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Das Leben der Surrealisten Mit zahlreichen Abbildungen von Morris, Desmond (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.04.2020
  • Verlag: Unionsverlag
eBook (ePUB)
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Das Leben der Surrealisten

Der Surrealismus begann als gemeinsame Rebellion gegen all jene Mächte, die die Welt in den Krieg geführt hatten. Ein Aufstand auch gegen verlogene Religion, Demagogie, Prüderie und usurpierte Autoritäten. Wie lebten sie wirklich, diese inzwischen so berühmten Künstlerinnen und Künstler? Desmond Morris, selbst surrealistischer Künstler, kann davon berichten wie kein Zweiter. Er gehörte zu ihrem Kreis und kannte sie alle. Ihre Vorlieben und Macken. Ihre Arbeitsweisen und ihre Geheimnisse. Ihre Freundschaften, Feindschaften, Liebschaften, Frivolitäten und dramatischen Zerwürfnisse. Er porträtiert einsame Wölfe, rebellische Vorkämpferinnen, brillante Exzentriker. Geistreich und unterhaltsam erzählt Desmond Morris von den wirklichen Menschen, die Kunstgeschichte schrieben. Seine zweiunddreißig Lebensbilder der Surrealisten sind selbst Geschichte.

Desmond Morris (*1928) ist surrealistischer Künstler, Verhaltensforscher, Autor, Filmemacher und Publizist. Zum ersten Mal ausgestellt wurden seine Werke 1948, zwei Jahre später stellte er in London gemeinsam mit Joan Miró aus. Er ist zudem einer der bekanntesten Zoologen Englands und hat zahlreiche Weltbestseller zum Verhalten von Mensch und Tier veröffentlicht. Sein erfolgreichstes Buch, Der nackte Affe (1967), wurde weltweit über zwölf Millionen Mal verkauft.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 23.04.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783293310827
    Verlag: Unionsverlag
    Originaltitel: The Lives of the Surrealistes
    Größe: 30853 kBytes
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Das Leben der Surrealisten

Einführung

IN DER GESAMTEN GESCHICHTE gibt es keine Kunstrichtung, der zwei dermaßen unterschiedliche Künstler wie Magritte und Miró angehören. Das hat damit zu tun, dass der Surrealismus zunächst gar keine Kunstbewegung, sondern ein philosophisches Konzept war. Es ging um eine Lebensform - eine Rebellion gegen das Establishment, das der Welt das entsetzliche Völkerschlachten des Ersten Weltkriegs beschert hatte. Wenn die menschliche Gesellschaft auf etwas so Widerwärtiges zulaufen konnte, dann musste sie selbst widerwärtig sein. Die Dadaisten verfielen darauf, dieser Gesellschaft einfach ins Gesicht zu lachen. Ihre obszönen Spötteleien waren so unerhört, dass André Breton, der, in einem Pariser Straßencafé sitzend, über seine Zukunft nachdachte, auf den Gedanken kam, es brauche etwas Ernsthafteres, um die traditionelle bürgerliche Gesellschaft zu bekämpfen. Im Jahr 1924 präsentierte er seine Vorstellungen in Form eines Manifests, das die neue Bewegung, die Surrealismus heißen sollte, erstmals beschrieb. Er wartete sogar mit einer Definition in lexikalischer Form auf:

SURREALISMUS, Subst., m. - Reiner psychischer Automatismus, durch den man mündlich oder schriftlich oder auf jede andere Weise den wirklichen Ablauf des Denkens auszudrücken sucht. Denk-Diktat ohne jede Kontrolle durch die Vernunft, jenseits jeder ästhetischen oder ethischen Überlegung.

Sofort flammten Debatten um diese neue Philosophie auf, und Breton benannte neunzehn Menschen, die durch echte surrealistische Handlungen hervorgetreten waren: Dichter, Denker, Schriftsteller und Essayisten, deren Namen heute so gut wie vergessen sind. Allenfalls Spezialisten würden mit Namen wie Boiffard, Carrive, Delteil, Noll oder Vitrac noch etwas anfangen können. Jenseits der Fachgelehrtenwelt sind ihre Schriften spurlos verschwunden. Und vermutlich wäre es auch für die Surrealisten nicht anders gekommen, wenn es nach einem von ihnen gegangen wäre. Pierre Naville schrieb nämlich: »Meister, Meistergauner, schmiert eure Leinwand voll. Jeder weiß doch, dass es kein surrealistisches Gemälde gibt.« Für Naville hatten die darstellenden Künste in der surrealistischen Welt nichts verloren. Hätte sich seine Ansicht durchgesetzt, der Surrealismus wäre vielleicht ein paar Jahre als esoterische, philosophierende Literatengruppe durch Paris gegeistert und dann bald wieder verschwunden.

Zu Bretons Glück hatte Naville eins übersehen. Zur Dada-Bewegung, aus der der Surrealismus hervorgegangen war, gehörten mehrere visuell Hochbegabte wie zum Beispiel Max Ernst, Marcel Duchamp, Francis Picabia, Man Ray und Jean Arp. Sie fühlten sich angezogen von der vielversprechenden neuen Bewegung des Surrealismus, und sie brachten Bildideen mit, die sich nicht ignorieren ließen. Naville flog raus, und Breton übernahm das alleinige Kommando. 1928 stellte er die Sache klar, indem er ein Buch mit dem Titel (Der Surrealismus und die Malerei) veröffentlichte. Die Künstler gehörten dazu.

Die Künstler verschafften Breton zwei entscheidende Vorteile. Sie konnten große Ausstellungen inszenieren, die sich in große surrealistische Ereignisse verwandeln ließen, und sie waren in jeder Sprache zu verstehen. Die bildenden Künste im Surrealismus waren spektakulär und gleichzeitig international. Je mehr Zeit verging, desto mehr begann der Schwanz mit dem Hund zu wedeln. In der allgemeinen Wahrnehmung wurde aus dem Surrealismus eine ausschließlich künstlerische Bewegung, während seine literarischen Anfänge so gut wie vergessen waren. Seine größten Schausteller wurden auf der ganzen Welt berühmt.

Das erklärt auch, warum man so unterschiedliche Künstler wie Magritte und Miró unter der Rubrik Surrealismus zusammenfassen kann. Sie folgten, anders als die Impressionisten oder die Kubisten, keiner festgelegten visuellen Sprache. Vielmehr gehorchten sie der wichtigsten Regel der surrealistischen Philosophie -

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