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Die Welt ist Bühne Karlheinz Böhm. Die Biographie von Krenn, Günter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.02.2018
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Die Welt ist Bühne

"Ohne 'Sissi' wäre mein ganzes Leben sicher anders verlaufen. Ich verdanke den Filmen vor allem eines: meine große Bekanntheit.". Berühmt und von den Frauen vergöttert wurde er als Kaiser Franz in der Filmtrilogie Sissi an der Seite von Romy Schneider. In den Siebzigern entdeckte ihn Rainer Werner Fassbinder und machte ihn zu einem seiner Charakterdarsteller. Heute ist Karlheinz Böhm den meisten als Gründer der Entwicklungshilfe-Organisation Menschen für Menschen bekannt. Günter Krenns eindrückliche Biographie zeigt einen Sohn, der sich aus dem Schatten des berühmten Musikervaters befreien musste, einen facettenreichen Theater- und Filmschauspieler und einen leidenschaftlichen Entwicklungshelfer. "Du musst dich in jeder Sekunde deines Lebens mit der notwendigen Selbstkritik zu allem bekennen, was du gemacht hast. Wenn du das tust, wirst du dich immer nach vorne entwickeln." Rainer Werner Fassbinder zu Karlheinz Böhm. Günter Krenn, geboren 1961, Studium der Philosophie und Theaterwissenschaft an der Universität Wien. Zahlreiche Publikationen zum Film u. a. über Billy Wilder, Louise Brooks und Walter Reisch. Er lebt in Wien. Im Aufbau Taschenbuch sind von ihm "Romy Schneider. Die Biographie" und "Romy & Alain. Eine Amour fou" lieferbar.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 16.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841214867
    Verlag: Aufbau-Verlag
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Die Welt ist Bühne

Zweiter Teil: Der Sohn

Das Nomadenkind

Als Erwachsener wird er erstaunt feststellen, dass er kaum Erinnerungen an seine Kindheit hat. Diese Zeit im Leben von Karlheinz Böhm - in den Geburtsunterlagen aus Darmstadt finden sich außerdem sowohl die Schreibweisen "Karl Heinz" als auch "Karl-Heinz" - scheint verloren. Er wird sich auch nie wirklich auf die Suche danach machen. Immerhin vermag er Bruchstücke davon auf alten Fotografien wiederzufinden, die Bildlegenden dazu kommen fast ausschließlich aus den Erzählungen anderer. Es sind Wahrheiten aus zweiter Hand, wie er sie später in seinem Beruf als Schauspieler selbst auch kreieren wird. Als prägendsten Eindruck seiner Kindheit wird er stets den Vater nennen, für seine Jugend einerseits den Zweiten Weltkrieg und andererseits ungeheure Einsamkeit.

Die erste Fotografie von ihm entsteht am Sonntag, den 18. März 1928, zwei Tage nach seiner Geburt, in der "Darmstädter Privatfrauenklinik und Entbindungsanstalt" in der Riedeselstraße 52. Sie zeigt Thea Böhm im Morgenmantel, mit scheuem Lächeln über ihr Neugeborenes gebeugt. "Ich habe meine Karriere abgebrochen, vorläufig einmal", wird sie später über diese Zeit sagen, "und wir waren in Darmstadt, mein Mann war dort Generalmusikdirektor, es war eine wunderschöne Zeit, er hat dort herrliche Vorstellungen gemacht - und ich hab meinen Karlheinz bekommen. Unseren Sohn [...], von dem ich vom ersten Tag an gewusst habe, dass er Schauspieler wird." 18

Karl Böhm, der am Tag der Geburt seines Sohnes eine Vorstellung von Der Rosenkavalier dirigierte, steht auf dem ersten Bild mit seinem Kind im Hintergrund und wirkt ein wenig verloren in seiner neuen Rolle. Auch auf einer anderen Fotografie aus dem Sommer desselben Jahres, in der Sommerfrische in Velden am Wörthersee in Kärnten, beugt er sich ein wenig hilflos über seinen auf dem Wickeltisch vor ihm liegenden Stammhalter. Der sich ebenfalls auf das Gestell abstützende Großvater Leopold wirkt dagegen deutlich entspannter. Sein Zwicker über der breiten Nase ist derselbe geblieben wie zur Kinderzeit seiner Söhne, sein an den Schläfen korrekt kurz geschnittenes Haar wölbt sich über der Stirn seit seiner Jugend zu einem schwer domestizierbaren gewellten Haarschopf, der eine silberne Färbung angenommen hat. Aufenthalte am Wörthersee, wohin bereits namhafte Musiker wie Johannes Brahms und Gustav Mahler regelmäßig in die Sommerfrische fuhren, gehören zur angenehmen Routine der Familie Böhm, seit Karls Bruder Leopold die Kärntnerin Elsa Mößlacher, die gemeinsam mit ihrer Schwester Ruth Besitzerin des Schlosshotels in Velden am Wörthersee ist, geheiratet hat. Man logiert an einem geschichtsträchtigen Ort. Das um 1600 vom Kärntner Adelsgeschlecht der Khevenhüller erbaute Schloss wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer und wurde ab dem Ende des 19. Jahrhunderts nach mehreren Umbauten zunehmend für den Fremdenverkehr genutzt. Ab den 1950er-Jahren verwendete man es auch für Film- und Fernsehproduktionen, deren populärste von 1990 bis 1992 die TV -Serie Ein Schloß am Wörthersee wurde. In diesem noblen Ambiente treffen sich die Brüder Böhm Ende der 1920er-Jahre samt ihren Familien jeden Sommer, was durch zahlreiche Fotos dokumentiert ist. Auch 1930 sind Karl und Thea mit ihrem Sohn wieder zum Urlaub in Kärnten. Von allen Kindheitszeugnissen sind Karlheinz Böhm die Urlaubsfotos am Wörthersee später am liebsten. Sie bleiben Dokumente unbeschwerten Lebens und einer intakten (Groß-)Familie, in der man zumindest für die Dauer der Ferien füreinander Zeit hat. Ein Bild zeigt den kleinen strohblonden Karlheinz 1930 mit dem für die Zeit typischen Pagenkopf-Haarschnitt, während er mit einem Dreirad hantiert. Seine Kinderzeit ist nicht mit persönlichen, wohl aber fotografischen Erinnerungen belegt. Begriffe wie Heimat oder Zuhause verbindet er später dami

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