text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Einführung in die Literatur der Wiener Moderne von Irsigler, Ingo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2015
  • Verlag: wbg Academic
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Einführung in die Literatur der Wiener Moderne

Eine der einflussreichsten Literaturbewegungen der Zeit um 1900 war die so genannte Wiener Moderne, die auch unter dem Namen ?Jung-Wien? Einzug in die Literaturgeschichte gehalten hat. Autoren wie Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Richard Beer-Hofmann, Leopold von Andrian oder Peter Altenberg prägten diese Strömung. Der Band definiert die literatur- und gesellschaftshistorischen Kennzeichen der Epoche und zeichnet ihren Einfluss auf die literarische Moderne insgesamt nach. Zentrale Probleme wie Subjektentwürfe, Geschlechterrollen oder das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft werden ausführlich erörtert. Einzelanalysen behandeln Andrians ?Garten der Erkenntnis?, Beer-Hofmanns ?Tod Georgs?, von Hofmannsthal die ?Reitergeschichte? und den ?Jedermann? und von Schnitzler das ?Fräulein Else? und die ?Liebelei?. Dr. Dominik Orth ist Lehrkraft für besondere Aufgaben in der Fachgruppe Germanistik an der Bergischen Universität Wuppertal.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 01.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534739523
    Verlag: wbg Academic
    Größe: 989 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Einführung in die Literatur der Wiener Moderne

II. Forschungsbericht

1. Topografie und Soziologie der Wiener Moderne

Moderne-Forschung

Mit dem Begriff 'Moderne' wird in der Literaturwissenschaft gemeinhin diejenige kunstästhetische Epoche bezeichnet, die sich als Reaktion auf die zunehmende Komplexität sozialer, politischer und wirtschaftlicher Realitäten um die Jahrhundertwende formierte (vgl. Kap. I.3). Diese Epoche 'Moderne' ist keineswegs homogen; vielmehr gibt es eine Vielzahl verschiedener Moderne-Konzepte, was sich in besonderer Weise in den vielen konkurrierenden Literaturströmungen um 1900 zeigt: Die Literatur reagierte höchst unterschiedlich auf die kulturell-technische Modernisierung der Jahrhundertwende, sie umfasst ein Spektrum, so Sabina Becker und Helmuth Kiesel, das sich "zwischen den Polen Provokation und Institution" spannt: "Provokation spezifiziert als Abweichung von der ästhetischen Norm, Institution verstanden als Rekurs auf Tradition und Traditionen [...]. Die Literatur der Moderne changiert jedenfalls im Spannungsfeld einer provokanten Ästhetik [...] auf der einen und literarischen Konventionen auf der anderen Seite; sie oszilliert zwischen Literaturrevolution und Tradition." (Becker/Kiesel 2007, 10) Ein Kennzeichen der literarischen Moderne ist somit ihre thematische und formal-ästhetische Diversität, die nicht nur für die Moderne als Makrostruktur, sondern auch für einzelne Strömungen wie die Wiener Moderne gilt: Die Forschung hat immer wieder auf "das Geflecht widersprüchlicher Tendenzen" (Lorenz 2007, 5 sowie Brix 1990) hingewiesen, das die Literatur der Wiener Jahrhundertwende charakterisiert. Wie die literarische Moderne insgesamt, reicht auch die Wiener Moderne - so Dagmar Lorenz - von der avantgardistischen Innovationsleistung eines Arthur Schnitzlers bis hin zur konservativen Heimatliteratur Peter Roseggers (vgl. Lorenz 2007, 5).

Ordnungsprinzip Topografie

Um die komplexe Struktur kultureller Milieus in ihren Wechselwirkungen und Widersprüchlichkeiten zu erfassen, hat die Moderne-Forschung die Formationsprozesse verschiedener Strömungen detailliert zu erfassen versucht, wobei ein wesentliches Ordnungsprinzip die kultursoziologische Beschreibung der 'geistigen Zentren' der Moderne darstellte (vgl. Haupt/Würffel 2008b). Dem Handbuch Fin de Siècle (Haupt/Würffel 2008a) beispielsweise liegt die Annahme zugrunde, dass sich die Moderne anhand ihrer urbanen Zentren Paris, Wien, Berlin, München, London, Prag und Petersburg erfassen lasse. Diese Fokussierung auf die Topografie der Moderne erlaubt eine genauso geistesgeschichtliche wie historisch-politische und (literatur-)soziologische Erläuterung von lokalspezifischen Voraussetzungen, die die Genese literarischer Strömungen bedingen. Überdies lassen sich aus dieser Perspektive Wechselwirkungen zwischen den europäischen Zentren der Moderne in den Blick nehmen. Der Band trägt insgesamt der Tatsache Rechnung, dass die Moderne ein transnationales, europäisches Phänomen darstellt (vgl. auch Frick/Mölk 2003).

Voraussetzungen und internationale Beziehungen

Dieser grundlegenden Einsicht folgen viele Forschungsarbeiten, die sich mit den kulturell-intellektuellen Voraussetzungen für die Genese der Wiener Moderne einerseits und den internationalen Verstrebungen der Strömung andererseits beschäftigt haben (z.B. Brix/Janik 1993). So legen die Sammelbände Die Wiener Jahrhundertwende (Nautz/Vahrenkamp 1996) und Europäische Jahrhundertwende. Wissenschaften, Literatur und Kunst um 1900 (Mölk 1999) die innovativen Prozesse in Philosophie und Wissenschaft, Sprache und Literatur, Kunst und Architektur, Musik sowie Gesellschaft und Politik und außerdem die Vernetzungen zwischen diesen Feldern dar.

Mit den vielfältigen Formen transdisziplinärer Austauschprozesse beschäftigt sich auch Edward Timms (Timms 1996 und 2013), der detailliert die schöpferischen Interaktionen der verschiedenen Wiener Kreise rekonstruiert

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen