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Einführung in die interkulturelle Literaturwissenschaft von Leskovec, Andrea (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Einführung in die interkulturelle Literaturwissenschaft

Die interkulturelle Literaturwissenschaft ist eine relativ neue Forschungsrichtung, die im Zeitalter der Globalisierung rasch an Bedeutung gewinnt. Diese Einführung macht mit Gegenstand, Zielen und Methoden bekannt und erklärt die zentralen Konzepte und Theorien. Grundbegriffe wie Kultur, Interkulturalität und Fremdheit werden leicht verständlich definiert, aber auch kritisch beleuchtet. Kontrovers diskutiert wird die gesellschaftliche Wirksamkeit der interkulturellen Literaturwissenschaft. In Zentrum steht dabei die Frage, inwiefern Literatur und Literaturunterricht interkulturelle Kompetenzen fördern können. Den Abschluss bildet ein Kapitel zur interkulturellen Hermeneutik, deren Methoden zur Auslegung literarischer Texte durch aktuelle Ansätze einer interkulturellen Textanalyse ergänzt werden. Zahlreiche Beispiele aus der deutschsprachigen Literatur demonstrieren die Anwendbarkeit des vorgestellten Analysemodells und führen in die praktische Textarbeit ein. Dr. Andrea Leskovec, geb. 1969, ist Dozentin für deutsche Literatur an der Philosophischen Fakultät der Universität Ljubljana.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 01.01.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534709748
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 985 kBytes
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Einführung in die interkulturelle Literaturwissenschaft

II. Wozu interkulturelle Literaturwissenschaft?

1. Konzept einer gesellschaftswirksamen Literaturwissenschaft

Verbindung von literaturwissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Zielen

Die Ziele der interkulturellen Literaturwissenschaft lassen sich als primär literaturwissenschaftlich und primär gesellschaftspolitisch definieren. Im ersten Fall ist interkulturelle Literaturwissenschaft auf Produktion, Rezeption und Analyse von literarischen Texten ausgerichtet, erforscht also Rolle und Funktion von Literatur in interkulturellen Prozessen und sensibilisiert durch bestimmte Analysemethoden für die Wahrnehmung des Fremden und dessen Darstellung. Hier wird deutlich, dass literaturwissenschaftliche und gesellschaftspolitische Ziele der interkulturellen Literaturwissenschaft ineinandergreifen, denn Sensibilisierung für das Fremde und die Bewusstmachung der Strategien, mit denen wir ihm begegnen, haben natürlich auch eine gesellschaftliche Motivation: Literaturwissenschaft versucht so auf gesellschaftliche Prozesse wie Globalisierung und Migration, aber auch Aggression und Gewalt gegen Fremdheit zu reagieren, u.a. auch um sich neu zu legitimieren. Literaturwissenschaft und -vermittlung war lange Zeit mit der Idee des Nationalstaats und der Theorie der Nation verbunden, primäres Ziel war Überlieferung und Erhalt nationaler Traditionen, nationale Selbstversicherung und Abgrenzung nach außen. Diese Ziele sind mit der Veränderung der Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fragwürdig geworden, nicht nur, weil der Begriff der Nation missbraucht wurde, sondern weil die multikulturelle Gesellschaft in vielen europäischen Gesellschaften Realität ist.

Gesellschaftswirksame Literaturwissenschaft

Interkulturelle Literaturwissenschaft reagiert mit ihren Konzepten, Methoden und Inhalten nicht nur auf die Interkulturalität der gesellschaftlichen Wirklichkeit, sondern sieht sich auch als gesellschaftswirksame Literaturwissenschaft (vgl. Slibar 1997), die gesellschaftliche Prozesse durchschaubar machen und ein kritisches und produktives Denken ausbilden möchte.

Kosmopolitische Bildung

Damit wird literarische Bildung Teil einer kosmopolitischen oder globalen Bildung, bei der es "um die Dezentrierung des 'Eigenen' und damit Öffnung für neue Sichtweisen" (Wintersteiner 2006b, 16; Hervorhebung im Original) geht und um das Erlernen interkultureller Kompetenzen. Die interkulturelle Literaturwissenschaft gewinnt einen politischen Akzent, wenn sie sich auch der Frage nach dem Umgang mit dem Fremden stellt.

Umgang mit Fremdheit

Dieser ist von unterschiedlichen Abwehrstrategien wie Ausgrenzung oder Ignoranz geprägt. Ausgrenzung führt zur gewaltsamen Abwehr des Fremden und zeigt sich in Formen von Aggression, Gewalt, Isolation, Stigmatisierung, Verfolgung oder Vernichtung; Ignoranz zeigt sich als scheinbare Toleranz gegenüber dem Fremden, die dadurch entsteht, dass Fremdes nicht wahrgenommen oder völlig assimiliert und damit beseitigt wird. Hinter diesen Formen der Abwehr steht die Überzeugung, dass dem Eigenen eine universelle Gültigkeit zukommt; man spricht dann von Zentrismen.

Zentrismen

Es lassen sich folgende Formen von Zentrismen unterscheiden: Egozentrismus als die Rückführung des Fremden auf individuelles Eigenes, Ethnozentrismus als Einordnung des Fremden in kollektives Eigenes und Logozentrismus als Eingliederung des Fremden in herrschende Diskurse, die als universell gültige Ordnung oder Metaphysik fungieren. Hierzu gehören z.B. Begriffe wie Vernunft, Wahrheit, Gott, Transparenz. Zentrismen ergeben sich also aus der Tatsache, dass das Eigene mit einer universellen Ordnung gleichgesetzt wird, aus der Fremdes ausgeschlossen wird. Das ist allerdings nur dann möglich, wenn das Fremde erstens als etwas verstanden wird, was a priori außerhalb des Eigenen liegt, es um ein Ausschlussverhältnis geht, in dem deutlich definiert ist

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