auf der Bretterbühne verblüfften Feuerfresser und Jongleure mit ihren Kunststücken. Ihr Begleiter führte sie zielstrebig in das nahegelegene Restaurant "Eisvogel", ging mit ihr in die obere Etage, bat den Ober um einen Platz auf dem Balkon, von dem man eine fabelhafte Aussicht auf das Gewurstel und Geschiebe und Gewurl vor der Rotunde hatte. Isabella fühlte sich zunehmend unwohl, falsch angezogen in ihrem dünnen Sommerkleidchen, ohne Hut, ohne gestickte Handschuhe. Aber der junge Mann - wie alt mochte er wohl sein? Zwanzig Jahre? Fünfundzwanzig gar? - wirkte nicht bedrohlich, gut erzogen, zurückhaltend. Er nannte seinen Namen: Emil Beer. Seine Familie sei aus Pressburg zugewandert, sein Vater habe ein Unternehmen aufgebaut, handle mit Tuch und Baumwolle, er, Emil, arbeite im elterlichen Betrieb. Oje, dachte Isabella, ein fesches Mannsbild, ein Kaufmann, vermutlich ein jüdischer, so dunkle Haare und Augen, wie der hat - und ein kleines Dienstmädchen aus dem Salzburgischen, katholisch bis in die Knochen, da passte doch gar nichts.

Sie erzählte nicht viel von sich. Sie arbeite bei einer Herrschaft. Sie singe gern. Sie laufe gern durch Wien, eigentlich laufe sie immer, wenn man sie nicht an einem Sessel festbinde.

"So wie jetzt!", sagte er und lachte. Er bestellte Schnitzel, sie war so aufgeregt, mit Messer und Gabel nichts falsch zu machen, dass sie im Nachhinein nicht sagen konnte, ob es ihr geschmeckt hatte. Am Nachbartisch kämpfte ein Großvater mit zwei Buben, die unaufhörlich ein neues "Kracherl" wollten, Soda mit Himbeersaft.

Am nächsten Sonntag wartete er vor dem "Eisvogel" auf sie. Sie war erleichtert, insgeheim hatte sie gefürchtet, er habe es sich anders überlegt mit der Verabredung. Als der Sommer dem Ende zuging, küsste er sie. Und als die ersten Blätter im Prater von den Bäumen fielen, spr

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.