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Die deutsche Exilliteratur 1933 bis 1945 Perspektiven und Deutungen

  • Erscheinungsdatum: 01.05.2015
  • Verlag: WBG Academic
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Die deutsche Exilliteratur 1933 bis 1945

Die Exilliteratur umfasst die Literatur von Autoren, die aufgrund politischer, religiöser oder ethnischer Gründe aus dem Deutschen Reich und den nach 1933 eingegliederten Gebieten geflohen sind. Die 16 Originalbeiträge dieses Bandes untersuchen den ästhetischen und künstlerischen Gehalt von literatur- wie wirkungsgeschichtlich einflussreichen Werken der deutschsprachigen Exilliteratur. Neben kanonischen Texten werden bewusst auch solche Autoren berücksichtigt, die innerhalb der vergangenen Jahrzehnte weniger Aufmerksamkeit erfahren, die Epoche aber wesentlich mitgeprägt haben. Mit Beiträgen zu Thomas und Heinrich Mann, Arnold Zweig, Bruno Frank, Alfred Döblin, Bertolt Brecht, Stefan Zweig, Lion Feuchtwanger, Anna Seghers u.a.

Dr. Sikander Singh ist Leiter des Literaturarchivs Saar-Lor-Lux-Elsass der Universität des Saarlandes und Privatdozent für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität des Saarlandes. Dr. Sonja Klein ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Düsseldorf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 220
    Erscheinungsdatum: 01.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534739578
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 1279 kBytes
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Die deutsche Exilliteratur 1933 bis 1945

Sonja Klein
Exil - Literatur - Exilliteratur. Eine Einführung

Tag um Tag

Arbeitest du an der Befreiung

Sitzend in der Kammer schreibst du

Willst du wissen, was du von deiner Arbeit hältst?

Brecht: Gedanken über die Dauer des Exils 1
I. Fragen

"Willst du wissen, was du von deiner Arbeit hältst?" Die Frage, der sich der Schreibende in einem von Brechts wohl bekanntesten Exilgedichten stellen muss, ist eine, mit der sich nicht nur die meisten derjenigen Schriftsteller konfrontiert sahen, die nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 ihr Land verlassen hatten, sondern die in der Folge auch für die Literaturwissenschaft immer wieder relevant geworden ist. Ob und mithilfe welcher Kriterien literarische Werke zu werten seien, die unter dem Druck der politischen Entwicklungen und nicht selten zudem unter dem der finanziellen Not wie Notwendigkeit entstanden, ist lange umstritten geblieben. Wenngleich die "selten ausgesprochene, aber weit verbreitete Annahme von der notwendigen ästhetischen Inferiorität von Exilliteratur, die nicht richtiger wird, wenn sie von Verständnis begleitet ist, etwa in dem Sinn, daß von Exilanten eine literarisch hochstehende Produktion nicht erwartet werden könne", 2 längst revidiert ist, bleibt der von Manfred Durzak schon in den 1970er Jahren eingeforderte Perspektivwechsel vom "moralischen Zeugnis zum literarischen Dokument" 3 nicht selten doch noch von einem, vielleicht Pietät zu nennenden, Moment grundiert, mit dem sich die Forschung ihrem Gegenstand annähert. Noch 1983 eröffnet so das neubegründete Jahrbuch für Exilforschung, das längst zu den wichtigsten Periodika des Forschungsfeldes zählt, seine Vorrede zu der ersten Ausgabe mit der Ermahnung: "Die Geschichte der Leiden und Konflikte, denen die ausgebürgerten Gegner des Dritten Reichs ausgesetzt gewesen sind, verlangt, daß man Kritik mit Verständnis vereine." 4

Doch nicht nur die Problematik etwaiger ästhetischer oder moralischer Parameter hat die Exilforschung nachhaltig beschäftigt. Mindestens ebenso kontrovers diskutiert war und ist die Frage, was denn nun eigentlich zu einer Literatur des Exils zu zählen sei. Umfasste sie neben der "schöne[n] Literatur" auch die "politische und wissenschaftliche"? 5 Und war aus dieser Perspektive dann nicht vielleicht jeder der "im Exil geschriebenen, gedruckten und ungedruckten deutschsprachigen Text[e] zur Exilliteratur zu rechnen"? 6 Wie waren literarische Zeugnisse der Autoren der sogenannten "Inneren Emigration", von manchen Forschern gar als "inneres Exil" 7 bezeichnet, einzuordnen? Zählten nicht auch solche Werke zu dem zu erforschenden Textkorpus, die nach der historischen Zäsur von 1945 verfasst wurden, aber aus einer sich fortschreibenden Exilerfahrung heraus, also einem Exil nach dem Exil, entstanden? 8 Und war es von diesen Zeugnissen nicht nur ein kleiner Schritt zu derjenigen Literatur, die "das Exil thematisier[t], ohne dass die Autorinnen und Autoren selbst" 9 je in ebendiesem sich befunden haben - wie die Herausgeber des 2013 erschienenen "Handbuchs der deutschsprachigen Exilliteratur" meinen? Zudem, so haben manche Wissenschaftler eingewandt, 10 sei ohnehin jeder Akt der literarischen Produktion auch Ausdruck einer Fremdheitserfahrung, die "exilische Kondition" 11 aus anthropologischer Sicht seit dem grundlegenden Mythos von der Vertreibung aus dem Paradies nichts anderes als ein Teil der conditio humana. 12 Ist der Begriff Exil-Literatur, aus dieser Perspektive, schlussendlich also nur ein Pleonasmus?

Nicht zuletzt hat auch die Annahme eines - inzwischen freilich als Mythos dekuvrierten - gemeinsamen ästhetischen Nenners, der a

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