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Deutschlandbilder in Belgien 1830-1940

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2011
  • Verlag: Waxmann Verlag GmbH
eBook (PDF)
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Deutschlandbilder in Belgien 1830-1940

Dieser Sammelband setzt sich mit den Deutschlandbildern in Belgien bis zum Beginn der deutschen Okkupation im Jahre 1940 auseinander. Betrachtet werden diese aus Sicht unterschiedlicher Geisteswissenschaften wie Philosophie, Literatur, Geschichte, Kunstgeschichte und Musikwissenschaft.
Die traditionellen Topoi der deutschen Imagologie, die überall in Europa eine große Resonanz gefunden haben (das romantische Deutschland, das Land der Dichter und Denker, aber ab dem Krieg von 1870 auch das preußische Feindbild), werden dabei in Betracht gezogen.
Konstitutiv für den Prozess der Identitätsbildung in Belgien bis zum Ersten Weltkrieg war die deutsch-germanische Komponente, die in der Metapher der sog. âme belge als Kultursynthese zum Ausdruck kam. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs hat hier besonders traumatisch gewirkt, was zur Folge hatte, dass diese partielle "Zugehörigkeit" Belgiens zur deutschen Kultursphäre drastisch neuevaluiert wurde, unabhängig von der Schaffung eines deutschsprachigen Gebiets in Belgien durch den Versailler Vertrag.

Produktinformationen

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Deutschlandbilder in Belgien 1830-1940

Germanisme, sceau du nouveau monde:
Deutschland in der nordischen Mythologie der belgischen Symbolisten französischer Sprache (S. 153-154)

Die belgischen Symbolisten und Deutschland: mehr als eine Wahlverwandtschaft

Die deutsche Kultur (Philosophie, Literatur, Kunst, Musik) hat in der Entstehung des sog. mythe nordique eine wichtige Rolle gespielt, auf den sich die sog. âme belge, deren Verfechter die Schriftsteller des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts waren, stützte. Die doppelte Komponente der belgischen Identität, die als glückliche Mischung von Latinité und Germanité dargestellt wurde, war eigentlich eins der Hauptmerkmale der "jungen" Literatur der 1880er Jahre, die damals von den belgischen Historikern als ein wahres Leitmotiv bezeichnet wurde.

In der Sonderausgabe der Revue encyclopédique von 1897, die dem Thema Belgien gewidmet ist, beschrieb der Anwalt Edmond Picard, Anführer des jungen Liberalismus in Brüssel und leidenschaftlicher Vertreter der Zeitschrift L'Art Moderne, die "ethnische" Eigenart Belgiens als "un phénomène de persistance qui, depuis les plus profonds lointains historiques, s'affirme sur ce territoire spécial, sur ce triangle géographique formant carrefour entre trois nations typiques parmi toutes: la France, l'Allemagne, l'Angleterre". Als "centre et point de choc des peuples" sei Belgien durch seine geographische Lage zwischen Deutschland und Frankreich ideal gelegen.

Es sei ein Gebiet gegenseitigen Einflusses und besitze somit, trotz seiner linguistischen Teilung, eine Bevölkerung, die durch eine "Naturgemeinschaft" (communauté de nature) geprägt sei. Belgien, meinte Picard weiter, sei aus einer historischen Beharrlichkeit heraus entstanden und habe sich dann über die Jahrhunderte hinweggesetzt, um dieses mysteriöse Wesen zu bilden: die "belgische Seele". "Chauffée au feu des catastrophes" sei diese das Ergebnis einer einzigartigen alchemischen Zusammensetzung von der "sentimentalité vague allemande" und der "clarté linéaire française".

Einige Jahre später sprach Picard Henri Liebrecht, dem Verfasser des Buches L'histoire de la littérature belge d'expression française, seine Anerkennung aus, nachdem dieser die lang verkannte literarische Vergangenheit Belgiens hervorgehoben hatte. Somit hatte er auch die unmissverständliche Originalität ("insubmersible originalité") eines Landes bestätigt, dessen "psychische Einheit" ("unité psychique") immer dazu beigetragen hatte, diese geographische Einheit zu festigen.

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