text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf! Mein Leben von Lechtenbrink, Volker (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.05.2010
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf!

Mit dem Antikriegsfilm Die Brücke wurde Volker Lechtenbrink als Fünfzehnjähriger über Nacht berühmt. Später überzeugte er auch als Sänger, Regisseur und Intendant - und immer wieder auf der Theaterbühne. Den 'Bruder Leichtfuß', wie ihn der Spiegel einmal nannte, retteten manchmal nur eine Portion Glück und geduldige Freunde. Er erzählt von einer herzlichen, chaotischen Patchworkfamilie, von großen Kollegen wie Hildegard Knef und Anthony Quinn, von Freunden wie Peter Maffay und Kris Kristofferson, von Fußball mit Uwe Seeler und Günter Netzer, von der Neigung älterer Männer zu jüngeren Frauen und vom Glück, ganz allein auf einer kleinen Insel zu sein. Volker Lechtenbrink, geboren 1944 in Cranz / Ostpreußen, ist Schauspieler, Sänger, Regisseur und Texter, war zudem Intendant des Hamburger Ernst-Deutsch-Theaters und der Bad Hersfelder Festspiele, deren dreimaliger Preisträger er auch ist. Für seine Lesung von Die Brücke erhielt er den Deutschen Hörbuchpreis 2007, für das Hörbuch Das Feuerschiff von Siegfried Lenz (Hoffmann und Campe, 2008) den Preis der Deutschen Schallplattenkritik.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 11.05.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455500493
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 14726 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf!

3 Wie alles anfing

Ich stand schon als Kind auf der Bühne. Ich war zehn, als ich mit ebenjenem "Hannsi" (Lothar) zum ersten Mal spielte. Das Theater war die Bühne des Thalia Theaters in Hamburg, das Stück Fanny von Marcel Pagnol, und ich spielte Hannsis Sohn. Soweit ich mich erinnern kann, war es eine Familienchronik, zum ersten Mal gespielt um 1930. Es geht um eine südfranzösische Familie und um die Hafenstadt Marseille. In Césars Bar am Kai treffen sich die kleinen Leute, wie man so sagt, und nach und nach erfahren wir ihre Geschichte. Das Stück ist später auch verfilmt worden. Vielleicht ist damals schon meine Liebe zu Südfrankreich geweckt worden, wer weiß. Marius ist der Sohn von César, dem Wirt. Er heiratet Fanny, und dann wird die Familiengeschichte erzählt, alles sehr pittoreske Typen. Ich als Cesario – Sohn des Marius – kriegte eine schwarze Perücke auf, weil alle Südfranzosen gefälligst schwarzhaarig sein müssen – mein erstes Theaterstück mit Perücke. Und mein drittes Theaterstück überhaupt. Mein erstes Theaterstück war Lawalu im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, ein Märchen, und "Lawalu" bedeutete "Land Wasser Luft". Das Ganze fand unter der Regie von Peter Gorski statt, was nur deshalb wichtig ist, weil Gorski der Adoptivsohn von Gustaf Gründgens war – und deshalb saß Gründgens oft bei uns in der Probe. Also kann ich sagen: Ich hab unter den Augen von Gründgens Theater gespielt. Eines Tages hat er mich tatsächlich herangewinkt und gesagt: "Du könntest dir überlegen, ob das nicht ein Beruf für dich sein könnte." Da war ich zehn Jahre alt. Spätestens von da an hab ich es dann schon genau überlegt, aber wenn ich ehrlich bin: Ich hatte es eigentlich von Anfang an überlegt. Ich hab auch nie an einen anderen Beruf gedacht.

Das zweite Stück war Barfuß nach Athen , ein Stück über Sokrates. Den Sokrates spielte der wunderbare Heinz Klevenow, ein Schauspieler, der mich mit seiner irrsinnig tiefen Stimme beeindruckte, und auch da spielte ich wieder einen Sohn – seinen. Meine Erinnerung daran ist mittlerweile etwas verschwommen, aber die Begegnung mit Hannsi verschwamm nicht. Er hatte da schon so eine väterliche Hand auf mich gelegt, vielleicht hat er ja seine Vaterrolle ernst genommen. Von da an verfolgte er meinen Werdegang, und wir haben uns hier und da getroffen und auch zusammen Fernsehen gemacht.

Das ging los, als ich fünfzehn war. Ich erinnere mich an einen dieser frühen Filme: Der schlechte Soldat Smith . Das war 1963, eine Produktion des Südwestrundfunks. Hannsi spielte darin den Smith, und ich hatte irgendeine kleinere Rolle, aber das war nicht wichtig; wichtig war, dass wir gelegentlich beieinander sein konnten und zusammen spielten. Und viel später, als ich wirklich Schauspieler wurde, konnte ich am Morgen nach einer Premiere die Uhr danach stellen: Wenn ich an meinen Briefkasten ging, war ein Telegramm von Hannsi drin, und darin stand zum Beispiel: "Hab dich gestern gesehen – stop – kannst weitermachen", oder: "War gut – stop – könntest du vielleicht auch mal beruflich machen – stop – Dein Hannsi". Da machte ich es aber schon lange beruflich! Das war so seine Art zu flapsen. Es gibt Menschen, die triffst du im Leben und die liebst du einfach, und das war bei uns so.

Dabei war Hanns Lothar eigentlich kein väterlicher Typ, eher ein Hallodri und ein toller Lebemann, aber bei mir hatte er so eine Art fürsorgliche Hand. Ich hegte eine unendliche Bewunderung für ihn, aber nicht aus ehrfürchtiger Distanz

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen