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Enzensbergers Kursbuch Eine Zeitschrift um 68 von Marmulla, Henning (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.08.2013
  • Verlag: Matthes & Seitz Berlin Verlag
eBook (ePUB)
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Enzensbergers Kursbuch

Viele Gemeinplätze sind im Laufe der Jahre über das Kursbuch geschrieben worden: So habe Enzensberger 1968 den Tod der Literatur verkündet, und damit sei die Trennung der Zeitschrift vom Suhrkamp Verlag zu erklären. Henning Marmulla zeichnet nun anhand zahlreicher unveröffentlichter Quellen den Weg zur Gründung der Zeitschrift im Jahre 1965 nach, analysiert ihre Bedeutung für die internationalen 68er-Bewegungen und erklärt auch, warum es wirklich zur Trennung von Enzensbergers Zeitschrift und Siegfried Unselds Suhrkamp Verlag im Jahre 1970 kam und erzählt von der Politisierung der Literatur. Enzensbergers Kursbuch unterzieht die Gemeinplätze über diese turbulente Zeit einer Prüfung und erzählt die spannende Geschichte einer Zeitschrift, die ihren Beginn in einer Zeit nahm, als man Geschichte noch für machbar hielt - und die maßgeblich dazu beitrug, dass Menschen für ihre Geschichte kämpften.

Henning Marmulla, geb. 1976 in Bielefeld, hat Germanistik und Geschichte studiert. Er ist Mitherausgeber des Briefwechsels zwischen Hans Magnus Enzensberger und Uwe Johnson ('fuer Zwecke der brutalen Verstaendigung', Suhrkamp 2009) und der 'Chronik 1970' von Siegfried Unseld (2010). Er lebt heute in Berlin und arbeitet als Lektor im Suhrkamp Verlag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 387
    Erscheinungsdatum: 28.08.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783882219258
    Verlag: Matthes & Seitz Berlin Verlag
    Größe: 824 kBytes
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Enzensbergers Kursbuch

Anfang

Das Kursbuch erschien von Juni 1965 bis März 1970 im Suhrkamp Verlag. 4 Als Herausgeber fungierte Hans Magnus Enzensberger, Chefredakteur war Karl Markus Michel. In den fast fünf Jahren, in denen die Zeitschrift im Suhrkamp Verlag erschien, begleitete sie die Formierung und Mobilisierung sowie den Zerfall der deutschen 68er Bewegung. Das Kursbuch war ihr Forum, der Herausgeber ein Vermittler zwischen den internationalen 68er Bewegungen und teilweise selbst Akteur, indem er issues setzte, die von Bedeutung für den globalen Protest waren. Enzensberger und Michel griffen Ideen und Vorstellungen, konkret: Texte wichtiger Vordenker und Ideengeber der internationalen 68er Bewegungen auf, rekonstruierten sie, spitzten sie zu und dynamisierten damit auch einen Prozess, den wir als Mobilisierungsprozess der 68er Bewegung beschreiben. Der italienische Verlag Mondadori identifizierte die Zeitschrift sogar mit der Bewegung und veröffentlichte 1969 eine über 270 Seiten umfassende Kursbuch -Anthologie unter dem Titel Kursbuch. Die Außerparlamentarische Opposition . 5

Der Verleger Siegfried Unseld, seit 1959 Nachfolger Peter Suhrkamps im Frankfurter Verlag, spielte schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken, eine Literaturzeitschrift zu verlegen - nicht zuletzt, um die eigenen Autoren zu fördern. Darauf ließen sich weder Uwe Johnson, noch der Freund und Schachpartner Martin Walser ein. Hans Magnus Enzensberger nahm das Angebot an, hatte jedoch von Anfang an anderes im Sinn als sein Verleger. Im September 1964 schrieb Enzensberger an seinen Freund Alfred Andersch von der norwegischen Insel Tjøme, wo er mit seiner ersten Frau Dagrun und der gemeinsamen Tochter Tanaquil wohnte, über die Ziele, die er mit der geplanten Zeitschrift verband:

"über meine quasi-zeitschrift haben wir nun nicht reden können. das erste heft soll im märz erscheinen. ich hatte eine zeitschrift im sinn, darin schriftsteller über realitäten schreiben, also nicht bücher sondern wirklichkeit 'rezensieren'; aber es wird wohl doch nur eine gute literarische zeitschrift daraus werden - denn die autoren interessieren sich kaum für die wirklichkeit, sondern nur für ihr 'oeuvre'. das sind jedenfalls meine ersten eindrücke. 'von politik', antworten sie mir, 'verstehen wir nichts.' das schlimme ist, daß sie ganz recht haben: sie verstehen wirklich nichts davon." 6

Doch wie Enzensberger bereits im August des Jahres an Hans Paeschke, den Herausgeber des Merkur schrieb, war er "entschlossen, es notfalls ohne ja gegen die vielgefragten autoren zu machen. das bedeutet, daß ich selber schreiben muß." 7 Natürlich kam es nicht zu dieser one-man-show , wie wir heute wissen, auch wenn Enzensberger immer wieder selbst für seine Zeitschrift zur Feder griff. Die Autoren, die in den folgenden Jahren Beiträge für das Kursbuch schrieben, kamen - ganz im Gegensatz zu Enzensbergers pessimistischer Einschätzung aus dem Brief an Andersch - sehr wohl einer spezifischen Aufgabe des Schriftstellers nach: einer politischen. In einem performativen Akt arbeiteten die Autoren, die Texte für die Zeitschrift beisteuerten, damit - vielleicht ohne es zu wissen oder gar zu wollen - an einer Redefinition des Schriftstellers mit, die das politische Engagement zur conditio sine qua non des Schreibens in den Jahren um 1968 erklärte. Den Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Kursbuchs , seines Herausgebers, der 68er Bewegung und den Redefinitionen nicht nur der Rolle des Schriftstellers und der Funktion der Literatur, sondern auch der des Mandats des Intellektuellen zu erklären, ist das zentrale Erkenntnisinteresse dieses Buches.

Den Ausgangspunkt bilden das Zeitschriftenprojekt Kursbuch und sein Herausgeber. In einer sehr interessanten und zeitgenössischen Analyse von Kursbuch 11 verwies Karl Heinz Bohrer 1968 auf das Exzept

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