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Im Schatten des Lichts Bekenntnisse einer Tochter aus gutem Hause von Böhm, Sissy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.07.2015
  • Verlag: Seifert Verlag
eBook (ePUB)
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Im Schatten des Lichts

Die schicke Gesellschaft der 1950er und 1960er Jahre mit ihren rauschenden Bällen und ausgelassenen Partys, den Stars und feinen Zirkeln, bildet die Kulisse für diese dramatische Familienchronik, in der Sissy Böhm, älteste Tochter von Karlheinz Böhm, ihre persönliche Geschichte und die ihrer Vorfahren beschreibt.

Sissy Böhm: geb. 1955 in München als Sissy Beatrice Draga Marie-Theres Böhm, Tochter aus der ersten Ehe des Filmschauspielers Karlheinz Böhm mit Elisabeth Ly Zonewa und Enkelin des Dirigenten und langjährigen Direktors der Wiener Staatsoper Karl Böhm. Ab 1973 Ausbildung zur Hotelfachfrau in Lausanne und Studienaufenthalte in Frankreich. 1976 Ausbildung zur Cutterin und Schauspielunterricht. 1978 Geburt des Sohnes Florian Karl Dragomir. 1982 1997 Veranstaltungsmanagement, 1997 2006 Gründerin und Präsidentin der Karl-Böhm-Stiftung zur Förderung hochbegabter junger Musikerinnen und Musiker. Sissy Böhm lebt heute in Igls bei Innsbruck.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 325
    Erscheinungsdatum: 11.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783902924476
    Verlag: Seifert Verlag
    Größe: 3978 kBytes
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Im Schatten des Lichts

Abschied

Der Mai 2014 war zumeist kalt und verregnet gewesen. Während sonst um diese Jahreszeit die Balkone der Häuser hier in den Tiroler Bergen beinahe überquollen von leuchtendroten Geranien, tauchte dieses Jahr nur spärlicher Pflanzenschmuck an Fenstern und Brüstungen auf. Der Frost war zu hartnäckig gewesen. Die Wolken wollten nicht weichen, hingen tief in die Täler herab, und die Sonne zeigte sich oft tagelang nicht.

Ich arbeitete bereits seit Monaten an meinem Buch, in dem ich mein Leben und die Spuren, die meine Eltern und Vorfahren darin hinterlassen hatten, aufzeichnen wollte. Vieles drängte schon seit langem an die Oberfläche, darunter manches Schöne, das ich gerne aus meiner Erinnerung hervorholte, aber auch anderes, das zu vergessen ich mich seit vielen Jahren vergeblich bemüht hatte.

Auch an diesem Donnerstag, dem 29. Mai, saß ich im Erker meines Wohnzimmers am Schreibtisch, umgeben von alten Aufzeichnungen, Bildern, Briefen und zahllosen Erinnerungsstücken, und wollte eben mit der Arbeit beginnen, als das Telefon läutete.

Almaz war dran, die äthiopische Ehefrau meines Vaters Karlheinz Böhm, die er 1991 in vierter Ehe geheiratet hatte. Er hatte die um 36 Jahre jüngere Agraringenieurin in Addis Abeba bei seiner Hilfsorganisation "Menschen für Menschen" kennengelernt, sie hatte ihm zwei Kinder geboren, und nun, da er seit geraumer Zeit schon bettlägerig war, lebte sie mit ihm in seinem Haus in Grödig bei Salzburg. Ich wusste, dass es ihm sehr schlecht ging, und instinktiv erschrak ich, als ich jetzt Almaz' Stimme hörte.

"Dein Vater ist tot", sagte sie und begann zu weinen. Ich holte Luft, um etwas zu sagen, und fühlte, wie mein Herz bis zum Hals klopfte. Obwohl ich auf diese Nachricht schon gefasst war, denn ich hatte immer wieder in Grödig angerufen, um mich nach seinem Zustand zu erkundigen, und die Antworten waren von Mal zu Mal ernster und zuletzt hoffnungslos ausgefallen, war es ein Schock für mich. Ich suchte nach Worten, aber brachte nur heraus: "Wann ist es passiert?"

"Knapp vor vier Uhr Nachmittag", sagte Almaz, und dann: "Du bekommst Nachricht von mir, wann das Begräbnis ist."

Benommen kehrte ich an den Schreibtisch zurück. In einer Ecke des Sofas lehnten die zwei Bambis, die Romy Schneider und mein Vater zur Premiere des ersten Sissi-Filmes von Margarethe Steiff und Aenne Burda bekommen hatten. Romy und mein Vater hatten sie wenig später an mich weitergeschenkt. Mein Blick fiel jetzt darauf, und auf den kleinen silbernen Becher mit der eingravierten Widmung "Meinem geliebten Schnurpsilein von deinem Papi", den ich als Kind von Vater erhalten hatte und seit meiner Internatszeit als Zigarettenhalter verwendete. Es war also vorbei: mehr als dreißig Jahre Einsatz für Afrika durch "Menschen für Menschen" und eine fast ebenso lange Schauspielerkarriere mit dem frühen Erfolg der Sissi-Filme, einem Erfolg, den er als Schauspieler nicht wiederholen konnte, jedoch als Philanthrop im fernen Äthiopien noch übertroffen hatte.

Wenige Tage später kam ein Schreiben von Almaz, in dem sie mich und meinen Sohn Florian am 13. Juni zur Beerdigung und einem anschließenden Zusammensein im engsten Familien- und Freundeskreis bat. Die Einladung war förmlich gehalten. Der Landeshauptmann von Salzburg, Dr. Wilfried Haslauer, so stand darin, habe dem Verstorbenen ein Ehrengrab der Stadt Salzburg zugedacht und lade zu einem Empfang in die Salzburger Residenz.

Am Morgen des 13. Juni fuhren Florian und ich los, mit einem riesigen Trauerbukett, einem Herz aus lauter weißen Rosen, im Kofferraum meines VW Beetle.

Als wir in der Residenz, dem ehemaligen Sitz der Salzburger Fürsterzbischöfe, eintrafen, warteten dort schon meine Halbgeschwister Michael und Daniela, die Kinder aus der zweiten Ehe meines Vaters mit Gudula Blau. Ihre Schwester Kristina befand sich noch mit Almaz hinter der Bühne und stieß erst später zu uns. Man hatte uns allen eine

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