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Die Gruppe 47 Als die deutsche Literatur Geschichte schrieb von Böttiger, Helmut (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2012
  • Verlag: DVA
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Die Gruppe 47

Die Gruppe 47 ist zu einem Markenzeichen geworden. Jeder nimmt Bezug auf diese von Hans Werner Richter 1947 ins Leben gerufene lose Schriftstellervereinigung. Jeder hat eine Vorstellung von ihrer Wirkung. Helmut Böttiger legt nun den ersten umfassenden Überblick über die Geschichte dieser Institution vor, die unseren Literaturbetrieb erfunden und die politische Öffentlichkeit Nachkriegsdeutschlands mitgeprägt hat. Bei näherer Betrachtung wird aber klar: Vieles von dem, was man zu wissen glaubt, verkehrt sich ins Gegenteil. Die Gruppe 47 war erstaunlich pluralistisch; Paul Celan hatte ihr seinen Erfolg zu verdanken; und wenn es eine Symbolfigur für die Mechanismen der Gruppe 47 gibt, heißt sie viel eher Hans Magnus Enzensberger als Günter Grass. Durch die Auswertung vieler bisher unbekannter Dokumente und Gespräche mit Zeitzeugen entsteht ein lebendiges Bild der Frühgeschichte der BRD: von den Schwierigkeiten, die Prägungen durch den Nationalsozialismus abzustreifen, bis zu einem neuen, prekären Wechselspiel zwischen Literatur, Markt und Mediengesellschaft, das bis heute anhält. Es ist an der Zeit, die Ursprünge kennenzulernen!

Helmut Böttiger, geboren 1956, ist einer der renommiertesten Literaturkritiker des Landes. Nach Studium und Promotion war er als Literaturredakteur u.a. bei der Frankfurter Rundschau tätig. Seit 2002 lebt er als freier Autor und Kritiker in Berlin und veröffentlichte u.a. "Nach den Utopien. Eine Geschichte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur" (2004) und "Celan am Meer" (2006). Er war Kurator der Ausstellung "Doppelleben. Literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland" (2009) und Verfasser des Begleitbuchs. 1996 erhielt er den Ernst-Robert-Curtius-Förderpreis für Essayistik, 2012 den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik. Für sein zuletzt veröffentlichtes Buch "Die Gruppe 47" wurde er mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2013 ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 12.11.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641094706
    Verlag: DVA
    Größe: 11851kBytes
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Die Gruppe 47

Einleitung

Literatur zwischen Markt,
Macht und Medien

Ein Gespenst geht um im deutschen Literaturbetrieb – das Gespenst der Gruppe 47. Obwohl sie seit fast einem halben Jahrhundert nicht mehr existiert, geistert sie noch immer durch die Debatten: mal als Popanz, mal als Vorbild, mal als abschreckendes Beispiel. Was es mit ihr auf sich hatte, wissen die meisten allenfalls noch durch Gerüchte und meinungsstarke Thesen. Großen Einfluss auf die Art und Weise, wie über diese Autorenvereinigung gesprochen wird, hat zudem die Tatsache, dass einige ihrer Protagonisten im Grunde bis heute den literarischen Diskurs bestimmen. Wenn Günter Grass, Marcel Reich-Ranicki oder Martin Walser auftreten oder anderweitig ihre Ansichten kundtun, findet das immer noch den stärksten Widerhall in den Medien. Sie sind Debattenkönige, Auslöser für Streitgespräche und Artikelserien. Sie mögen polarisieren, aber ihnen gehört immer noch die Aufmerksamkeit. Man wendet sich von ihnen ab, längst hat man Haltungen der Ablehnung oder der Verachtung kultiviert, aber ihre Namen sind nach wie vor Markenzeichen. Noch als 80- bis 90-Jährige schaffen sie es eher, im Mittelpunkt zu stehen, als die meisten Protagonisten der Autorengenerationen danach. Der Verdacht liegt nahe, dass sie die Mechanismen ihrer öffentlichen Wirkung bei der Gruppe 47 gelernt haben. Denn dort wurde die Literatur zum Betrieb, die Gruppentagungen waren eine Art Praktikum für rhetorische Mittel, für moderne Kommunikationstechniken, für die Praxis der Vernetzung, noch ehe überhaupt die Begriffe dafür gefunden wurden.

Die Ausgangsbedingungen hätten nicht idealer sein können: Man traf sich einmal, nur in den Anfängen auch zweimal im Jahr, drei Tage lang, und diese drei Tage waren der Katalysator des literarischen Lebens. Es gab keinerlei Konkurrenzveranstaltungen, keine Festivals oder sonstige Events – alles konzentrierte sich auf die jeweilige Tagung der Gruppe 47. Deshalb liegt es nahe, genauer hinzusehen, wie sich hier der Literaturbetrieb verdichtete, wie hier all das entwickelt wurde, was heute als selbstverständlich gilt – vor allem auch alle Aspekte der Medialisierung und Kommerzialisierung von Literatur. Es ist nicht überraschend, dass es eine Vielzahl von Studien und Analysen über die Gruppe 47 gibt. Vor allem in den ersten beiden Jahrzehnten nach ihrem Ende 1967 war sie ein viel diskutierter Gegenstand. Sie erzeugte eine unübersehbare Flut von wissenschaftlichen und von populären Arbeiten. Dabei wurde die immense Bedeutung der Gruppe für das gesellschaftliche und literarische Leben der Bundesrepublik als gegeben vorausgesetzt, man sezierte fieberhaft die diversesten Einzelaspekte. Merkwürdigerweise gibt es aber bis heute keine umfassende Gesamtdarstellung dieser Gruppe und ihrer Geschichte. Es mehren sich zwar polemische Zuspitzungen, aber neben der notwendigerweise gerafften Rowohlt-Monografie von Heinz Ludwig Arnold und seinem eher wissenschaftlich-systematisch ausgerichteten Göttinger "Text + Kritik"-Projekt existiert bisher kaum ein größer angelegter Versuch, die Gruppe 47 als Gesamtes zu betrachten. Dabei wäre es an der Zeit, die historische Distanz zu nutzen und die Gruppe 47 als hochinteressantes Phänomen nachzuzeichnen, als ein wichtiges Kapitel der Literaturgeschichte, ohne sofort in Parteigängertum oder hämische Ablehnung zu verfallen. Die Mitschnitte der Gruppendiskussionen, die in den Rundfunkarchiven liegen, wie auch die verdienstvolle Edition des Briefwechsels des Gruppenchefs Hans Werner Richter, die Sabine Cofalla 1997 vorgelegt hat, bieten schon seit geraumer Zeit eine solide Grundlage dafür.

Am entrücktesten ist mittlerweile wohl die gesellschaftliche Funktion, die die Gruppe gehabt hat u

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