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Der Codex Manesse Geschichte, Bilder, Lieder von Bleuler, Anna-Kathrin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.03.2018
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Der Codex Manesse

Mit dem Codex Manesse beherbergt die Heidelberger Universitätsbibliothek den wohl berühmtesten und umfangreichsten Prachtkodex seiner Zeit. Das reich illustrierte Liederbuch ist nicht nur ein Kleinod mittelalterlicher Buchmalerei, sondern vor allem ein einzigartiges Zeugnis des Reichtums mittelhochdeutscher Lyrik, von der Zeit Barbarossas im 12. Jahrhundert bis zu den Anfängen des 14. Jahrhunderts. Die Literaturwissenschaftlerin Anna Kathrin Bleuler macht diesen Schatz einer breiten Leserschaft zugänglich. Ihre anschauliche Darstellung ist gleichermaßen dem Inhalt wie der Entstehungsgeschichte des Codex gewidmet. Sie erhellt das Wesen der Autorenbilder im Codex und entwirft ein Panorama der Formenvielfalt des mittelalterlichen Minnesangs.

Anna Kathrin Bleuler ist Professorin für Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters an der Universität Salzburg. Der Codex Manesse bildet einen besonderen Schwerpunkt ihrer Forschungen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 15.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406721359
    Verlag: Verlag C.H.Beck
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Der Codex Manesse

3. Herstellung und Aufbau des Codex

Es gibt rund 40 mittelhochdeutsche Lyrikhandschriften, von denen über die Hälfte allerdings nur fragmentarisch erhalten ist. Die Überlieferung setzt Ende des 13. Jahrhunderts ein und reicht bis ins 15. Jahrhundert. Bei diesen 40 Überlieferungsträgern handelt es sich um ganz unterschiedliche Handschriftentypen. Neben Handschriften, die - wie der Codex Manesse - die Werke mehrerer Autoren versammeln, gibt es solche, die nur ein Autorcorpus enthalten. Solche Einzelsammlungen sind teilweise zu späteren Zeitpunkten mit anderen Handschriften zusammengebunden worden. Hinzu kommen längere und kürzere Liedeinträge in Handschriften, die im Wesentlichen andere Textsorten enthalten, z.B. in Epik-Handschriften oder in lateinischsprachigen Handschriften.

Mittelalterliche Handschriften werden heute zumeist nach ihrem aktuellen Aufbewahrungsort benannt. Sie sind außerdem mit einer kennzeichnenden Buchstabensigle versehen, wobei Großbuchstaben für Pergament-Handschriften und Kleinbuchstaben für Papierhandschriften stehen. Für den Codex Manesse ergibt sich die Bezeichnung Große Heidelberger Liederhandschrift C daraus, dass die Universitätsbibliothek Heidelberg, in deren Besitz er heute ist, über eine weitere, wesentlich kleinere und bilderlose mittelhochdeutsche Liederhandschrift verfügt, die wohl etwas früher zu datieren ist. Diese vermutlich Ende des 13. Jahrhunderts im Elsass entstandene Handschrift wird als Kleine Heidelberger Liederhandschrift A bezeichnet. Hinzu kommt die sogenannte Stuttgarter Liederhandschrift B (ehemals: Weingartner Liederhandschrift ; heute in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart), die ebenfalls um 1300 entstanden ist und aus dem westlichen Bodenseegebiet, eventuell aus Konstanz, stammt. Anders als A sind die Handschriften B und C mit ganzseitigen Autorenbildern versehen.

Bei den Handschriften A, B und C, von denen der Codex Manesse die prachtvollste und umfangreichste ist, handelt es sich um die ältesten deutschsprachigen Lyriksammlungen, die mehr als ein Autorcorpus enthalten. Zum Teil weisen sie inhaltliche Entsprechungen auf, jedoch hat keine der drei Handschriften der anderen als Vorlage gedient. Vergleicht man die gemeinsam überlieferten Texte, zeigt sich allerdings, dass für manche Partien des Codex Manesse dieselben Vorlagen benutzt worden sein müssen wie für Teile der Handschriften A und B. Bei diesen den Handschriften A / C und B / C gemeinsam zugrunde liegenden Vorlagen, die in der Forschung als AC und BC bezeichnet werden, handelt es sich nicht um materiell greifbare Größen, sondern um hypothetische Konstrukte. Denn sie sind - genauso wie nahezu alle anderen anzunehmenden Vorlagen von A, B und C - nicht erhalten.

Was den Codex Manesse betrifft, liegen lediglich zwei schlecht erhaltene Pergament-Bruchstücke vor, die in seinem direkten Umfeld zu verorten sind. Beim einen, dem sogenannten Naglerschen Fragment (heute in der Biblioteka Jagiellonska in Krakau [Berol. mgo 125]), handelt es sich um zwei stark beschnittene Einzelblätter, für die Voetz gezeigt hat, dass sie wohl tatsächlich die spärlichen Überreste einer Lyrikhandschrift darstellen, die dem Codex Manesse als direkte Vorlage gedient hat. Das Graphiesystem dieses Fragments weist auf Zürich und Umgebung als Entstehungsort hin (Voetz 2015, S. 85-91). Beim anderen dagegen, dem aus zwei Pergamentdoppelblättern bestehenden sogenannten Troßschen Fragment (heute in der Biblioteka Jagiellonska in Krakau [Berol. mgq 519]), handelt es sich nicht um eine Vorlage, sondern um die Überreste einer im 15. Jahrhundert erstellten Abschrift des Codex Manesse, die aus dem württembergischen bzw. fränkischen Raum stammt.

Das weitgehende Fehlen von Vorlagen, nach denen die mittel

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