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Bin Ich ein Anderer? Die Krise der männlichen Identität in 'Fight Club' und 'Shutter Island' von Müller, Sarah (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.02.2014
  • Verlag: GRIN Verlag
eBook (ePUB)
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Bin Ich ein Anderer? Die Krise der männlichen Identität in 'Fight Club' und 'Shutter Island'

Magisterarbeit aus dem Jahr 2013 im Fachbereich Filmwissenschaft, Note: 2.0, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft), Sprache: Deutsch, Abstract: 'Film als Spiegel gesellschaftlicher Zustände und Wunschvorstellungen, aber auch kollektiver Ängste: Die Deutung solcher Phänomene gelingt häufig nur mit tiefenpsychologischen Mitteln.' Shutter Island und Fight Club sind Paradebeispiele für schwierige Identitäten. Obgleich sie nicht derselben Thematik entsprechen, folgen die Filme doch ähnlichen Mustern. Der Rezipient gibt sich der Illusion der jeweiligen Identität hin, bis diese völlig überraschend enttarnt wird. Diese Arbeit möchte sich deshalb vor allem mit der Frage nach Konstruktion und Destruktion von Identität in den hier behandelten Filmen beschäftigen. Da es allerdings im Rahmen der Untersuchung nicht möglich ist, alle Aspekte der Psychoanalyse zu betrachten, bezieht sich die Arbeit auf drei entscheidende Gesichtspunkte. Im Zentrum des Interesses steht dabei der abgespaltene Teil des Ichs, welcher von dem Psychoanalytiker Otto Rank erstmals aufgegriffen und als Doppelgänger beschrieben wurde. Er geht damit auf die Doppelgängerdarstellung seines Mentors Sigmund Freud ein, welcher den Doppelgänger als Versicherung des Ichs versteht. Der Wissenschaftler Jacques Lacan führt diese Beobachtungen noch weiter aus. Es stellt sich heraus, dass sich das gespaltene Subjekt hervorragend für filmtheoretische Beobachtungen eignet. Lacan legt den Fokus dabei besonders auf das von ihm untersuchte Spiegelstadium. Aufgrund der Gedankenspiele, die die Filme mit ihren Zuschauern spielen, wird die Wendung innerhalb der filmischen Realität erst ersichtlich, nachdem die Protagonisten sich nicht mehr aus ihrem Dilemma befreien können. Doch weshalb ist dies für den Rezipienten so schwierig zu erkennen?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 95
    Erscheinungsdatum: 26.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783656603238
    Verlag: GRIN Verlag
    Serie: Akademische Schriftenreihe Bd.V269580
    Größe: 324kBytes
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Bin Ich ein Anderer? Die Krise der männlichen Identität in 'Fight Club' und 'Shutter Island'

2. Where is my mind?

Filme werden häufig dazu genutzt, gesellschaftliche Zustände, Wunschvorstellungen sowie kollektive Ängste zu veranschaulichen. Der Film und die Gedankenspiele, die uns unaufhaltsam beschäftigen, dienen als Spiegel jener Ängste. Die Auslegung derartiger Erscheinungen gelingt häufig jedoch nur mit tiefenpsychologischen Mitteln. Der Psychoanalytiker Sigmund Freud führte die Ansicht an, dass alle menschlichen Handlungen, inbegriffen die Kunst des Films, unbewusste Kräfte zum Ausdruck bringen. Um jene unbewussten Kräfte verstehen zu können, sollen hier einige Ansätze der Psychoanalyse näher beleuchtet werden.

2.1. Otto Ranks Doppelgänger

Der Psychoanalytiker Otto Rank, ein Schüler Sigmund Freuds, maß dem Zusammenhang zwischen dem Medium Film und der Psychoanalyse bereits sehr früh Aufmerksamkeit bei. Sein Mentor hatte dem Film bisher recht kritisch gegenübergestanden und schien nicht in der Lage zu sein das Potenzial für psychoanalytische Studien zu erkennen. Im Jahr 1914 machte Rank die Studie des Doppelgängers zum Mittelpunkt seiner psychoanalytischen Untersuchungen. Anstoß seines Interesses war die Verfilmung Der Student von Prag [3] (Deutschland 1913). Der Psychoanalytiker interessierte sich hier vor allem für das Motiv des Spiegelbildes im Film, stellte es doch auf eigentümliche Weise einen Doppelgänger des Protagonisten Balduin dar.

"Ein dunkles, aber unausweichliches Gefühl, das sich des Zuschauers bemächtigt, scheint uns zu verraten, daß hier tiefe menschliche Probleme berührt werden und die Besonderheit der Kinotechnik, seelisches Geschehen bildlich zu veranschaulichen, macht uns mit übertriebener Deutlichkeit darauf aufmerksam, daß es das interessante und bedeutsame Problem des Verhältnisses des Menschen zu seinem Ich ist, welches uns in seiner Störung als Schicksal des Individuums versinnbildlicht wird." [4]

Rank war fasziniert von Darstellungen aus der Romantik, welche Spiegelbilder und Schatten als losgelöste Doppelgänger zeigen. Diese werden zu einem eigenständigen Teil, spalten sich vom Ich ab, lehnen sich gegen dieses auf und bekämpfen es sogar teilweise. Laut Rank bedeutet dies, dass sich der abgespaltene Doppelgänger zu einem bestimmten Zeitpunkt, durch einen bestimmten Auslöser, dem Vorbild widersetzt. Als Grund dafür führt er an, dass jeder Mensch mit seiner Vergangenheit unausweichlich verbunden ist. Sollte das Individuum versuchen sich von ihr zu lösen, hat das, so Rank, fatale Folgen. Der Auslöser wird häufig mit der emotionalen Bindung zum weiblichen Geschlecht gleichgesetzt, woraufhin der Protagonist meist in Paranoia oder Verfolgungswahn verfallt. Laut Rank kann der vermeintliche Doppelgänger nur aufgehalten werden, indem er sich auf brutale Art und Weise selbst vernichtet. "Der Impuls, sich von dem unheimlichen Gegenspieler auf gewaltsame Weise zu befreien, gehört [...] zu den wesentlichen Zügen des Motivs und wo dem Impuls nachgegeben wird, [...] da zeigt es sich deutlich, daß das Leben des Doppelgängers mit dem der Person selbst aufs engste verknüpft ist." [5] Das Resultat ist deshalb meist der unausweichliche Suizid des Ichs. Da diese Muster in unterschiedlichsten Werken wiederzufinden sind, geht der Psychoanalytiker im Folgenden der Frage nach, ob sich hier eine Art Erlebnisbericht der entsprechenden Autoren nachzeichnen lässt. Bei näherer Betrachtung der jeweiligen Biographien verweist er auf analoge Pathologien. "Rank ist jedoch bewusst [...], dass die pathologischen Züge der Autoren noch nicht die typisch wiederkehrenden Muster bei der Gestaltung des Doppelgängermotivs ausreichend erklären. Das Interesse eines pathologisch weniger geprägten Publikums wäre kaum nachvollziehbar." [6] Sowohl Autor als auch Zuschauer erfahren aber einen enormen Lustgewinn durch die dargestellte Erzählung.

"Die

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