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Filmgenres: Thriller Reclam Filmgenres

  • Erscheinungsdatum: 08.11.2013
  • Verlag: Reclam Verlag
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Filmgenres: Thriller

In der Reihe der 'Filmgenre'-Bände darf der Thriller natürlich nicht fehlen. Auch wenn Thriller sich aus nichts anderem definieren als aus einer filmischen Grundqualität überhaupt, dem 'thrill', bilden sie ein Genre für sich, leicht unterscheidbar von allen anderen durch eine simple Beobachtung: niemand kann selbst und bewusst zum Helden eines Thrillers werden - ganz anders als im Krimi oder Western -, man fällt einfach unbeabsichtigt hinein in einen fiebrigen hektischen Ausnahmezustand. Das ist das 'Testament des Dr. Mabuse' zugunsten der Filmgeschichte bis heute, bis zu Spike Lees 'Inside Man' oder Polanskis 'Ghostwriter'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 08.11.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159603964
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 3786 kBytes
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Filmgenres: Thriller

Einleitung

"Thrill" (engl.): das Wort bedeutet Nervenkitzel, heftige Erregung, eine emotionale und körperliche Stress-Situation. Ein antiker Philosoph, Lukrez ( Von der Natur der Dinge , II, 1 ff.), glaubte, dass Zuschauer auf einem festen Ufer der Not anderer auf einem Schiff, das beim "tosenden Kampf der Winde auf hochwogigem Meer" dem Untergang nah ist, mit geradezu ›süßer‹ Gewissheit zusehen würden, weil sie selbst gerade nicht in Lebensgefahr schweben. Sie müssten daher nicht viel von ihrer Seelenruhe einbüßen.

Wer jedoch mit Hilfe der Kunst ›natürlichen‹ Thrill erzeugen will, insbesondere im Kino, lässt das Publikum - soweit es geht - an der Angst und Panik der Schiffbrüchigen des Lukrez, sprich: der erfundenen Figuren im Film, in hohem Maß teilhaben. Diese Art des filmischen Erzählens will eben nicht, dass sich die Betrachter gelassen und zigarrenrauchend (wie Bertolt Brecht es für sein episches Theater wünschte) in ihrem Stuhl zurücklehnen, damit sie sich aus kritischer Distanz abschweifende Gedanken machen über das, was da vorne vor sich geht. Der Begriff "Thriller" ist umgangssprachlich mit ›Reißer‹ zu übersetzen. Der banale Ausdruck birgt ein Stück Wahrheit: Der Thriller will hineinreißen in die Aufregungen, die die fiktiven Personen erleben und erleiden, somit auch mitreißen und fortreißen , damit die Zuschauer - der physiologische Vergleich drängt sich auf - nicht zu Atem kommen.

Niemand kann beschließen, Thriller-Held zu werden. Die Reise von Figur (und Zuschauer) ist keinesfalls mit Absicht auf ein Ziel ausgerichtet. Es ist im ersten Moment bares ›Zustoßendes‹, das die Helden aus dem Gleichmaß ihres gewohnten Daseins hinauswirft. Der Alltag der Figuren, das Normale bricht plötzlich zusammen und versetzt die Figuren in eine Lage, die sie nicht beherrschen. Das Böse tritt meist unerwartet ein wie aus heiterem Himmel. Nichts und niemand hat es vorausgesagt: die infame Intrige, den Überfall, den Einbruch (auch den Einbruch in das Gehirn von Personen). Wie treibt man es wieder aus? Auch der Zuschauer verliert Sicherheit und Kontrolle. Gerade darin liegt womöglich ein verborgener Sinn der Thriller-Rezeption. Denn das Handeln der Charaktere im Film kann - im psychischen Haushalt der Betrachter - als eine Form von Probehandeln zur Austreibung realer Ängste verstanden werden, als Abwehr wirklicher Traumatisierung oder als entlastende Ablenkung von den jeweils eigenen, durch das Leben begleitenden Schreckgespenstern.

Die Figuren könnten resignieren und sich in das ergeben, was ihnen geschieht, eine Schuld auf sich nehmen, die sie gar nicht tragen, sich einer Macht ausliefern, die sie zu verschlingen droht, oder in ein Misstrauen allem - und sogar sich selbst - gegenüber eintreten, das sie vollständig isolieren und in Tod oder Wahnsinn münden würde. Doch sie wehren sich. Bis zum Ende agieren sie für den ›mitfiebernden‹ Zuschauer - ihm bieten sie an, in ihre Gefühle der Ohnmacht und der Orientierungslosigkeit einzutauchen und teilzunehmen an ihren manchmal verzweifelten Versuchen, Handlungsmacht zu gewinnen. Sie geben ihm aber gleichzeitig die Chance, mit ihm das Glück zu teilen, auf Helfende zu treffen und am Ende (meistens) die Realitätskontrolle und den verlorenen Alltag wiederzuerlangen.

Ein Thriller ist ein Film, der sich konsequent in die Perspektive des Opfers der Intrige stellt und den Zuschauer nicht über diesen Rahmen hinaus informiert. Spannung , die quälen kann, prägt den Thriller nicht nur von Einstellung zu Einstellung,

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