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FILM-KONZEPTE 43 - Francois Ozon

  • Erscheinungsdatum: 26.08.2016
  • Verlag: edition text + kritik
eBook (PDF)
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FILM-KONZEPTE 43 - Francois Ozon

In einer großen Tradition französischer Autorenfilmer steht François Ozon heute als einer der wenigen, deren Namen auch einem größeren Kinopublikum hierzulande noch bekannt ist. Dies ist vor allem deshalb erstaunlich, weil Ozon in den letzten 20 Jahren sehr unterschiedliche Filme gemacht hat, sein Name also kaum zur 'Marke' taugt, die einem Publikum im Voraus verspricht, was zu erwarten ist. 'Ein Film von François Ozon', das bezeichnet ein Frühwerk von aufsehenerregenden Kurzfilmen, von bunten Publikumserfolgen wie '8 Frauen' oder 'Swimming Pool', aber auch psychologischen Dramen wie 'Unter dem Sand' oder 'Jung und Schön'. Dieser noch junge und sehr produktive Autor verweist dabei immer wieder auf die große Filmgeschichte seines Landes, ohne dass seine Filme je eine Ehrfurcht vor ihr zu lähmen scheint. Johannes Wende, geb. 1978, studierte Kommunikationswissenschaft und Filmregie in München. Seit 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Medienwissenschaft der HFF München. 2012 hat Wende seine Dissertation über das Thema 'Über den Tod im Spielfilm' abgeschlossen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 105
    Erscheinungsdatum: 26.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783869165127
    Verlag: edition text + kritik
    Größe: 6041 kBytes
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FILM-KONZEPTE 43 - Francois Ozon

[2 3] Vorwort

Dieses Bild ist nicht subtil: Sieben Frauen beugen sich dicht gedrängt über etwas, sehen auf etwas herab, das selbst nicht gezeigt ist. Faszination, Neugierde, aber auch Furcht steht in ihren gut ausgeleuchteten Gesichtern. Eindeutige Reaktionen sind auf diesen Gesichtern zu lesen, alle sieben halten sie sich auf Distanz zum Objekt ihrer Beobachtung. Sie geben damit auch ein Bild des Kinos, weil dieses Bild sofort Fragen aufwirft: Worauf blicken diese Frauen? Auf eine Leiche? Auf einen Mann? Was erregt sie? Was wird geschehen? Das Titelbild dieses Heftes aus dem Film 8 FEMMES (8 FRAUEN , 2002) zeigt sich als Teil einer Abfolge von Blicken und Blick-Objekten, von Lust und Schrecken, von Aktion und Reaktion. Ein deutliches Kino also, nicht subtil in seiner Kostümwahl, in seinen Farben, nicht in seiner Kameraperspektive. Unter den Protagonistinnen sind mit die bekanntesten Gesichter des französischen Kinos - Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Fanny Ardant oder Emmanuelle Béart. Ihre Stellung direkt nebeneinander und frontal zur Kamera verrät sofort den ordnenden Eingriff einer Bildregie, einer Anordnung hin zur "vierten Wand", wie sie das Theater vorgibt.

Allein in diesem Standbild aus dem bisher größten Erfolgsfilm des französischen Autorenfilmers François Ozon erscheint vieles, was seine Arbeiten prägt: Subtil, im Sinne von differenziert oder zurückhaltend, sind sie eher selten. Sie erscheinen vielmehr selbst-bewusst inszeniert und lassen wenig Raum für psychologische Ambivalenzen. Und doch werden sie immer wieder auch als Herausforderung, als ein prüfender Blick auf das Publikum verstanden. Hier konkret, allein schon wegen der ungewöhnlichen Besetzung, eine Herausforderung des traditionellen männlichen Blicks, der bis heute den Kinofilm dominiert. Denn diese Frauen - verkörpert von ikonischen weiblichen Filmstars, und somit privilegierte und als solche meist einzeln inszenierte Objekte dieses Blicks - blicken hier, versammelt als größere Gruppe, zurück. In geballter Menge werden die Filmfiguren selbst zum Publikum und drehen den Spieß um. Wie es ihnen als "Vergötterte" zukommt, blicken sie nach unten. In der Szene, der dieses Bild entnommen ist, blicken sie auf eine Figur, die gestorben sein könnte, auf den leblosen Körper von Madame Chanel (Firmine Richard). In dieser Werbeaufnahme für den Film stehen sie aber eben auch symbolisch für eine Versammlung von Frauen, die auf das blicken, was komplementär zu ihnen steht. Sie blicken somit auch auf den sprichwörtlichen "kleinen Unterschied", der, anders als im Sprichwort, hier tatsächlich von [3 4] der Perspektive nach unten gesetzt und im Mengenkontrast an Wichtigkeit einbüßt. Sie blicken auf den Mann, von dessen scheinbarem Tod diese Figuren in dramaturgische Bewegung gesetzt werden, und mit ihm auf das System des "Herr des Hauses", dessen plötzliches Fehlen ganz neue Dynamiken freisetzt.

Begehren und Tod ebenso wie der gesellschaftlich aufgeladene Unterschied von Mann und Frau werden in diesem Bild aufgerufen. Es kann als beispielhaft für das filmische Werk Ozons gesehen werden, für seine Filme, die sehr häufig aus diesen komplementären Kräften ihre Energien ziehen. Der Ausgang dieser Konflikte erscheint bei Ozon allerdings ergebnisoffen: Bisweilen schaffen seine weiblichen oder schwulen Figuren, wie die bei Pedro Almodóvar, eine eigene Welt, ein selbstbestimmtes Universum, das die Herrschaft der "alten Männer" herausfordert. Dann stehen sie befreit am offenen Grab des Patriarchen, wie am Ende von SITCOM (1998), haben sich von ihrem weißhaarigen und dominanten Verleger frei geschrieben, wie in SWIMMING POOL (2003), oder sich erfolgreich an einer neuen Definition von "Familie" versucht, wie in UNE NOUVELLE AMIE ( EINE NEUE FREUNDIN , 2014). Andere jedoch sche

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