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Lebens/Bilder

  • Erscheinungsdatum: 06.09.2016
  • Verlag: Books on Demand
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Lebens/Bilder

Die Publikation "Lebens/Bilder" ist der Verflechtung von autobiographischen Schreibweisen mit Bildern der Kunst und anderer Medien gewidmet. Im Austausch verschiedener Fachdisziplinen wird die Tragweite der Thematik "Lebens/Bilder" erprobt.

Produktinformationen

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Lebens/Bilder

Das Gleiten, das glissement ergreift hier alles: ebenso das stille Eindringen des Wassers wie die Wahrnehmungsweise der Überschwemmungsbilder durch die Leser. Vor allem aber praktiziert der Text selbst ein ständiges Gleiten, das die Leser der Mythologie von den vorgegebenen Stadt-, Quartiers- oder Hausstrukturen über die lebendigen Dinge zu einer veränderten Lebenspraxis (der Bewohner) führt ( Abb. 5 ). Die lange Kulturgeschichte menschlicher Schifffahrt öffnet sich auf veränderte LebensBilder, in denen sich Familien in geradezu indigen anmutenden Kanus auf Versorgungsfahrten, also gleichsam auf die Jagd begeben und so das Gleiten über das Wasser zu einem quasi natürlichen Bestandteil ihres alltäglichen Lebens machen ( Abb. 6 ). Unter den aktuellen erscheinen andere, archaische Lebensformen, unter den Pressebildern andere Bilder, die Bilder eines anderen Wissens vom Leben sind.

Auch mit seinem am Ende des Textes vorgenommenen Rückgriff auf die Arche Noah entfaltet Roland Barthes eine Vielzahl menschheitsgeschichtlicher Momente, die hier aus ihrer chronologischen Abfolge herausgelöst und vergleichzeitigt werden. Bei dieser Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen aber bleibt die Barthes'sche Mythologie nicht stehen, sondern mündet ein in eine Engführung der Geschichte der Menschen und der Geschichte der Natur. Es kommt zwar fraglos nicht zu jenem Kollaps von Menschheitsgeschichte und Naturgeschichte, den Dipesh Chakrabarty in einer anregenden Untersuchung mit Blick auf den Ausgang des 20. Jahrhunderts in seinen vier Thesen zu The Climate of History herausgearbeitet hat. 23 Doch müssen sich die Überlegungen von Roland Barthes nicht auf die Erhebung neuester Klimadaten stützen, um nicht nur intellektuell verstehbar, sondern sinnlich erlebbar zu machen, wie irreführend es ist, Menschheitsgeschichte und Naturgeschichte klar voneinander zu scheiden. Denn in Barthes' gleitenden Bewegungen zwischen Natur und Kultur wird deutlich, dass Natur in ihrer Mediatisierung Kultur und damit Politik ist, ja dass die Überschwemmung von Paris, dessen emblematisches Schiff im Wappen auf dem Wasser schwimmt und niemals untergeht, im höchsten Maße Politik ist. Eine Politik, wie sie in der Menschheitsgeschichte gespeichert ist, und eine Politik, die ihrerseits den Mythos bemüht, um das Ereignis der Überschwemmung selbst wie auch ihr eigenes Tun als natürlich auszugeben. Paris wurde nicht überschwemmt: Bereits im Titel wird diese Einsicht durch das Spiel mit dem Fluctuat nec mergitur , das einem französischen Lesepublikum selbstverständlich bekannt ist, markiert.

Die Geschichte des Menschen ist nicht von der Geschichte der Natur zu trennen. Dies gilt gewiss aber auch umgekehrt. Wenn Chakrabarty in seiner erwähnten Untersuchung mit guten Gründen auf die Tatsache aufmerksam macht, dass wir im Schatten des Anthropozäns, also eines von den Werken und Wirkungen des Menschen geprägten geologischen Zeitalters, heute aufgefordert, ja gezwungen sind, die Globalgeschichten des Kapitals mit der Geschichte der menschlichen Spezies in Verbindung zu bringen, dann wird damit zweifellos eine wichtige Historisierung dieses Prozesses im Zeichen einer dramatischen Zuspitzung eben dieses Verhältnisses vorgenommen. 24

Dies enthebt aber nicht der Verpflichtung, die Natur schon immer in ihrer Wahrnehmung durch den Menschen als Kultur zu verstehen und zugleich zu begreifen, dass mit der Naturalisierung der Natur Politik gemacht wird. Denn wenn wir verstehen wollen, in welcher komplexen Relation die "recorded history", also die im Verlauf der zurückliegenden vier oder fünf Jahrtausende aufgezeichnete Geschichte, mit der "deep history", also mit der gesamten Menschheitsgeschichte vor der Erfindung des Ackerbaus, steht, ist es unabdingbar, die jahrtausendealte Präsenz der Mythen in der Gegenwart so zu befragen, dass sie immer wieder neue Aspekte des Lebens und ZusammenLebens freigeben und beleuchten, ja erlebba

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