text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Hollywood Justice Selbstjustiz im amerikanischen Film 1915 - 2015 von Vogl, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.03.2016
  • Verlag: Mühlbeyer Filmbuchverlag
eBook (PDF)
14,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Hollywood Justice

Niemand ist mehr sicher. Morde, Diebstahl und Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. Die Polizei ist entweder überfordert oder sieht absichtlich weg. Bis ein anständiger Bürger sagt: 'Es ist genug.' Vigilanten: Sie sind keine bloßen Rächer, sondern vehemente Verfechter von tödlicher Selbsthilfe, die einer gerechten Sache dient. Charles Bronson in 'Death Wish' ('Ein Mann sieht rot'), Clint Eastwood als 'Dirty Harry', Batman und viele andere greifen dort hart durch, wo der Rechtsstaat versagt. Von der Ku Klux Klan-Verherrlichung in 'Birth of a Nation' (1915) bis zum Kampf gegen Mexikos Drogenmafia im Dokumentarfilm 'Cartel Land' (2015) nehmen immer wieder filmische Protagonisten das Recht in die eigene Hand. Ein Jahrhundert Selbstjustiz im amerikanischen Film: 'Hollywood Justice' von Peter Vogl ist die weltweit erste Veröffentlichung, die alle wichtigen (und einige weniger wichtige) Vertreter eines besonderen Genres vereint, eines dominanten und immer wiederkehrenden Mythos der amerikanischen Kultur in Film und Videogame. Das Buch ist Nachschlagewerk, historischer Überblick und Analyse in einem. Eine Enzyklopädie filmischen Faustrechts.

Peter Vogl, Jahrgang 1984, ist Popkultur-Aficionado und wahrscheinlich Österreichs größter Filmfan. Er ist ab und zu als Filmjournalist tätig, hat Drehbücher, Comedy und Videos produziert, und nach einem Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft legt er nun sein erstes Buch vor.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 217
    Erscheinungsdatum: 28.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783945378328
    Verlag: Mühlbeyer Filmbuchverlag
    Größe: 8529 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Hollywood Justice

1. Einleitung

"Es liegt nun einmal in meiner Natur, ich will lieber eine Ungerechtigkeit begehen,als Unordnung ertragen."

Johann Wolfgang von Goethe:
Belagerung von Mainz [1]

Es ist allgemein anerkannt, dass uns Populärkultur etwas über den Zeitgeist, sowie über gesellschaftliche Befindlichkeiten und Normen sagen kann. Actionfilme, Thriller, Krimis, etc. spiegeln außerdem nicht einfach nur den Status quo wieder, sondern beeinflussen die Ansichten der Menschen in Bezug auf Gesetze, Rechtsinstitutionen und Gerechtigkeit. Die meisten Menschen kommen in ihrer Lebenszeit wenig bis gar nicht direkt mit dem Gesetz in Kontakt, und beziehen den Großteil ihres Wissens darüber aus Filmen und Fernsehsendungen. Viele Politiker erkennen die Macht der Populärkultur, so auch die Administration von George W. Bush. Kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 traf sich Karl Rove, der damals senior advisor von Präsident Bush war, mit Führungskräften der Hollywood-Filmindustrie, um zu besprechen, wie man der amerikanischen Öffentlichkeit die geeignete Botschaft über den war on terrorism kommunizieren könne. [2] Da die Themen Selbstjustiz und Vigilantismus in extrem vielen US-amerikanischen Kulturprodukten vorkommen, verdienen sie eine genauere, wissenschaftliche Betrachtung.

Wenn ich in Gesprächen mein Buchprojekt erwähnt habe, sind beim Stichwort "Selbstjustizfilme" meist zwei Filme von meinem Gegenüber genannt worden: "Ah, so wie DEATH WISH ( EIN MANN SIEHT ROT , Michael Winner, 1974) und DIRTY HARRY (Don Siegel, 1971)." DIRTY HARRY hat, wie wir noch sehen werden, den vigilante cop zwar nicht erfunden, ihm aber zu einer beeindruckenden Renaissance und Popularität verholfen. DEATH WISH zählt nicht umsonst, sowohl in den USA als auch außerhalb, als der prototypische Selbstjustizfilm. Wenn es auch vorher bereits etliche vigilante movies gegeben hat, hat sich damals mit dem Erfolg des Films, in dem ein gutsituierter, sanftmütiger Architekt nach der Attacke auf seine Frau und seine Tochter wahllos Straßenräuber erschießt, das Vigilantnarrativ in Hollywood endgültig durchgesetzt.

Selbstjustiz, umgangssprachlich als "das Gesetz in die eigene Hand nehmen" bezeichnet, zieht sich durch die gesamte amerikanische Filmgeschichte. Der Begriff vigilantism , dessen Definitionsversuche ich im nächsten Kapitel ausführe, bedeutet nach gängigen Definitionen so viel wie eine systemstützende oder systemerhaltende, konservative Form von Selbstjustiz. Den Begriff "Vigilantismus" findet man extrem selten in deutschsprachiger Literatur, und auch im Sprachgebrauch scheint er so gut wie nicht zu existieren. Auch wenn er im Deutschen (wenn überhaupt) vor allem in historischen Kontexten gebraucht wird, oder im Zusammenhang mit real existierenden Gruppierungen wie Milizen oder Bürgerwehren, werde ich ihn für dieses Buch verwenden, da der weitaus geläufigere deutsche Begriff "Selbstjustiz" eben kein Äquivalent darstellt.

Filme, die das Rachemotiv zum Inhalt haben, sind zahlreich und bekannt. Das Rachenarrativ wurde innerhalb der Filmwissenschaft auch entsprechend behandelt. Das, was ich in diesem Buch als Vigilantnarrativ bezeichnen werde, ist im Gegensatz dazu sowohl im öffentlichen Bewusstsein als auch im wissenschaftlichen Diskurs kaum vertreten. Das ist auch deshalb überraschend, weil man - je nachdem wie man Vigilantismus definiert - dahingehend argumentieren kann, dass Vigilanten öfter in Filmen auftreten als Rächer. Protagonisten können beide Rollen in einem Film erfüllen. Aber es passiert viel häufiger, dass jemand das Gesetz selbst in die Hand nimmt und illegal handelt, als dass er explizit als Rächer auftritt. So gut wie jeder Rächer ist ein Vigilant, da er das Gewaltmonopol der Staates missachtet, und nur in seltenen Fällen seine

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen