text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Einführung in die Intermedialität von Robert, Jörg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2015
  • Verlag: wbg Academic
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Einführung in die Intermedialität

Intermedialität hat sich in den vergangenen Jahren als Forschungsgebiet an der Schnittstelle zwischen Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaft etabliert. Die Frage nach der Kombination und Konkurrenz der Medien und Künste betrifft ein weites Spektrum von Phänomenen. Es reicht von den Kontroversen um den Vorrang der Künste in Antike und Früher Neuzeit über die Kino- und Mediendebatten der Moderne bis zur klassischen Intertextualitätsforschung und Mediengeschichte. Dieser Band untersucht Geschichte, Theorie und Systematik der Intermedialität von einem literaturwissenschaftlichen Standpunkt aus. Neben einer Klärung der leitenden Begriffe bietet er einen Abriss der historischen Entwicklung sowie einen Überblick über die Forschungs- und Arbeitsfelder intermedialer Literaturwissenschaft. Einzelanalysen nehmen (Hyper-)Texte, Bilder, Filme, Lieder und das Verhältnis von Medium und ?gender? in den Blick. Gunter E. Grimm ist emeritierter Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft/Geschichte und Theorie der Literatur an der Universität Duisburg-Essen. Klaus-Michael Bogdal ist Professor für Germanistische Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 01.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534727582
    Verlag: wbg Academic
    Größe: 2530 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Einführung in die Intermedialität

II. Historische Perspektiven

1. Antike: Aristoteles, Simonides, Horaz

Aristoteles - der erste Medientheoretiker?

Wenn Homer mit dem Schild des Achill die poetische Urszene der Intermedialität geschaffen hat, so kommt Aristoteles das Verdienst zu, mit seiner Poetik (ca. 335 v. Chr.) Prolegomena zu einer Theorie der Intermedialität vorgelegt zu haben. Die wichtigsten Ansätze hierzu finden sich im ersten Kapitel. Gleich zu Beginn entfaltet Aristoteles eine schulgerechte dialektische Unterscheidung der Formen von poietiké téchne. Epik, Tragödie, Komödie und Dithyramben sind "als Ganzes betrachtet, Nachahmungen" (Aristoteles 1982, 5; 1447a). Sie differenzieren sich dreifach "durch je verschiedene Mittel (gr. en hetérois ) oder dadurch, dass sie auf je verschiedene und nicht auf dieselbe Weise nachahmen". Aristoteles spricht unterminologisch von 'je verschiedene' ( 'hétera' ), was im Deutschen zu einer konkretisierenden Ergänzung zwingt. Arbogast Schmidt übersetzt: "In verschiedenen Medien nachahmen." (Aristoteles 2008, 3) Der Begriffsgebrauch ist freilich anachronistisch: Denn das griechische Äquivalent für lat. Medium ( t ò méson ) ist Aristoteles durchaus bekannt. Sein Ort ist jedoch in der Optik und Physik. Eine Übertragung des physikalischen Medienbegriffs in die Ästhetik vollzieht sich erst im 18. Jahrhundert, z.B. bei Lessing im Laokoon , wo es heißt: "Es giebt sogar Fälle, wo es für den Künstler ein größeres Verdienst ist, die Natur durch das Medium der Nachahmung des Dichters nachgeahmet zu haben, als ohne dasselbe." (Lessing 1990 [1766], 98). Immerhin ist die Differenzierung der Künste nach ihren Medien - Rhythmus, Sprache, Melodie (1447a) - ein erster Schritt in diese Richtung. Aristoteles ordnet noch nicht wie Lessing im Laokoon jeder Kunst ein und nur ein Medium zu (eine semiotische Interpretation der unterschiedlichen 'Mittel' liegt ihm ohnehin fern). Die genannten Künste verwenden die Mittel (Medien) "teils einzeln, teils zugleich." (Aristoteles 1982, 5; 1447a)

Multimedialität in der Poetik

Aus der Rückschau lässt sich Aristoteles' Spektrum mimetischer Künste als multimedial bezeichnen: Flöten- und Zitherkunst verwenden Melodie und Rhythmus, die Tanzkunst "den Rhythmus ohne Melodie". Die Dichtung wird zunächst als Kunst eingeführt, die "allein die Sprache, in Prosa oder in Versen" einsetzt (ebd. 5; 1447a). In der Tragödie und Komödie wie auch im Dithyrambus und der Nomendichtung sieht Aristoteles wenig später jedoch konstitutiv multimediale bzw. -modale Formen, weil sie "alle oben genannten Mittel verwenden" (ebd. 7; 1447b). Sie sind Medienkonfigurationen, in denen sich gesprochene Partien, gesungene und getanzte abwechseln. Im sechsten Kapitel wird dies noch spezifiziert: Die Tragödie setzt Inszenierung ( ópsis ), Melodik ( melopoiía ) und Sprache ( léxis ) ein (ebd. 19; 1449b). Die vier Gattungen differenzieren sich wiederum nach Art und Umfang der Medienkombination ("teils von Anfang bis Ende, teils abschnittsweise"). Auch wenn Aristoteles auf das Medienkriterium im weiteren Verlauf kaum mehr zu sprechen kommt, und die weitere Diskussion sich proto-strukturalistisch auf die Konzeption einer geschlossenen Handlung im Drama konzentriert, sind dies mehr als beachtliche Ansätze zu einer ersten Medienästhetik. Dabei finden sich sowohl Argumente für eine Differenzierung als auch für eine Hybridisierung der Medien. Die These, dass "Musik und Dichtung für ihn eine untrennbare (intermediale) Einheit bildeten, die demzufolge auch keine getrennte Theoriebildung für beide Bereiche forderte", lässt sich jedoch nur bedingt unterschreiben (Müller 1998, 32).

Auch der Vergleich zwischen Dichtung und Malerei findet sich bereits bei Aristoteles, er durchzieht geradezu die Poetik (Kap. 1; 2, 4). Ein erstes Mal wird

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen