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Literaturtheorie Eine kurze Einführung (Reclams Universal-Bibliothek) von Culler, Jonathan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.02.2014
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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Literaturtheorie

2002 erschien die Einführung des amerikanischen Literaturwissenschaftlers Jonathan Culler in erster Auflage. Seither hat sie sich an den Universitäten etabliert. Anhand einfacher Fragen gibt sie Einblick in die wichtigsten Aspekte der Literaturtheorie: Was ist und will Theorie? Was ist ein Text? Was ist ein Autor? Was unterscheidet Lyrik von Prosa? Auch die verschiedenen Theorie-Strömungen werden vorgestellt: Von der Hermeneutik über Dekonstruktion und Gender-Studies bis zur postkolonialen Literaturbetrachtung. Jetzt erscheint der Band in zweiter Auflage: vollständig überarbeitet und auf den neuesten Stand der Forschung gebracht und um ein neues Kapitel 'Ethik und Ästhetik' ergänzt. E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe: Buch und E-Book können parallel benutzt werden. Jonathan Culler war u. a. Gastdozent für Französisch und Komparatistik in Yale und ist heute Professor für Englische und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Cornell University. (New York)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 07.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159604275
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 828 kBytes
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Literaturtheorie

[32] 2 Was ist Literatur und ist sie wichtig?

Was ist Literatur? Man sollte meinen, dies sei eine zentrale Frage der Literaturtheorie, doch scheint sie in Wirklichkeit keine große Rolle zu spielen. Was sind die Gründe hierfür?

Im Wesentlichen sind es wohl zwei: Zum einen stellt sich angesichts der Tatsache, dass theoriebewusstes Arbeiten selbst Ideen aus der Philosophie, Sprach-, Geschichts- und Politikwissenschaft sowie der Psychoanalyse vermischt, die Frage, warum sich Theoretiker eigentlich darüber Gedanken machen sollten, ob die von ihnen gelesenen Texte literarisch sind oder nicht. Für Literaturstudierende wie Literaturprofessoren gibt es heutzutage eine ganze Reihe wissenschaftlicher Projekte, also Themen, über die man lesen und schreiben kann – wie z. B. "Frauenbilder im frühen 20. Jahrhundert" –, bei deren Bearbeitung man sich sowohl mit literarischen als auch mit nicht-literarischen Texten beschäftigen kann. Man kann die Romane von Virginia Woolf oder Freuds Fallstudien oder beides untersuchen; eine Unterscheidung zwischen beiden Feldern scheint dabei aus methodischer Sicht nicht bedeutsam. Dies heißt nicht, dass alle Texte irgendwie gleich sind: Aus dem einen oder anderen Grund werden manche Texte für reichhaltiger, einflussreicher, beispielhafter, kontroverser, zentraler als andere gehalten. Aber es heißt, dass man sehr wohl literarische und nicht-literarische Texte gemeinsam und nach ähnlichen Vorgehensweisen untersuchen kann.

[33] Literarizität außerhalb von Literatur

Zum anderen schien die Unterscheidung lange Zeit deshalb nicht zentral, weil theoretische Arbeiten ihrerseits etwas entdeckt haben, was man am einfachsten als "Literarizität" nicht-literarischer Phänomene bezeichnen kann. Dabei zeigt sich, dass Texteigenschaften, die man oftmals für literarisch gehalten hat, auch in nicht-literarischen Diskursen und Zusammenhängen eine entscheidende Rolle spielen. So hat man etwa bei der Erörterung des Wesens historischer Verstehensprozesse die beim Verstehen von Geschichten beteiligten Vorgänge als Modell herangezogen. 1 Üblicherweise liefern Historiker keine Erklärungen, die so aussehen wie die auf Vorhersagen ausgerichteten Erklärungsmuster der exakten Wissenschaften: Sie können nicht zeigen, dass dann, wenn X und Y gegeben sind, Z notwendigerweise eintritt. Vielmehr zeigen sie, wie ein Ereignis zum anderen führt, wie es also dazu kam , dass der Erste Weltkrieg ausgebrochen ist, und nicht, warum er sich notwendigerweise ereignen musste . Das Modell historischer Erklärung beruht demnach auf der Logik von Geschichten, also auf der Art, in der eine Geschichte zeigt, wie es zu einem bestimmten Ereignis kommt, indem sie Ausgangssituation, Entwicklung und Ergebnis sinnvoll verknüpft.

Das Modell für die Verstehbarkeit von Geschichte ist, kurz gesagt, das des literarischen Erzählens. Wir, die wir Geschichten hören und lesen, können sehr wohl entscheiden, ob eine Geschichte in sich stimmig ist, logisch zusammenhängt oder ob ihr etwa das Ende fehlt. Wenn die gleichen Modelle dafür, was stimmig und logisch ist und was als Geschichte gilt, sowohl literarische als auch historische Erzählungen charakterisieren, dann scheint die Notwendigkeit einer Unterscheidung zwischen beiden kein dringendes [34] theoretisches Anliegen zu sein. In ganz ähnlicher Weise ist von theoretischer Seite auf die Wichtigkeit rhetorischer Verfahren wie etwa der Metapher in nicht-literarischen Texten hingewiesen worden – ob in Freuds Darstellungen seiner psychoanalytischen Fälle oder in philosophischen Argumentationen –, die man für Literatur als wesentlich, aber in anderen Diskurstypen oft nur als reinen Schmuc

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