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Gender Studies und Literatur von Nieberle, Sigrid (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2014
  • Verlag: WBG
eBook (ePUB)
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Gender Studies und Literatur

In den letzten fünf Jahrzehnten haben sich die Women's und Gender Studies in vielen Bereichen von Forschung und Lehre etabliert. Auch in den Literaturwissenschaften ist der Begriff ?Gender? längst zu einem produktiven Konzept avanciert. Diese Einführung beschreibt die Möglichkeiten gender-orientierter Arbeitsweisen in der Auseinandersetzung mit literarischen Texten und erklärt die methodischen Voraussetzungen und Konsequenzen der Geschlechterforschung. Der Schwerpunkt der Einführung liegt auf anschaulichen Textbeispielen und -analysen, deren Fokus die neuere deutsche Literaturgeschichte seit der Aufklärung bildet. Neueste Entwicklungen der Geschlechterforschung werden unter den Stichworten Hybridität und Diversität sowie Postcolonial und Queer Studies verhandelt und auf ihre Relevanz überprüft. Eine ausführliche Bibliographie rundet den Band ab.

Prof. Dr. Sigrid Nieberle, geb. 1968, ist Professorin für neuere und neueste deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Gender und Diversität an der TU Dortmund.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 142
    Erscheinungsdatum: 01.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534722389
    Verlag: WBG
    Größe: 995 kBytes
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Gender Studies und Literatur

I. Grundlagen: Literatur und Geschlechterforschung

"Lehrjahre"

Die Einsicht, dass Geschlecht nicht allein von der Biologie definiert wird, sondern in höchstem Grad von sozialen und kulturellen Faktoren abhängig ist, wurde von Simone de Beauvoir in einem prägnanten Satz programmatisch zusammengefasst: "Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es." (2000, 265) Der Satz eröffnet den zweiten Teil ihres berühmten Buches Le deuxième sexe aus dem Jahr 1949 (dt. Das andere Geschlecht , 1951), das bei seinem Erscheinen heftige Debatten in Frankreich und weit darüber hinaus auslöste. Darin rekonstruiert und entfaltet die Philosophin und Schriftstellerin die jahrhundertelangen Entwicklungen, die das Geschlechterverhältnis prägten und die Unterordnung der Frau verfestigten. Dass Frauen im Vergleich zu Männern häufig benachteiligte symbolische, politische und ökonomische Positionen in Gesellschaften zukamen und vielerorts heute noch zukommen, ist unstrittig. Hierzu haben sozial- und kulturwissenschaftliche Forschungen während der letzten Jahrzehnte zahlreiche Belege geliefert. Wie sich diese Benachteiligungen jeweils darstellen, ist dabei historisch und kulturgeographisch sehr genau zu unterscheiden. Zudem hat sich die Einsicht durchsetzen können, dass der viel zitierte Satz Beauvoirs nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer und jegliche andere Identität gelten muss. "Männlichkeit entwickelt sich nicht 'von selbst', sondern sie muss aktiv bewiesen und erkämpft werden. Ein Mann muss handeln, indem er nicht nur erhabene Ziele hat, sondern diese auch erreicht - und das immer wieder." (Läubli/Sahli 2011) Das Kapitel "Lehrjahre der Männlichkeit" in Friedrich Schlegels Roman Lucinde (1799), so die Herausgeberinnen des zitierten Bandes, zeige die longue durée an, mit der das immer wieder zu bekräftigende Werden/Erwerben des Geschlechts im kulturellen Wissen präsent ist. Obwohl sich die theoretischen Positionen des erworbenen Frauund Mannseins ihrer Idee nach zunächst nicht zu unterscheiden scheinen, fällt bei näherem Hinsehen doch auf, wie zurückhaltend, ja passiv das Werden der Frau bei Beauvoir beschrieben ist, während Männlichkeit schon wieder oder immer noch mit aktivem Handeln, Selbstbehauptung und Kampf verbunden zu sein scheint. Solche geschlechtsspezifischen Konnotationen samt ihrer historischen und literarischen Konzeptionen werden in diesem Buch noch häufig zur Sprache kommen.

"doing gender"

An jenem erwähnten "Werden" von Geschlecht, das Beauvoir als entscheidend für Geschlechtsidentität und Geschlechterdifferenz ansieht, sind vielfältige Prozesse und Institutionen beteiligt. Überlegungen, wie dies vonstatten geht, führten zum Konzept des so genannten "doing gender", wie es die amerikanischen Ethnologen West und Zimmerman skizziert haben (1987). Es ist als ein komplexer Prozess der Fremd- und Selbstbestimmung zu verstehen, der auf kontinuierlichen Deutungsschablonen gesellschaftlichen Handelns beruht. Insbesondere das verbal- und körpersprachliche Handeln wurde von der Forschung als entscheidend bewertet. Geschlecht wird demzufolge - als einer von mehreren Aspekten von Identität - nach spezifischen Regeln stetig neu hergestellt und kann deshalb nicht länger als stabile Eigenschaft eines Menschen gesehen werden. Zu einer performativen (d.h. sich im stetigen Vollziehen herstellenden) Geschlechtsidentität tragen darüber hinaus politisches und ökonomisches Handeln und ebenso jegliche sprachliche und symbolische Praxis in Alltags- und Festkultur bei. Zu erforschen, inwiefern Literatur und ihre Medien daran beteiligt sind, ist Gegenstand der literaturwissenschaftlichen Gender Studies.

Zielsetzung

Die Diskussionen und die Weiterentwicklung der bisher vorliegenden Forschungsansätze in ihren Grundzügen nachzuzeichnen und in ihrer Relevanz für die germanistische Literaturwissenschaft darzustellen, ist Aufgabe dieses Buchs. Es möchte einen ersten Ü

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