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Einführung in die deutschsprachige Literatur nach 1945 von Egyptien, Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Einführung in die deutschsprachige Literatur nach 1945

Anders als die literarische Produktion früherer Jahrhunderte lässt sich die deutschsprachige Literatur nach 1945 nicht mehr durch einen einzigen Epochenbegriff charakterisieren. Eine wesentliche Aufgabe dieser Einführung besteht deshalb darin, das komplexe literarische Feld zu strukturieren und prägende Tendenzen eines höchst heterogenen Phänomens herauszustellen. Eine knappe Bewertung der Forschungsliteratur und die präzise Rekonstruktion der historischen, politischen und kulturellen Kontexte bereiten den Boden für die Analyse der wichtigsten ästhetischen Modelle und literarischen Strömungen vor. Der folgende literarhistorische Abriss zeichnet die entscheidenden Entwicklungen in Prosa, Drama und Lyrik nach. Die beispielhafte Interpretation repräsentativer Werke macht die vorgestellten Ergebnisse auch in der Praxis nachvollziehbar.

Prof. Dr. Jürgen Egyptien lehrt Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der RWTH Aachen. 1987 Promotion an der TU Berlin, 1995 Habilitation an der RWTH Aachen. Jürgen Egyptien war von 2000-2006 stellvertretender Vorsitzender der Stefan-George-Gesellschaft. Er ist Mitherausgeber des 13-bändigen ?Killy Literaturlexikons? und Herausgeber des ?Stefan George-Werkkommentars?. Forschungsschwerpunkte sind die Literatur der Jahrhundertwende, insbesondere Stefan George und George-Kreis, die Literatur des 20. Jh., Prosa der Nachkriegszeit, Essayistik, moderne Lyrik.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 01.02.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534710256
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 1202 kBytes
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Einführung in die deutschsprachige Literatur nach 1945

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I. Zur Periodisierung der Literatur seit 1945

Grenzen des Überblicks

Gegenüber dem Unterfangen, auf eng begrenztem Raum einen Überblick über die deutschsprachige Literatur des Zeitraums von 1945 bis 2000 geben zu wollen, erscheint die Quadratur des Kreises als ein vergleichsweise läppisches Vorhaben. Dies umso eher, als sich ja - zumindest aus der Optik eines Nicht-Mathematikers - das Resultat in einem Grad von approximativer Annäherung angeben lässt, von dem der Literaturhistoriker nur träumen kann. Dass man gerade in Bezug auf das hier behandelte Stoffgebiet alle Hoffnung auf eine nur halbwegs erschöpfende Darstellung fahren lassen muss, wird noch außer durch die Grenzen der subjektiven Wahrnehmungskapazität durch zwei objektive Faktoren bedingt. Zum einen dürfte sich rein quantitativ die literarische Produktion deutschsprachiger Texte noch nie dauerhaft auf einem so hohen Niveau bewegt haben. So werden allein in Westdeutschland seit etwa 1960 jährlich ca. 5000 Bücher belletristischen Charakters in Erstauflage verlegt. Die Zahl der Verlage, die schöne Literatur produzieren, dürfte, wenn man die Kleinverlage und Handpressen mitrechnet, sicher weit über 1000 liegen.

Kriterien literaturgeschichtlicher Systematisierung

Zur quantitativen Besonderheit gehört zudem, dass die Spanne von 1945- 2000 mit einer Erstreckung über 55 Jahre einen vergleichsweise langen Zeitraum darstellt. Gerade was die Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts angeht, sind wir eigentlich gewohnt, kleinteiliger zu systematisieren. Das gilt sowohl für eine stilgeschichtliche als auch für eine gesellschaftsgeschichtliche Einteilung. Auf der einen Seite kann man z. B. von der Epoche des Expressionismus (1910 -1925) oder der Neuen Sachlichkeit (1925-1933) sprechen, auf der anderen operiert man mit Oberbegriffen wie Literatur der Weimarer Republik (1918 -1933) oder des Exils (1933-1945). Freilich ist zu berücksichtigen, dass man mit den stilgeschichtlichen Klassifikationen immer nur einen Ausschnitt des literarischen Feldes erfasst, denn beispielsweise existieren zeitgleich mit dem Expressionismus noch Strömungen wie die Neoromantik, der Neuklassizismus, der Spätimpressionismus, die Heimatkunst, die Arbeiterliteratur oder der Dadaismus, um nur einige zu nennen. Umgekehrt ist bei der Verwendung von gesellschaftsgeschichtlichen Begriffen von vornherein die Heterogenität des so benannten Phänomens mitzudenken. Gerade das Beispiel ,Literatur der Weimarer Republik' konfrontiert den Literaturhistoriker auf extreme Weise mit einer sowohl ästhetischen als auch mentalitätsgeschichtlichen Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, die von der völkischen Blut- und Bodenliteratur bis zum Proletkult, von traditionellen Formen bis zu avantgardistischen Experimenten, von retrogradem Provinzialismus bis zum Einbezug der großstädtischen Medien reicht.

Für die deutschsprachige Literatur von 1945 bis 2000 stellt sich der Sachverhalt noch etwas anders dar. Zwar kann man unter stilgeschichtlicher Perspektive auch hier einige bereits kanonisierte Segmente herausfiltern, wie etwa den Dokumentarismus oder die neue Subjektivität, zwar kann man innerhalb der Entwicklung einiger Gattungen Phänomene wie das absurde Theater oder die hermetische Lyrik konturieren, aber es sind doch gleichsam nur Inseln in einem noch unzulänglich kartierten Textozean, deren Koordinaten sich zudem bei näherer Betrachtung als unzuverlässig erweisen. Die zuletzt genannte hermetische Lyrik beispielsweise ist dem poetologischen Selbstverständnis ihrer prominentesten Vertreter nach - also Ernst Meister und Paul Celan - keineswegs hermetisch gegen die Außenwelt abgeschlossen, sondern gerade dialogisch angelegt.

Problematik der Gegenwartsnähe

Hier kommt nun der zweite objektive Faktor ins Spiel, denn natürlich ist eine literaturhistorische Perspektive umso schwerer einzunehm

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