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Einführung in das Werk Johann Wolfgang von Goethes von Hamacher, Bernd (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2014
  • Verlag: wbg Academic
eBook (ePUB)
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Einführung in das Werk Johann Wolfgang von Goethes

Goethes Leben und Werk hatten schon immer Modellcharakter: Galt sein Leben bereits im 19. Jh. als vorbildlich, entwickelte sich die Germanistik als Wissenschaft nach den Vorgaben ihres lange Zeit wichtigsten Autors. Diese Einführung verknüpft die Frage nach den historischen Kontexten von Goethes Werk mit aktuellen Rezeptionsinteressen. Sie erläutert Goethes schriftstellerisches Selbstverständnis und seine literaturpolitischen Bestrebungen. Zentrale Themen wie die Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution oder die Beschäftigung mit der Natur werden ebenso behandelt wie die breite Vielfalt der Gattungen und Genres. Dieses Spektrum wird mit Blick auf die variierenden Schreibweisen in den unterschiedlichen Werkphasen literaturgeschichtlich ergänzt. Im Mittelpunkt stehen repräsentative Einzelanalysen von "Prometheus", "Götz von Berlichingen", "Die Leiden des jungen Werther", "Iphigenie auf Tauris", "Wilhelm Meisters Lehrjahre", "Die Wahlverwandtschaften" und "Faust". Dr. Bernd Hamacher, geb. 1964, ist Privatdozent für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität zu Köln und wissenschaftlicher Angestellter beim Goethe-Wörterbuch, Arbeitsstelle Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 01.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534711598
    Verlag: wbg Academic
    Größe: 1031 kBytes
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Einführung in das Werk Johann Wolfgang von Goethes

II. Die Goethe-Forschung und die Geschichte der Neueren deutschen Literaturwissenschaft

Beginn der Goethe-Philologie

Die Entwicklung der Neueren deutschen Literaturwissenschaft ging mit der Erforschung des Goethe'schen Werks Hand in Hand. Im Laufe des 19. Jahrhunderts und dann verstärkt seit der Reichsgründung 1871 wurde die Germanistik als Universitätsdisziplin an immer mehr deutschen Universitäten etabliert. Zunächst wurde sie jedoch vor allem als Sprachwissenschaft betrieben, erste literaturwissenschaftliche Untersuchungen galten den Texten des deutschen Mittelalters. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden neuhochdeutsche Texte im selben Maße 'wissenschaftsfähig' wie alt- und mittelhochdeutsche. Die Literaturgeschichten des 19. Jahrhunderts endeten mit Goethes Tod - für Heinrich Heine das "Ende der Kunstperiode", das praktisch mit dem von dem Philosophen Hegel in seinen Berliner Ästhetikvorlesungen der 1820er Jahre konstatierten Ende der welthistorischen Rolle der Kunst zusammenfiel. Der Tod des letzten Enkels von Johann Wolfgang von Goethe im Jahre 1885 wirkte dann als Initialzündung für einen enormen institutionellen Aufschwung der Germanistik. Jahrzehntelang hatte die wissenschaftliche Welt darauf gewartet, dass Goethes Nachlass endlich zugänglich wurde. Dessen Aufarbeitung wurde als nationale Aufgabe gesehen. Im Weimar wurde das Goethe-Archiv als erstes deutsches Literaturarchiv gegründet, mit dem Auftrag durch die Großherzogin Sophie von Sachsen, eine historisch-kritische Werkausgabe zu erstellen, die erst nach dem Ersten Weltkrieg 1919 abgeschlossene Weimarer Ausgabe , die in vier Abteilungen (Werke, naturwissenschaftliche Schriften, Tagebücher, Briefe) 143 Bände umfasst und damit die bis heute immer noch vollständigste Goethe-Edition ist. Folgenreich war vor allem die Entscheidung, in Textgestalt und Werkanordnung Goethes Ausgabe letzter Hand (seit 1827, Nachtragsbände bis 1842) zu folgen, sich also an Goethes eigenen editorischen Entscheidungen zu orientieren, die jeweils letzten Fassungen der Texte als Maßstab zu nehmen und die Werke nicht chronologisch, sondern nach Gattungen zu ordnen (vgl. Nutt-Kofoth 2012). Einen anderen Weg hatte die Edition Der junge Goethe eingeschlagen, die noch vor der Öffnung des Nachlasses erstmals 1875 erschienen war und die Jugendwerke' Goethes bis 1776 in ihren ersten Druckfassungen in chronologischer Folge edierte. Die zweite Ausgabe durch Max Morris 1909-1912 konnte dann auch die nachgelassenen Manuskripte berücksichtigen und zog die zeitliche Grenze 1775 mit Goethes Übergang nach Weimar. Die jüngste, vierte Ausgabe dieser Edition (hg. v. Eibl/Jannidis/Willems) erschien 1998 als Hybrid-Edition mit CD-ROM. Der junge Goethe ist damit längst zum Markennamen geworden, mit der Konsequenz, dass die Forschung die Schwelle 1775 meist als Ende einer Werkphase betrachtet.

Orientierung an den Vorgaben Goethes

Die Frühphase der Goetheforschung war durch die vorherrschenden editorischen Aufgaben philologisch geprägt - mit der Folge, dass die "Goethe-Philologie" aufgrund ihrer Kleinteiligkeit schon bald als subalterne Ausdrucksform eines Goethe-Kults verstanden wurde (vgl. Braitmaier 1892). Quellen, Vorlagen und Entstehungsbedingungen sollten so genau wie möglich rekonstruiert werden, um in der Epoche des Historismus die Texte aus ihrer Entstehung erklären zu können. Damit wollte man in der Methode der Literaturwissenschaft Goethes eigenem Wissenschaftsverständnis folgen: "Natur- und Kunstwerke lernt man nicht kennen wenn sie fertig sind; man muß sie im Entstehen aufhaschen, um sie einigermaßen zu begreifen" (an Carl Friedrich Zelter, 4.8.1803; II 5, 368). Entscheidend für die frühen Germanisten wie Wilhelm Scherer war, dass mit dem genetischen Paradigma ein Anschluss an die aktuelle wissenschaftliche Leitdisziplin der Entwicklungsbiologie in Form des Darwinismus möglich schien. Die Folgen dies

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