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Das Paradies war für uns Emmy Ball-Hennings und Hugo Ball von Reetz, Bärbel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.09.2015
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Das Paradies war für uns

Eine Biographie über ein libertäres Paar und ein Leben voller Leidenschaft und Exzentrik Es begann 1912 mit einer zufälligen Begegnung: Hugo Ball, der Theatermann an den Münchner Kammerspielen, trifft auf Emmy Hennings, die exzentrische Diseuse und drogensüchtige Muse bedeutender Männer, die gerade ihre ersten Gedichte veröffentlicht hat. Die schillernde Maskenspielerin, Liebling der Berliner und Münchner Boheme, und der rebellische Dichter, schwankend zwischen Aktionismus und Anarchismus, finden sich in Zeiten des Krieges und beginnen ihr gemeinsames 'Spiel vom Büchermachen'. Das Paradies hatte Hugo Ball ihr versprochen, aber es war ein steiniger Weg, der das extravagante Paar ins Zentrum der literarischen Moderne führte. Von der provinziellen Enge der Kindheit und Jugend, der Berliner und Münchner Avantgarde zur Emigration in die Schweiz 1915 und Gründung des 'Cabaret Voltaire' in Zürich 1916, der Keimzelle des Dadaismus, und schließlich in die Abgeschiedenheit im ländlichen Tessin, wo das Paar eine intensive Freundschaft mit Hermann Hesse pflegt, bis zum Tod Hugo Balls im Jahr 1927: Bärbel Reetz lässt in ihrer Biographie dieses ungewöhnlichen Paars eine Zeit wieder aufleben, in der viel gefragt und noch mehr gewagt wurde.

Bärbel Reetz, geb. 1942, Studium der Germanistik und Anglistik lebt als Autorin und freie Journalistin in Berlin; ihre Arbeiten wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, u.a. 1994 Bettina-von-Arnim-Preis für die Erzählung Virginia oder die Gleichzeitigkeit .

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 06.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458742821
    Verlag: Insel Verlag
    Größe: 21935kBytes
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Das Paradies war für uns

Unter der Glasglocke

Seemannsgarn und Sehnsucht - Kleine Fluchten - Blütenträume

Flensburg. 17. Januar 1885. 14 Uhr. Ein Kind wird geboren. Im Taufregister der protestantischen St. Marienkirche ist es am 19. April unter dem Namen Emma Maria Cordsen verzeichnet, Tochter des Werftarbeiters Ernst Friedrich Matthias Cordsen und der Anna Dorothea, geb. Zielfeld. Es ist ein spätes, ganz unerwartetes Kind, das die Eltern Emmy rufen werden. Der Vater ist 48, die Mutter 43 Jahre alt. Für beide ist es die zweite Ehe. Cordsen, der um 1877 seine erste Frau in Altona geheiratet hatte, war 1881 nach deren Tod mit der eineinhalbjährigen Tochter Paula in seine Vaterstadt Flensburg zurückgekehrt. Er brauchte eine Mutter für sein Kind, eine Frau, die ihm den Haushalt führte. Und als die kinderlose Witwe Anna Dorothea Lund, deren Mann nach einem Schiffbruch verschollen war, 1882 Hamburg verließ und wieder nach Flensburg zog, lag eine Verbindung nahe. Beide hatten, wie man dort sagt, "gut davon". Sie heiraten am 30. Mai 1882 in St. Marien, und Cordsen kauft im November desselben Jahres ein Haus in der Steinstraße 5, unweit der Werft, bei der der ehemalige Seemann als Takler eine Anstellung gefunden hat. "Er hatte die Hißtaue an den Schiffsmasten anzubringen und alles zu ordnen, was mit dem Segelwerk und dem Stapellauf eines Schiffes zu tun hatte." 1 Die Seefahrt wird zur Erinnerung. Später, wenn er Emmy davon erzählt, zum aufregenden Abenteuer. Und abenteuerlustig muß der junge Cordsen gewesen sein, dessen Vorfahren die Flensburger Archive als Hufner und Bäcker ausweisen. 1864, im Jahr der für seine Heimat so entscheidenden Schlacht auf den nahen Düppeler Schanzen, hatte er das Steuermannspatent erworben, 1867 einen Reisepaß für das Ausland erhalten, war zur See gefahren. Auf einem Dreimaster um die Welt gesegelt. Mehrmals. Das wissen wir von Emmy, die um den Vater, das Meer und sich selbst einen magischen Bann ziehen und mit ihrer unerschöpflichen Phantasie immer neue Geschichten dazu ersinnen wird. Anders die aus einer Flensburger Handwerker- und Tagelöhnerfamilie stammende Mutter, die ihren ersten Mann, den Schiffskapitän Ludwig Lund, unmittelbar vor ihrer Eheschließung mit Cordsen für tot erklären ließ: "Von Mutter weiß ich, daß sie das Meer fürchtete, doch hatte sie hierfür einen triftigen Grund, da sie ihren Lieblingsbruder und vor allem ihren ersten Gatten schon früh an das Meer verloren hatte." 2

Emmy fürchtet das nahe Meer nicht. Kann von der Steinstraße zur Förde laufen, zum Hafen, wo die Schiffe am Kai liegen, Segel- und Dampfschiffe be- und entladen werden und mit geblähten Segeln, mächtig dampfenden Schornsteinen davonfahren und hinter dem Horizont verschwinden, der Grenze zur aufregenden, geheimnisvollen und gefährlichen Welt. Manchmal ist das Wasser der Förde tiefblau. Meistens jedoch ist es so grau wie die Felduniform der preußischen Soldaten in der Duburg-Kaserne. Denn Flensburg ist nach langem politischen Tauziehen und dem Sieg Österreichs und Preußens über Dänemark preußisch. Und damit nach 1871 Teil des Deutschen Reichs. Aber die Grenze ist nah. Jenseits liegt Dänemark, zu dessen Krone die Herzogtümer Schleswig und Holstein bis 1864 gehört hatten. Bei klarer Sicht sind die dänischen Fördeufer nicht von den reichsdeutschen zu unterscheiden: weißer Strand und grüne Buchenwälder. Danach wird sich Emmy sehnen, wenn sie aufbricht, das Geheimnis der Welt hinter dem Horizont zu ergründen.

Zuvor jedoch sind die Grenzen eng gezogen: "eine kleine ungepflasterte Straße, weit draußen im Vorort der kleinen Hafenstadt. Eigentümlich verschollen wirkt diese Gegend, einsam, als wär hier die Welt zu Ende, oder als wäre sie am Anfang, denn irgendwo muß sie doch beginnen (...) Kinder spielen im Kreis und sagen einander, daß der Himmel heut so niedrig hängt, und daß man

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