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'Schlaffe Ghaselen' und 'Knoblauchsgeruch' Platen, Immermann und Heine streiten über freche Juden, warme Brüder und wahre Poesie von Bartholomae, Joachim (eBook)

  • Verlag: Männerschwarm
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'Schlaffe Ghaselen' und 'Knoblauchsgeruch'

Im 19. Jahrhundert war die Literatur der Dreh- und Angelpunkt des gebildeten Lebens. Mit welchem Ingrimm und mit welchem Aufwand die Dichter Karl Immermann, August von Platen und Heinrich Heine aufeinander eingeschlagen haben, war dennoch selbst damals nur schwer verständlich. Der katholische Graf Platen beschimpft Heine als schamlosen Juden, Immermann und Heine wiederum schreiben ganze Bücher, um Platen als Phrasendreschmaschine ohne Substanz abzukanzeln; nebenbei rümpfen sie über seine Liebessonette die Nase, die er jungen Männern widmet. Erstaunlicherweise wurde selbst von jüdischen Zeitgenossen Platens plumper Antisemitismus weniger übel genommen als Heines Schläge unter die Gürtellinie. Dieser Band versammelt die Originaltexte der Kombattanten sowie einige Reaktionen der literarischen Öffentlichkeit und versucht eine Interpretation der Ereignisse aus heutiger Sicht.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 248
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863001308
    Verlag: Männerschwarm
    Größe: 823 kBytes
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'Schlaffe Ghaselen' und 'Knoblauchsgeruch'

DIE KOMBATTANTEN - BIOGRAFISCHES ZU IMMERMANN, PLATEN UND HEINE
KARL LEBERECHT IMMERMANN (1796 - 1839)
1796 in Halle in eine preußische Beamtenfamilie geboren, studiert Immermann Jura und wird 1827 Landgerichtsrat in Düsseldorf. Sein Herz hängt jedoch an der Literatur, dem Theater, der Kunst, der Zeitkritik. Er heiratet erst spät, im Jahr 1839, und stirbt schon bald darauf. Sein ganzes Leben ist durch finanzielle Nöte überschattet.
Als Künstler sieht sich Immermann zwischen Phantasie und Wirklichkeit, als Schriftsteller zwischen Epigonentum und Aufbruch, als Rezensent zwischen Klassik und Romantik, als Bürger zwischen Restauration und Jungem Deutschland, als Mensch zwischen Beruf und Berufung. Künstlerisch ist er einerseits von Ehrfurcht vor Goethe und Schiller erfüllt, andererseits bemüht er sich, aus ihrem Schatten herauszutreten. Zeitanalyse und Zeitkritik werden die Grundzüge seines Werks, in dem seine Literaturkritiken eine große Rolle spielen.
Im Jahre 1819 wird mit Das Thal von Ronceval sein erstes Theaterstück veröffentlicht. Es folgen weitere Trauerspiele, romantische Lustspiele, Erzählungen und ein Gedichtband; 1826 erscheint das Drama Cardenio und Celinde. Bei Campe erscheint 1828 sein Andreas-Hofer-Stück Trauerspiel in Tyrol, im Jahr darauf dann seine Kampfschrift Der im Irrgarten der Metrik umhertaumelnde Cavalier. Immermanns Nachruhm gründet sich in erster Linie auf seinen 1839 erschienenen Roman über den Baron von Münchhausen.
1822 erhält Immermann von einer Zeitschrift den Auftrag, Heines Gedichte zu besprechen. Zwar ist seine Rezension nicht unbedingt überschwänglich, doch Heine fühlt sich von seinem Kritiker verstanden und setzt sich brieflich mit ihm in Verbindung. Die beiden bleiben in Kontakt. Im April 1824 kommt es in Magdeburg zum ersten und einzigen Treffen Heines und Immermanns. Der Briefwechsel zwischen den beiden zeigt trotzdem eine große Verbundenheit, die bis zum Platen-Streit fortbesteht. Nach Heines Attacke auf Platen - die Immermann gewidmet ist - wird Immermanns Ton Heine gegenüber kühler. Die Korrespondenz zwischen den beiden Dichtern kommt bald darauf zum Erliegen.
Auf Heines Rat hin gewinnt Campe den bis dahin wenig etablierten Immermann im Herbst 1826 für seinen Verlag, doch Immermann bindet sich nicht: Seine Werke erscheinen zwischen 1819 und 1849 insgesamt in elf Verlagen, nicht zuletzt gleichzeitig bei den gegnerischen Verlegern Campe und Cotta.
Als Literat verkennt Immermann seine Talente. Seine frühen Werke besitzen nicht genügend Originalität und Eigenständigkeit und geraten bald in Vergessenheit, die Dramen werden schon zu Lebzeiten selten oder gar nicht aufgeführt. Seine dichterische Stärke liegt auf dem Gebiet der Prosa, deren zeitanalytische und kritische Qualitäten Immermann jedoch unterschätzt. Künstlerisch erfolgreich ist er als Gründer und Intendant des Stadttheaters in Düsseldorf, das jedoch nach nur drei Jahren wegen finanzieller Schwierigkeiten schließen muss.
Eine breite Rezeption bleibt seinem Werk versagt. Immermanns erster Gedichtband wird 1822 nur selten und wenig enthusiastisch, seine Prosaveröffentlichungen kaum besprochen. Seine dichterischen Unzulänglichkeiten werden kritisiert, dennoch erfahren seine Trauerspiele im Laufe der Zeit zunehmende Aufmerksamkeit. Wirklich begeistert äußert sich lediglich Heine, 1826 selbst über Cardenio und Celinde, das ansonsten wenig freundlich aufgenommen wird. Immermann gelingt es trotzdem, durch die große Anzahl an Veröffentlichungen und seine Tätigkeit als Literaturkritiker einen gewissen Status auf dem Literaturmarkt der 1820er Jahre

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