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Büchergrüfte Warum Büchersammeln morbide ist und Lesen gefährlich von Steinhauer, Eric W. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2014
  • Verlag: Lambert Schneider
eBook (ePUB)
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Büchergrüfte

Wie im Paradies fühlt sich der passionierte Leser, betritt er eine Bibliothek. Doch der Schein trügt. Krankheit, Tod und Verfall lauern im Verborgenen. Dunkel und unheimlich ist die Bücherwelt. Eric W. Steinhauer zeigt uns die Nachtseite der Bibliothek. Er berichtet von Leichen im Lesesaal, entdeckt Mumien in alten Magazinen und berührt Einbände aus Menschenhaut. Todbringende Erreger nisten in staubigen Folianten. Die Lektüre gewisser Bücher lockt gar Vampire und Monster herbei. Der morbide Charme der Bibliothek wirkt garantiert ansteckend. Ein außergewöhnliches Lesevergnügen erwartet Sie!

Dr. jur. Eric W. Steinhauer studierte Rechtswissenschaft, katholische Theologie, Politik- und Erziehungswissenschaft in Münster und Hagen. Er ist Bibliotheksdirektor an der FernUniversität in Hagen und Honorarprofessor am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Daneben umfangreiche Publikations- und Vortragstätigkeit zu bibliotheksrechtlichen Fragen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 01.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783650400291
    Verlag: Lambert Schneider
    Größe: 2536 kBytes
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Büchergrüfte

3.
VERSCHIMMELTES ALTPAPIER: BEDENKLICHES ÜBER ALTE BÜCHER

Ein dauerhaftes Weiterleben im Bewusstsein der Nachwelt zu ermöglichen, hat sich als ein wichtiges Motiv herausgestellt, Verstorbene oder Teile ihres Körpers in einer Bibliothek aufzubewahren. Dahinter steckt freilich die unausgesprochene Erwartung, dass Bibliotheken eine solche Dauerhaftigkeit auch tatsächlich gewährleisten können. Dafür spricht, dass in Gestalt der Bücher die Gedanken und Werke längst verstorbener Menschen immer noch existieren und gelesen werden können, so dass auf diese Weise ihre Autoren gleichsam lebendig bleiben. Ausgeblendet und verdrängt wird dabei allerdings die Frage, ob Bibliotheken selbst nicht vielleicht sterben und vergehen können, so dass die - mit Blick auf ihre bisherige Überlieferungsleistung durchaus plausible - kulturelle Erwartung eines endlosen Nachlebens und einer unvergänglichen Erinnerung gefährdet ist.
Vernichten durch Verwalten

Die amerikanische Autorin und Kulturwissenschaftlerin Susan Sontag (1933-2004) notiert am 25. Februar 1960 in ihrem Tagebuch: "Meine Bibliothekarsmentalität: die Unfähigkeit, irgendetwas rauszuwerfen; alles (insbesondere, wenn es mit Wörtern zu tun hat) 'interessant' + bewahrenswert zu finden." Indem Sontag Bibliotheken als Gedächtnisinstitutionen sieht, die alles Bewahrenswerte dauerhaft sammeln, wiederholt sie eine gängige, aber leider falsche Vorstellung über die Arbeit und den Auftrag von Bibliotheken. Der Irrtum beginnt schon beim Sammeln. Zwar ist es richtig, dass Bibliotheken planmäßig sehr viele Publikationen in ihren Bestand übernehmen. Einige Bibliotheken wie die Deutsche Nationalbibliothek oder die Landes- und Staatsbibliotheken in den Bundesländern tun dies sogar mit dem Ziel der Vollständigkeit, denn sie haben mit dem so genannten Pflichtexemplarrecht einen gesetzlichen Anspruch auf Ablieferung jeder Druckschrift, die in ihrem Zuständigkeitsbereich erscheint. Und so kann man tatsächlich davon ausgehen, dass jedes Buch, das in einem Verlag veröffentlicht wird, auch in einer Bibliothek zu finden ist.

Nur erscheinen längst nicht alle Bücher in einem Verlag. Diese so genannte graue Literatur gelangt meist nur lückenhaft in die Bibliotheken. Bis auf wenige Ausnahmen gar nicht gesammelt wird die große Masse der Druckschriften rein informatorischen Inhalts, die so genannten Ephemera wie Werbeprospekte, Geschäftsberichte und dergleichen. Aus dieser Sammlungspraxis, die das Randständige, Flüchtige und nur lokal Bedeutsame meist ausspart, ergeben sich sehr schnell Überlieferungslücken. Beispielhaft erwähnt seien Schul- und Schülerzeitschriften, die weder von den Pflichtexemplarbibliotheken noch von den örtlichen Stadtarchiven, ja sogar nicht einmal in den Schulen selbst systematisch gesammelt werden. So kann es passieren, dass ein Text, der vor 25 Jahren in einer Schülerzeitschrift mit einer Auflage von mehreren hundert Exemplaren veröffentlicht wurde, heute bereits als verschollen zu gelten hat.

Aber wären diese Hefte tatsächlich noch vorhanden, wenn man sie an eine Pflichtexemplarbibliothek abgeliefert hätte? Immerhin haben diese Bibliotheken ja einen gesetzlichen Sammelauftrag und damit auch die Verpflichtung, ihre Bestände dauerhaft aufzubewahren. Es gibt allerdings meist keine Pflicht, abgelieferte Stücke auch in die eigene Sammlung aufzunehmen. Die meisten Pflichtexemplarbibliotheken haben sogar das gesetzlich ausdrücklich eingeräumte Recht, die Sammlung einzelner Stücke abzulehnen. Trotz dieser kleineren Lücken in ihrer Sammeltätigkeit können Bibliotheken mit Pflichtexemplarrecht als besonders stabile und verlässliche Gedächtnisinstitutionen gelten. Für alle anderen Bibliotheken ist das nicht unbedingt der Fall. Anders nämlich, als gemeinhin angenommen wird, sind viele Bücher nur für eine begrenzte Zeit in der Bibliothek zu finden und werden, wenn sie nur selten bis gar nicht benutzt werden, wenn sie beschädigt oder

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