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Einführung in die Gender Studies von Schößler, Franziska (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2010
  • Verlag: Walter de Gruyter GmbH & Co.KG
eBook (PDF)
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Einführung in die Gender Studies

Typisch Frau, typisch Mann - was heißt das eigentlich? Weiblichkeit und Männlichkeit werden nicht allein durch das anatomische Geschlecht ('Sex') definiert, sondern auch durch spezifische Rollenangebote, die z. B. durch Kleidercodes oder Verhaltensnormen bestimmt sind. Den Fokus auf diese soziale Konstruktion von Geschlecht ('Gender') legen die Gender Studies - ein dynamisches Forschungsfeld mit spannenden Anwendungsbereichen, das Franziska Schößler aus literatur- und kulturwissenschaftlicher Perspektive erschließt. Aus dem Inhalt: Geschichte und Entwicklungstendenzen der Gender Studies; Geschlechtergeschichte seit 1800, Pionierinnen des Feminismus und frühe Debatten, Pluralisierung und Dynamisierung der Gender Studies, theoretische Grundlagen von der Psychoanalyse bis zur Diskursanalyse, konkrete literatur- und kulturwissenschaftliche Anwendungsfelder, Film Studies, Kanondebatten und angrenzende Bereiche: Queer, Men's und Postcolonial Studies. Prof. Dr. Franziska Schößler, Jg. 1964, Professorin für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Trier.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 232
    Erscheinungsdatum: 01.10.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783050049649
    Verlag: Walter de Gruyter GmbH & Co.KG
    Größe: 1116 kBytes
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Einführung in die Gender Studies

4.1 Die materialistische Kunsttheorie Virginia Woolfs (S. 51)

Virginia Woolf setzt sich in ihrem Essay A Room of One's Own (1929, Ein Zimmer für sich allein, 1978), auf den sich Feminismus und Gender Studies wiederholt beziehen, mit dem gesellschaftlichen Status von Frauen sowie ihren produktiven Möglichkeiten auseinander. Es handelt sich bei diesem Text über das Thema "Frauen und Fiktion" ("fiction" bezeichnet im Englischen die Gattung Roman) um einen wissenschaftlichen Vortrag, der sich gleichwohl durch seinen erzählerisch-illustrativen Duktus auszeichnet – Woolf erzählt von Dinner- Parties und Speisefolgen, von Wohnungseinrichtungen und Bibliotheksbesuchen. Diese Anschaulichkeit weist bereits ins Zentrum ihrer Argumentation: Der englischen Autorin, deren Romane wie To the Lighthouse (1927, Die Fahrt zum Leuchtturm, 1931), Orlando. A Biography (1928, Orlando. Die Geschichte eines Lebens, 1929) und The Waves (1931, Die Wellen, 1959) in die Weltliteratur eingegangen sind, geht es ganz wesentlich darum, die materiellen Bedingungen von Kunst und Bildung zu verdeutlichen.

Der Bereich der künstlerischen Produktion und des Wissens ist nach Woolf kein autonomer, rein geistiger, der von den gesellschaftlichen und das heißt von den geschlechtlichen Verhältnissen abgetrennt wäre, sondern Kunst ist auf fundamentale Weise mit materiellen Phänomenen verknüpft – allem voran mit Geld und Raum, beides Ressourcen, über die Frauen zu Woolfs Zeiten gemeinhin nicht verfügten. Woolfs zentrale Forderung lautet: "[E]ine Frau muß Geld haben und ein Zimmer für sich allein, wenn sie Fiction schreiben will" (Woolf 1981, S. 8). Denn ohne Geld bleibt sie der männlichen Ordnung verpflichtet und damit der Reproduktion, oder aber sie muss auf wenig attraktive Berufe innerhalb der männlichen Arbeitswelt zurückgreifen.

In einem reich ausgestatteten College, in dem ein gewisser Luxus herrscht, wären die selbstverständlichen Gesprächsstoffe von Frauen "Archäologie, Botanik, Anthropologie, Physik, der Aufbau der Atome, Mathematik, Astronomie, Relativitätstheorie, Geographie" (Woolf 1981, S. 27) – Gesprächsstoffe, die ihnen sonst verschlossen blieben. Genie ist für Virginia Woolf allein möglich in einem gediegenen Ambiente von Luxus und Macht, und das heißt auch von Tradition und Geschichte.

Damit ist ein weiterer Umstand benannt, der die künstlerische Produktion von Frauen erschwert: Sie verfügen nicht über eine eigene literarische Tradition (weiblichen Schreibens), und sie finden in der traditionellen Geschichtsschreibung keinerlei Berücksichtigung. Woolf fordert deshalb eine Form von Geschichte, die auch Frauen sichtbar werden lässt. Gegenstand dieser Geschichte ,von unten' wären unter anderem die häuslichen Verhältnisse, wobei auch in diesem Zusammenhang die Leitfrage zu beantworten wäre: "[H]atte sie ein Zimmer für sich allein?" (Woolf 1981, S. 53) Woolf plädiert sogar für eine imaginäre Geschichte, um weibliche Lebensverhältnisse zu veranschaulichen. In der wohl berühmtesten Partie des Essays entwirft die Autorin die Vita einer hochbegabten Schwester Shakespeares, die an ihrem Talent zugrunde geht, weil sie keinerlei Ausdrucksmöglichkeiten findet (vgl. Woolf 1981, S. 54f.).

Scheinbar unvereinbar mit dieser Unsichtbarkeit von Frauen in der (Literatur-)Geschichte ist die Tatsache, dass sie als Objekte von wissenschaftlichen Untersuchungen und künstlerischen Darstellungen überaus beliebt sind. Woolf hält in lapidarem Ton fest und beschreibt damit ein Phänomen, mit dem sich die Gender Stu

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